Ausreiseverbote und Krankheitsfälle
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 07.10.2009
China ist für die Buchmesse in diesem Jahr nicht nur Gastland, sondern auch ein Problem: Erst der Eklat beim Symposium im Juli, dann die Absage des Künstlers Ai Weiwei und nun ringt der regimekritische Autor Liao Yiwu um eine Ausreisegenehmigung.
«Ungeschicklich» war noch der harmlosere Vorwurf, den sich Buchmessen-Direktor Juergen Boos beim China-Symposium im Juli anhören musste. Die chinesische Delegation hatte demonstrativ den Raum verlassen, als die ursprünglich ausgeladenen Autoren Dai Qing und Bei Ling ein Statement auf der Bühne abgaben. Boos entschuldigte sich bei China für die plötzliche Programmänderung und bei der deutschen Öffentlichkeit für die «unnötigen Kompromisse», die bei der Planung gemacht worden seien. Kein guter Start. Und Sinnbild des Spagates, den die Buchmesse in diesem Jahr schaffen muss.
Die Probleme mit dem Gastland China sin keine wirkliche Überraschung. In der Diktatur sind regimekritische Stimmen unerwünscht, frei denkende Autoren haben mit Repressalien zu rechnen. Trotzdem muss die Buchmesse mit öffentlichen Stellen verhandeln – und kann sich gleichzeitig freilich nicht vorschreiben lassen, wen sie einlädt. Mit Bedauern reagierten die Frankfurter Verantwortlichen so auch auf die Absage des chinesischen Künstlers Ai Weiwei diese Woche. «Wir finden es natürlich sehr schade, dass er nicht kommt. Aber noch wichtiger ist, dass Ai Weiwei wieder gesund wird», sagte Buchmesse-Sprecher Thomas Minkus.
Ai Weiwei muss sich nach eigener Aussage von einer Operation im Oktober erholen. Er war wegen eines Blutgerinsels im Hirn in München in Behandlung. Die gefährliche Verletzung ist wahrscheinlich Folge einer Prügelattacke, der der 52-Jährige im August von chinesischen Sicherheitskräften ausgesetzt war. Obwohl die Spekulationen darüber inzwischen verstummt sind, wird wohl nie ganz zu klären sein, ob Ai Weiwei von offizieller chinesischer Seite zu seiner Absage gedrängt wurde.
So oder so ist diese für die Buchmesse ein herber Schlag. Nicht nur, weil Ai Weiwei einer der international bekanntesten chinesischen Künstler ist, sondern auch wegen diesem Satz: Er habe nicht «nicht wirklich Lust auf leere und sinnlose politische Debatten» sagte Ai Weiwei der Süddeutschen Zeitung. Dass die Qualität der Buchmesse insgesamt unter dieser Absage leiden könnte, befürchtet Messe-Sprecher Minkus dennoch nicht.
Die negativen Nachrichten jedoch schaden zumindest der öffentlichen Wahrnehmung der Buchmesse. Zu einer Veranstaltung in Berlin im Vorfeld der Messe hat der regimekritische Autor Liao Yiwu keine Ausreisegenehmigung von den Behörden seines Heimatlandes erhalten – trotz Reisepass. Die Veranstalter der morgen startenden Asien-Pazifik-Wochen wollen sich bis zum Schluss dafür einsetzen, dass er doch noch kommen kann. Ein Tauziehen um Zugeständnisse und Kompromisse mit der chinesischen Regierung, das die gesamte Planungszeit der Buchmesse gedauert hat und sicher auch während der Veranstaltungstage selbst weiter gehen wird.
kab/news.de/dpa
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