Hollywoods dienstälteste Actionheldin
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Sie war Alien-Dresseurin, Gorillaflüsterin und spanische Königin. Nun, da Sigourney Weaver, die Frau für schwierige Fälle, ins Rentenalter kommt, ist sie hoffentlich kein bisschen weise.
Ob sich die beiden Schauspiellehrer, die ihrer Absolventin Sigourney Weaver weder Talent noch Zukunft bescheinigten, je bei ihr entschuldigt haben, ist nicht dokumentiert. Tatsache bleibt aber, dass die ohnehin schüchterne Miss Weaver nach ihrem Schauspielstudium in Yale, wo stets ihre Mitschülerin Meryl Streep die Lorbeeren erntete, die Kunst entmutigt an den Nagel hängen wollte. Nur weil Freunde ihr Rollen anboten, machte sie weiter. Und vielleicht war die Zeit auch einfach reif für eine Schauspielerin, die Monstern die Zähne zeigte, statt kreischend davonzulaufen.
So wurde sie, nach einem mühsamen Berufsstart an Off-Broadway-Bühnen, in Werbefilmen und einer Sechs-Sekunden-Rolle in Woody Allens Stadtneurotiker, mit knapp 30 Jahren vom unbekannten Regisseur Ridley Scott für den merkwürdigen Sci-Fi-Horrorfilm Alien engagiert. Und zum ersten Mal erwies sich ihre 1,83-Meter-Statur von Vorteil. Die Domina-Ausstrahlung der herben Brünetten, die im verschwitzten Unterhemd gegen schleimige Monster kämpfte, ließ besonders den actionbetonteren Film Rambo wie einen Chorknaben aussehen.
Von der Amazone zur Autistin
Alien-Jägerin Lieutenant Ellen Ripley, das Gegenteil des, so Weaver, «Produzententraums von der kleinen, blauäugigen Blondine», wurde zur feministischen Ikone. Und Sigourney Weaver bekam als erster weiblicher Actionstar Spitzengagen bis zu zwölf Millionen Dollar. Seitdem ist sie die «Geisel von Ellen Ripley», die sie zugleich ihre «Befreierin» nennt. Neben vier Alien-Filmen war Hollywoods starke Frau etwa in Gorillas im Nebel als Primatenforscherin Diane Fossey zu sehen, widerstand im Thriller Copykill einem Serienkiller und fühlte Gérard Depardieu im Columbus-Film 1492 als spanische Königin auf den Zahn.
1988 wurde sie in Die Waffen der Frauen als fiese Chefin nicht nur vom Blondchen Melanie Griffith ausgetrickst. Für die Nebenrolle in diesem Film ebenso nominiert wie für die Hauptrolle in Gorillas im Nebel, verfehlte sie gleich zweimal den Oscar. Mit Ang Lees Sittendrama Eissturm trat sie 1997 mit bald 50 Jahren erneut als «Sexsymbol des denkenden Mannes» in Erscheinung. Und im Autisten-Drama Snow Cake verkörperte sie 2005 eine ihrer brillantesten Rollen. Dabei würde auch sie lieber öfter mal ein Püppchen spielen wie in der Star-Trek-Parodie Galaxy Quest, in der sie als platinblonde, unterbelichtete Sci-Fi-Seriendarstellerin auftritt.
Die Schauspielerin, die bereits mit 14 Jahren ihren Namen «Susie», der ihr zu barbiehaft klang, in das aus dem Roman Der große Gatsby entlehnte «Sigourney» abänderte, lebt mit Theaterregisseur Jim Simpson und der gemeinsamen Tochter in New York. Mit ihren Gagen finanziert sie das Tribeca Flea Theatre und engagiert sich für Menschenrechtsorganisationen. Angst vorm Älterwerden hat sie nicht - hofft sie doch, mit 80 Miss Marple zu spielen. Erst einmal aber wird sie ab Dezember in James Camerons 3-D-Spektakel Avatar zu sehen sein, das bereits als Meilenstein der Filmgeschichte gehandelt wird: Es gibt noch viel zu tun für die Alienversteherin.
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