Von Jan-Uwe Ronneburger
In den letzten Tagen verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand mehr und mehr, nun ist die Sängerin Mercedes Sosa gestorben. Die «Negrita», die Schwarze, wie sie ihre Fans liebevoll nannten, war nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in Europa und vor allem in Deutschland eine Legende.
Mercedes Sosa hat mit ihrer dunkel-mächtigen Stimme wie kaum eine andere Künstlerin die Volkslieder Lateinamerikas weltweit bekannt gemacht. Meist in wallende schwarze Gewänder gehüllt, füllte die heute im Alter von 74 Jahren in Buenos Aires gestorbene Sängerin seit dem Ende der 1960er Jahre die Konzertsäle zu Hause, in Europa und vor allem in Deutschland.
Während der Zeit der blutigen Militärdiktaturen bis in die 1980er Jahre verkörperte sie zusammen mit anderen lateinamerikanischen Künstlern das «gute» Lateinamerika, das im Widerstand gegen finstere Generäle für eine bessere, gerechtere und friedliche Zukunft kämpfte. Klassiker wie Gracias a la vida, Cancion con todos oder Alfonsina y el mar lassen ältere Semester noch heute in Erinnerung an den Überschwang ihrer politischen Jugend erschauern.
Diese große Mode südamerikanischer Volkskultur mit viel Revolutionsromantik ist nicht nur in Europa, sondern auch in Lateinamerika schon lange vorbei. Auch die «Negrita», die Schwarze, wie sie ihre Fans liebevoll nannten, hat in den vergangenen Jahren mit neuen Stilrichtungen experimentiert. So interpretierte sie auch brasilianische Lieder der Bossa Nova, trat mit dem exzentrischen argentinischen Rockmusiker Charly Garcia oder mit Luciano Pavarotti auf. Ihre letzte CD, Cantora, bei der sie zusammen mit bekannten iberoamerikanischen Künstlern sang, hatte auf Anhieb großen Erfolg in Argentinien und darüber hinaus. Offiziell vorgestellt werden konnte das Album schon nicht mehr wegen der angeschlagenen Gesundheit der Sängerin.
Sosa wurde am 9. Juli 1935 in der argentinischen Provinz Tucuman am Fuße der Anden in ärmlichen Verhältnissen geboren. Die Mutter ging mit den hungrigen Kindern spazieren, um ihnen den Essensduft der Nachbarn zu ersparen, erzählte sie einmal. Mit 15 Jahren fing sie an zu singen, aber ihre unverwechselbare Stilrichtung fand sie erst in den 1960er Jahren. Sie selbst schrieb keine Lieder, sondern fand ihre Vorlagen bei Milton Nascimento, Pablo Milanes, Leon Gieco oder Atahualpa Yupanqui sowie Maria Elena Walsh.
In Deutschland sei sie immer besonders gern aufgetreten, bekannte sie einmal in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: «Das Publikum in Deutschland ist warmherziger als anderswo.» Oft hätten ihre Begleiter aus Argentinien bei Tourneen durch Deutschland gesagt: «Wenn ich die Begeisterung hier nicht gesehen hätte, würde ich es nicht glauben.»
Mit einer gewissen Wehmut erinnerte sich Sosa an ihre Konzerte in der DDR. Zum Ende der DDR habe sie einen NVA-Soldaten gesehen, der unter Tränen die Flagge seines Staates einholte. «Das hat mich sehr gerührt», sagte die Kommunistin, die sich zugleich als gläubige Katholikin bezeichnete. Es sei aber auch sehr traurig gewesen, dass die Menschen nicht reisen durften: «Man gewinnt etwas, und man verliert etwas.»
bla/news.de/dpa