Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Im Juli hatten die Fantastischen Vier den größten Auftritt ihrer Karriere: 60.000 kamen zum Jubiläumskonzert auf den Canstatter Wasen, das nun auf einer Triple-Live-CD erschienen ist. Herausgekommen ist eine athmosphärische Zeitreise.
Wenn man die Fantastischen Vier 2009 so sieht, könnte man glauben, sie seien wirklich erwachsen geworden, seriös, ernst. Sie machen zwar immer noch Musik, seit 20 Jahren, doch sie mischen sich auch in die Politik ein, haben Familie und machen Soloprojekte wie Thomas D, der mit seinen philosophischen Texten manchmal schon etwas abgehoben wirkt. Doch irgendwo unter all diesen Beobachtungen schlummert etwas, dass immer wieder mal raus muss. Auf der Bühne.
Das Konzert zu ihrem 20-jährigen Jubiläum brachte all das an die Oberfläche. Da wirkten sie wieder wie rappende Schuljungen - und das ist ein Kompliment -, die einfach nur eine große Fete feiern wollen. Nun ist das Konzert auf drei CDs erschienen, am 23. Oktober folgen DVD und Blu-ray.
In erster Linie ist das Triple-Album ein umfassender Querschnitt durch die Karriere der Fanta Vier, von Spießer, einem der ersten Songs vom Debutalbum Jetzt geht's ab, über Klassiker wie den Picknicker, MFG, Die da oder Tag am Meer bis zu neuen Songs wie Fornika, dem Titellied des letzten Albums aus dem Jahr 2007 oder Yeah Yeah Yeah.
Darüber hinaus aber beweisen die drei CDs, warum die Fantastischen Vier auch nach 20 Jahren noch so erfolgreich sind, dass sie 60.000 Menschen zum «größten Picknick der Welt» locken. Perfekt mischen sie ihren so deutschen Sprechgesang, ihre Version des Hip-Hop, mit Jazz, Soul, Pop und Rock, samplen sich einmal quer durch die Musikgeschichte und machen über 140 Minuten deutlich, dass sie nach wie vor eine der vielfältigsten Formationen der Republik sind. Das perfekte Zusammenspiel mit dem Orchester des Bolschoitheaters aus Weißrussland, das viele der sonst von Platten gekratzten Samples live spielt, macht das umso mehr deutlich.
Schön zu hören vor allem, wie selbstbewusst sie auch heute noch ihre oft belächelten Klassiker spielen. In der Szene waren sie nie besonders angesehen, inzwischen gibt es zwar ein paar Stimmen, die ihnen zugestehen, Vorreiter gewesen zu sein, mehr aber auch nicht. Die Band selbst aber scheint sich mehr als nur bewusst zu sein, wo sie herkommt.
Was nach dem Konzert teils noch kritisiert wurde, dass der Rahmen dann vielleicht doch eine Nummer zu groß gewesen sei, dass die Musik auf dem Weg in die hinteren Reihen verebbte, die «Zweiklassengesellschaft», die die Stuttgarter Zeitung dem Konzert konstatierte, all das ist der CD naturgemäß nicht anzuhören. Stimmung und Athmosphäre transportiert sie perfekt. Den Druck der monströsen Anlage auch.
Eines aber, und da muss man wohl eher der Plattenfirma, denn den Fantastischen Vier einen Vorwurf machen, hätte bei einem solch ambitionierten Album nicht passieren dürfen: die als Digipack produzierte CD-Hülle. Nur unter Mühe lassen sich die drei CDs aus der optisch ansprechenden Pappe holen, Kratzer dürften so nur eine Frage der Zeit sein.
Das bleibt jedoch nur einer kleiner Wermutstropfen auf einem sonst großartigen Projekt. Und wer nach dem Kauf bereut, im Sommer nicht in Stuttgart gewesen zu sein, der sei beruhigt: Zum Jahresabschluss laden die Fantastischen Vier zum «Rheinfeiern» in das Kölner RheinEnergieStadion ein. Tickets gibt es ab 50 Euro.
Interpret: Die Fantastischen Vier
Titel: Heimspiel
Plattenfirma: Sony
Spielzeit: 140 Minuten (3 CDs)
Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2009