Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Im angelsächsischem Raum ist das Wechselspiel zweier Moderatoren während einer Fernsehsendung weit verbreitet. In Deutschland setzen Sender häufiger auf nur einen Moderator. Für Moderatorin Leo Busch hat das viel mit Eitelkeiten zu tun.
Frau Busch, Sie führten vier Jahre zusammen mit Heiner Bremer durch die politische Talkshow 2+4 - Der n-tv Talk und moderieren jetzt eine Sendung allein. Wie unterscheidet sich die Vorbereitung?
Busch: Zu zweit muss man sich besser absprechen und trifft sich deshalb häufiger. Mit Heiner hatte ich meist zwei ausführliche Vorbereitungstreffen, jetzt arbeite ich nur mit meiner Redaktion zusammen.
Was macht eine Doppelmoderation für den Zuschauer attraktiv?
Busch: Das müssen Sie den Zuschauer fragen.
Dann anders: Warum haben Sie und der Sender ein solches Format gewählt?
Busch: Wir haben uns erhofft, dass man dieselbe Sache aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Mein Kollege Heiner war der erfahrene Politikjournalist, ich die junge Nachrichtenfrau. Das war wie ein Tennisdoppel: Heiner spielte die langen Bälle, ich stand am Netz und machte es kurz. Er war verantwortlich für den großen politischen Kurs, ich für die kurzen, prägnanten Fragen dazu. Das hat oft sehr gut, manchmal nicht ganz so gut geklappt.
Warum wurde die Sendung letztlich abgesetzt?
Busch: Die Quoten waren gut, aber nach vier Jahren will man im Fernsehgeschäft auch mal was anderes machen. Ich wollte meine neue Sendung machen und Heiner sich auf sein DuellHeiner Bremer präsentiert seit 2004 «Das Duell bei n-tv». konzentrieren. Außerdem finde ich, dass diese Form der Moderation die Königsdisziplin ist und deswegen will ich es nicht mehr machen: Es ist zu anstrengend.
Ist das auch der Grund, warum es so selten Doppelmoderationen im deutschen Fernsehen gibt?
Busch: Ja, und weil es meiner Meinung nach nur zwei verschiedene Konstellationen gibt, die gut funktionieren. Entweder man versteht sich sehr gut und die Bälle fliegen hin und her, wie bei mir und Heiner. Oder man findet zwei sehr konträre Pole. Und ein so oder so harmonierendes Paar zu finden, ist sehr schwierig. Außerdem hat auch der eine oft Angst, dass der andere ihm die Butter vom Brot nimmt. Eitelkeit spielt da eine große Rolle.
Was waren für Sie die größten Schwierigkeiten in der Sendung?
Busch: Wenn man nicht alles ganz genau abspricht, kann es schon passieren, dass
der eine thematisch in die und der andere in die andere Richtung will. Allerdings geht auch die Spontanität verloren, das, was eine solche Moderation ausmacht, wenn man sich so sehr genau abspricht wie zum Beispiel die vier Kollegen beim Kanzlerduell. Wenn man in so strikten Blöcken moderiert, kann man sich die Doppelmoderation auch sparen.
Leo Busch arbeitet seit 1995 bei n-tv und moderierte zunächst zwei monothematische Nachrichtensendungen, bevor sie mit Heiner Bremer die Talkshow 2+4 präsentierte. Heute leitet sie die wöchentliche Interview-Sendung busch@n-tv.
ham/news.de