Die Festnahme Roman Polanskis löste eine Welle des Protests und der Solidarität europäischer Künstler und Politiker aus. Doch längst nicht alle empfinden so. Es gibt auch Beifall für die Festnahme des Star-Regisseurs.
Ob anonyme Blogger oder Prominente, der Tenor ist stets der gleiche: Sexualstraftäter dürfen nicht straffrei bleiben, nur weil sie prominent oder beliebt sind. Polanski müsse sich der Justiz stellen wie jeder andere auch.
Die katalanische Schriftstellerin Najat El Hachmi stellte in der spanischen Zeitung Periodico die Frage, ob Künstler keine Kriminellen sein könnten, weil sie gute Filme machten: «Sollen wir sie moralisch anders beurteilen als den anonymen armen Schlucker?»
Das französische Online-Magazin lepoint.fr berichtete, dass von etwa 500 Bloggern, die sich zu Polanski äußerten, 97 Prozent der Festnahme des 76-Jährigen in der Schweiz applaudierten. Sex mit einer 13-Jährigen, die zuvor mit Champagner und Medikamenten gefügig gemacht wurde, sei «ein schreckliches, verabscheuenswürdiges Verbrechen», schrieb ein Blogger. «Du bist reich, Du bist berühmt - deshalb gibt Dir das Gesetz einen Freifahrschein. Das ekelt mich an», schrieb «coco2570». Und der Figaro-Blogger «sylko» erklärte: «Wenn er ein 13-jähriges Mädchen missbraucht hat, dann sollte er zu seiner Tat stehen. Das Recht muss für alle gleich sein.»
Auch die Unterstützung Polanskis durch französische Künstler und «die politisch-kulturelle Schickimicki-Szene», wie ein Blogger schrieb, stößt auf Kritik. «Haben die denn jeden Sinn für Werte verloren?», fragt «jean phi». Dabei wird auch Kulturminister Frédéric Mitterrand angegangen, der Polanskis Freilassung fordert und von einem «Amerika, das Angst macht», sprach.
Die Kritiker finden Verständnis beim Grünen-Europaabgeordneten Daniel Cohn-Bendit. «Wenn ein junges Mädchen von 13 Jahren vergewaltigt oder sexuell missbraucht wird und man davonkommt, nur weil man eine Kaution zahlen kann, dann weckt das bei mir ein ungutes Gefühl», sagte der Ex-Sponti. «Das ist ein Justizproblem, und ich meine, dass ein Kulturminister, auch wenn er Mitterrand heißt, sagen müsste: Ich sehe mir erst mal den Fall an.»
Der populäre linke Ex-Kulturminister Jack Lang erklärt sich im Fernsehen dagegen «empört» über das Vorgehen der Justiz. Polanski habe sich für seine 32 Jahre zurückliegende Tat entschuldigt und das Opfer habe seine Anzeige zurückgezogen. «Roman Polanski darf nicht in die USA zurückkehren. Wir müssen ihn beschützen. Er wird in Europa bleiben, wenn jeder von uns kämpft, um ihn zu verteidigen.»
«Nein, die ganze Welt steht nicht hinter Polanski», hielt die Kolumnistin Maria Laura Rodota in der italienischen Zeitung Corriere della Sera dagegen. Den französischen Ministern, Schauspielern und anderen Berühmtheiten bedeute das «vielleicht nicht so viel, aber den 13-jährigen Mädchen anderswo».
«Wenn es ein katholischer Priester oder Lehrer wäre, hätte niemand irgendwelches Mitleid mit ihm», schrieb ein Leser dem Blatt The Australian. Und der australische Blogger «dylan» erklärte: «Sicher, er macht gute Filme. (...) Er beging ein Verbrechen und lief davon. Jetzt ist es Zeit zu bezahlen.» Der Londoner Philosophie-Professor A.C. Grayling fasste seine Gedanken in der Times in dem Satz zusammen: «Weder Ruhm noch Reichtum, weder Zeit noch Entfernung sollten irgend jemanden immun gegen Gesetze machen, die vor schweren Verbrechen gegen andere Menschen schützen.»
nak/ped/news.de/dpa