Das Thema Ehe ist durch. «Ich mache nicht noch mal den Versuch, eine Frau dadurch unglücklich zu machen, indem ich sie heirate», sagt Udo Jürgens. Aber seine weiblichen Fans beglückt der Entertainer noch immer, wenn er verschwitzt im weißen Bademantel sein «Merci Chérie» haucht.
Udo Jürgens, einer der größten Stars im deutschsprachigen Raum, ist ein Konsens-Künstler. Selbst wer seine Musik nicht mag, hat Respekt vor seinem Können und seinem Lebenswerk. Um die 100 Millionen Platten hat er verkauft, 900 Lieder komponiert und gesungen. Am 30. September wird er 75 Jahre alt: Immerhin hat der ewig junge Sänger jetzt graue Schläfen. Das ZDF schenkt dem «Moralisten am Klavier» (taz) eine große Gala zum Geburtstag, auch wenn er sich zunächst dagegen gesträubt hat.
Schon zu Lebzeiten ist der gebürtige Österreicher im deutschsprachigen Raum eine Legende der Populärmusik mit Niveau. Jürgens, der 1934 als Udo Jürgen Bockelmann in Klagenfurt (Kärnten) geboren wurde, hat sich nie gescheut, auch eher schlicht gestrickte, banal getextete Schlager zu singen, und das mit riesigem Erfolg. Doch es waren seine anspruchsvolleren Produktionen, die ihn seit fast fünf Jahrzehnten zu einer konkurrenzlosen Ausnahmeerscheinung im Musikgeschäft gemacht haben.
Den ersten großen internationalen Erfolg erzielte Jürgens mit seinem Lied Warum nur, warum? bereits 1964. Damit belegte er zwar beim Eurovisions-Wettbewerb in Kopenhagen für Österreich nur den fünften Platz. Doch in deutscher Originalsprache wurde das Lied damals in Frankreich Spitzenreiter der dortigen Hitparade - in der Heimat des Chansons geradezu ein Ritterschlag. 1965 belegte Jürgens beim Grand Prix d'Eurovision mit Sag ihr, ich lass sie grüßen bereits den vierten Platz, bevor er 1966 in Luxemburg im dritten Anlauf endlich triumphierte.
Merci Chérie war der Siegestitel des seinerzeit noch völlig unkrawalligen europäischen Sängerwettstreits. Seitdem ist Udo Jürgens ganz oben, ein auf zahllosen großen Tourneen umjubelter Liebling der Massen. Wegen der gefühlvollen Liebeslieder des gut aussehenden Troubadours haben besonders die weiblichen Fans Jürgens stets besonders ins Herz geschlossen. Und mit seinem größten Einzelhit Griechischer Wein komponierte Jürgens 1974 nicht nur einen Evergreen, sondern wurde auch zum repräsentativen Sänger der Bundesrepublik.
In Griechischer Wein ließ er das deutsche Dauerthema Zuwanderung anklingen, Ein ehrenwertes Haus kritisierte die verbreitete gesellschaftliche Doppelmoral. Buenos Dias, Argentina sang Jürgens zusammen mit der deutschen Kickerelite zur Fußball-Weltmeisterschaft 1978. Die deutsche Mannschaft verlor damals ausgerechnet gegen das Heimatland des Sängers und schied aus.
Zwar ist Jürgens in der Alpenrepublik geboren und aufgewachsen, er hat auch in Salzburg Musik studiert. Doch die elterlichen Wurzeln führen in den deutschen Norden, woher die Familie Bockelmann stammt. Der Sänger, der inzwischen auch die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt und in einer Züricher Villa lebt, gewann 1950 einen Wettbewerb des österreichischen Rundfunks als jüngster Teilnehmer. Es dauert dann noch fast zehn Jahre, bis Jürgens mit dem Lied Jenny größere Beachtung fand. Wenig später komponierte der ausgebildete Klavierspieler schon Titel für Weltstars wie Shirley Bassey, Frank Sinatra und Sammy Davis jr.
Das Privatleben des Sängers sorgte immer wieder für Schlagzeilen. Von 1964 bis 1989 war er mit dem ehemaligen Fotomodell Panja verheiratet, der Mutter seines Sohns John und der Tochter Jenny. 1966 kam seine uneheliche Tochter Sonja zur Welt. 1999 ging er die zweite Ehe mit seiner langjährigen Geliebten Corinna Reinhold ein, doch endete auch diese Beziehung mit der Scheidung 2006. Eine weitere uneheliche Tochter namens Gloria wurde 1994 in Wien geboren.
Jürgens ist stolz auf alle vier Kinder, zeigt sich als Gentleman und hat über seine Ex-Frauen nur Gutes zu sagen. Seinen 75. Geburtstag will der dreifache Großvater im engsten Familien- und Freundeskreis feiern. «Das soll ein ganz ruhiger Abend werden - bei gutem Essen, guten Gesprächen und gutem Wein», berichtete er kürzlich in Hamburg, wo seine Geburtstagsshow aufgezeichnet wurde.
Mit Preisen, Orden und Ehren ist der Sänger in Laufe seiner Karriere geradezu überschüttet worden, 1984 bekam er auch den Titel «Professor». Bis auf wenige Ausnahmen hat Jürgens bei seinen Darbietungen immer an der deutschen Sprache festgehalten, «weil darin unsere Wurzeln stecken. Wir lieben auf Deutsch, sind verzweifelt auf Deutsch.» Der Zukunft sieht der nun 75-Jährige gelassen entgegen: «Solange ich die Kraft habe, etwas zu bewegen, so lange will ich auch leben.»
ped/amg/ap/dpa