Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Generationenkonflikt auf Facebook: Die Internetseite Oh, Crap! My Parents Joined Facebook enthüllt, in welch peinliche Situationen Mama und Papa ihre Sprösslinge im Netz bringen können.
Früher reichte ein Zimmerschlüssel, zur Not ein großer Schrank, um sich Mutti mit dem Schnittchenteller vom Hals zu halten. Im Netz ist das nicht mehr so einfach. Sobald die Eltern Facebook entdeckt haben und die Freundschaftsanfrage eingeht, ist der Schlamassel perfekt. Wer einmal so unklug war, die Facebookpforte für seine Eltern zu öffnen, bekommt die so schnell nicht mehr zu. Es sein denn, man löscht sie eiskalt aus der Freundesliste. Dann muss dann aber auch womöglich mit eisiger Stimmung daheim rechnen. Vielen fehlt dazu der Mut.
Für alle, die sich von nun an nicht mehr unbefangen auf der Seite bewegen können, spendet die Seite Oh, Crap! My Parents Joined Facebook (Oh, Mist. Meine Eltern sind bei Facebook) Trost. Dort offenbart sich, wie peinlich es werden kann, wenn sich Mutter und Vater im Netz äußern. Wer selbst betroffen ist, findet hier sicher einen noch peinlicherer Elterneintrag und wenn nicht, kann man das eigene Elend auf der Seite veröffentlichen und ist sich wenigstens des Mitleids der Leser sicher. Leider gibt es nur eine englische Ausgabe. Betroffene senden Screenshots ihrer Seiten per Mail, die Namen werden unkenntlich gemacht.
Mütter prahlen mit «Morgensex»
Screenshots von Facebook-Seiten offenbaren, was besser im Privaten geblieben wäre. Vielen Eltern scheint offenbar nicht klar zu sein, dass ihre Pinnwandkommentare und Aktivitäten von allen Menschen in ihrer Freundesliste verfolgt werden können. Da schicken sich Mutter und Stiefvater Bilder ihrer bevorzugten Sexstellungen oder posaunen in die Welt hinaus, dass sie gerade «Morgensex» hatten: «Ziemlich heiß, heute nachmittag ... aber ich hatte heute Morgen sehr viel Spaß mit meinem Mann ... wenn ihr wisst, was ich meine..Ha, ha», erscheint da auf der Seite der Tochter, die 13 Minuten später protestiert: «Mutter!»
Auch möchte manch einer nicht mitlesen, wie Mütter öffentlich ihre Inkontinezprobleme mit Leidensgenossinnen diskutieren. «Immer wenn ich huste oder niese, mache ich mir in die Hose. Blöde, alte Blase!», schreibt Julie und erntet Kommentare wie «Vielleicht war Dein Mann auch zu gut zu Dir ...»
Alyssa hat sich sicher auch verflucht, dass sie ihre Mutter als Freundin akzeptiert hat - besonders in diesem Moment: Ahnungslos verkündet sie, dass sie Brautjungfer sein wird und Mutter kommentiert das mit «Immer die Jungfer, nie die Braut...» Alyssa bleibt nur ein resignatives «Hmpf».
Sicher stimmt sie den Macherinnen der Seite Jeanne und Erika zu, die ihre Leser begrüßen mit: «Herzlichen Glückwunsch! Deine Eltern sind gerade Mitglied bei Facebook geworden. Dein Leben ist offiziell beendet.» Jeanne und Erika bekräftigen noch schnell, dass sie ihre Eltern sehr lieben. Klar, sonst käme die Retourkutsche sicher prompt über Facebook.
amg/voc/news.de