Interview mit Roland Kaiser «Wie kann es klappen mit Mann und Frau?»

Roland Kaiser trommelt im Wahlkampf für Frank-Walter Steinmeier. Der Schlagersänger spricht im news.de-Interview über seine Lungenkrankheit, den Vergleich mit Shakespeare und warum man die SPD wählen sollte.

Roland Kaiser (Foto)
Roland Kaiser tritt in Dortmund bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung auf. Bild: ddp

Man kennt Ihre Hits wie Santa Maria. Wer über Sie recherchiert, findet heraus, dass Sie auch Kinderbücher schreiben, sich politisch und sozial engagieren. Worüber reden Sie in Interviews am liebsten?

Kaiser: Ich äußere mich zu allen Dingen, zu denen man mich befragt.

Wir stehen kurz vor den Bundestagswahlen. Sie sind SPD-Mitglied und haben 2005 Gerhard Schröder unterstützt. Haben Sie im Moment viel zu tun?

Kaiser: Ich bin unterwegs mit Frank-Walter Steinmeier. Da bin ich ebenfalls nicht still und leise.

Warum sollte man die SPD wählen?

Kaiser: Ich halte mich da ziemlich strikt an die Erkenntnisse der letzten Wahlen. Nach den Umfrageergebnissen wird kein Bundestag besetzt, sondern nach Wahlergebnissen. Man darf nicht aufgeben, weil man schlechte Umfragewerte hat, das wäre ein bisschen früh. Ich glaube schon an die Chance der SPD. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist eine traditionelle Volkspartei, die wichtig ist für unser Land, für unsere Demokratie. Sie ist wichtig für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sozialen Interessen der Menschen. Natürlich gebe ich meine Stimme der Sozialdemokratie und ich finde, dass sollten auch soviele Leute wie möglich tun.

Wie schätzen Sie Ihren Einfluss als Künstler in der politischen Diskussion ein?

Kaiser: Ich bin nicht SPD-Mitglied geworden, um auf meiner Bühne Wahlreden zu halten. Ich habe lediglich als Staatsbürger von meinem demokratischen Recht Gebrauch gemacht und bin einer Partei beigetreten. Ansonsten will ich meine Zuschauerinnen und Zuschauer während eines Konzertes nicht konfrontieren.

Wie reagieren die Besucher einer Wahlveranstaltung auf Sie, wenn Sie mit Frank-Walter Steinmeier unterwegs sind?

Kaiser: So wie bei Gerhard Schröder damals auch. Ich bin da als Utnerhaltungskünstler unterwegs, trete auf und dann gibt es vielleicht noch Gespräche mit mir und dem Moderator über die Motivation. Die Leute nehmen das in der Regel positiv auf.

In diesem Jahr ist bekannt geworden, dass Sie an einer unheilbaren Lungenkrankheit leiden.

Kaiser: Das wusste man schon länger, aber in diesem Jahr ist es besonders augenfällig geworden, da ich ein Buch veröffentlicht habe.

Das heißt, Ihre Fans wussten schon vorher Bescheid?

Kaiser: Das ist ja mit einer dpa-Meldung nicht getan, das muss man schon öfter machen bis 60 bis 70 Prozent der Menschen davon Kenntnis genommen haben. Das dauert eine Weile.

Wie reagieren die Fans auf Ihre Krankheit? Werden Sie jetzt mit Samthandschuhen angefasst?

Kaiser: Warum sollte man mich mit Samthandschuhen anfassen? Wenn ich mich mit dieser Problematik nach draußen begebe, kann man mich ganz normal anfassen. Die Leuten geben einem ja auch eine ganze Menge an Kraft zurück, allein durch ihre Anwesenheit.

Im Pressetext zum Buch steht, dass die Krankheit in einigen Lebensbereichen zu einer zusätzlichen Qualität beigetragen hat. Was ist damit gemeint?

Kaiser: Die Erkenntnis der Langsamkeit. Man ist langsamer. Und dann auch schneller, weil man seine Energie besser einteilt. Für mich gilt, dass ich konsequenter bin als früher. Ich habe gelernt, Nein zu sagen. Dinge, die ich nicht von großer Relevanz betrachte, lehne ich heute ab. Bei meiner Selbstdisziplin habe ich mich verbessern können. Ich betätige mich sportlich, dass ich nicht in die Falle der Inaktivität hineinstolpere, die diese Krankheit in sich birgt. Den inneren Schweinehund konnte ich früher schwieriger überwinden als heute. Ich fahre täglich kilometerweise Fahrrad, dass habe ich früher in dem Sinne nicht hingekriegt. Da habe ich gedacht: Kommste heut nicht, kommste morgen. Dinge, die ich mir vornehme, mache ich heute.

Sie stehen seit über 35 Jahren auf der Bühne und haben in fast jedem Jahr eine Platte veröffentlicht. Was treibt Sie an?

Kaiser: Es ist schrecklich schön auf der Bühne zu stehen. Das sage ich bewusst. Denn der Antrieb rauszugehen wird immer wieder begleitet von sich vermehrendem Lampenfieber. Die Erlösung hinterher ist immer schön. Es ist ein wunderbarer Beruf. Je länger man ihn macht, desto mehr Freude macht er mir. Hier ist jemand in der glücklichen Lage zu sagen: Mein Hobby ist mein Beruf.

Wenn Singen auch Hobby ist, singen Sie dann auch zuhause?

Kaiser: Nee, das erspare ich den Menschen. Es gibt keinen Grund für mich zuhause zu singen. Warum sollte ich die Leute ständig mit meiner Musik konfrontieren? Aber wie Sie wahrscheinlich zuhause ab und zu auch, erhebt man mal die Stimme und singt ein Lied. Das muss jetzt nicht mein Lied sein.

Über die 35 Jahre hat sich die Instrumentierung ihrer Musik geändert, sie ist poppiger geworden. Doch die Themen der Texte wie die Liebe sind die gleichen geblieben.

Kaiser: Wenn Sie sich die internationale Popmusik anhören, hat sich auch nicht viel verändert. Wenn Sie sich die Literaturgeschichte der Welt betrachten, sind 80 Prozent aller Romane, Geschichten und Essays über die Liebe - da können Sie einen Shakespeare, Schiller oder Goethe nehmen. Das ist nun mal so. Das ewige Rätsel, wie kann es klappen mit Mann und Frau?

Haben Sie vielleicht des Rätsels Lösung gefunden?

Kaiser: Natürlich nicht. Hat Shakespeare Sie gefunden? Hat Goethe Sie gefunden?

Wenn der Roland Kaiser von heute auf den Roland Kaiser von 1974, der gerade seine erste Single veröffentlicht hat, zurückblickt. Was würde er ihm raten?

Kaiser: Kluge Frage. Ich glaube, da ich heute hier sitze und ein glücklicher Mensch bin, würde ich sagen: Leb du dein Leben, wie du meinst, dass du es leben musst.

Roland Kaiser ist mit mehreren Millionen verkaufter Tonträger und Hits wie Santa Maria und Dich zu lieben einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersänger. Seine erste Single Was ist wohl aus ihr geworden? veröffentlichte er im Jahr 1974. Er engagiert sich unter anderem als Botschafter für das Kinderhospiz Mitteldeutschland und gründete den Castroper Lehrstellenfond. Seit 2000 leidet Roland Kaiser an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), über die er im März 2009 das Buch Atempause veröffentlichte. Sein aktuelles Album heißt Wir sind Sehnsucht.

iwe/kat/news.de

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Yvonne
  • Kommentar 6
  • 04.11.2011 12:41

Es ist einfach nur ekelhaft über einen derartig großen Künstler herzuziehen. Soll doch jeder tun und lassen können, wie er möchte und erst einmal vor seiner eigenen Tür kehren. Typisch deutsch. Roland Kaiser hat mit seinem Talent und seiner einzigartigen Stimme so vielen Mensch Glück und Freude beschert. Es ist bewundernswert, wie er seine Krankheit bewältigt hat und auch jetzt ist es sicher für ihn auch kein Zuckerlecken. Er muß viele Tabletten nehmen und sehr auf seine Gesundheit achten. Ich wünsche ihm, seiner Familie und den Fans noch viele schöne gemeinsame Jahre.

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  • Ellipirelli
  • Kommentar 5
  • 06.08.2011 22:20

Hat der Kaiser denn nicht selbst mal verlauten lassen,daß er würdig von der Bühne abtreten und nicht wieder auftreten wollte? Hast er wohl den Rand zu voll genommen und betätigt sich-wie all die alternden Schlager-Kasperles als Omi-Beglücker und Kaffeefahrten-Bespasser.. Nee,dioese eitlen Gockel KÖNNEN garnicht anders,in jungen Jahren haben sie Länder-Tourneén gemacht,heute tingeln sie zum Gespött der Leute durch Deutschlands Klein-Kleckersdörfer. Frei nach dem Motto:Sie sind alt und brauchen das Geld.. Nur Omi´s werden da noch juckig...

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  • Resus
  • Kommentar 4
  • 02.10.2009 20:40
Antwort auf Kommentar 2

Wer so etwas schreibt,bekommt irgentwann auch die Strafe.Denk mal an den Kaiser,wenn sie dir die berkrebsten Eier abschneiden.

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