Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Wie ein Pirat die sieben Weltmeere erobern. Ein echter Kindheitstraum. Kirsten Boie lässt ihn wahr werden - mit dem Kinderbuch Seeräubermoses, das voller Abenteuerlust ist und das mutige Herz eines Kindes hat.
Die einen wollen die schöne Prinzessin sein, andere als Helden große Taten vollbringen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Kirsten Boie macht sie wahr - in jedem Kinderzimmer, mit jeder Kostümaugenklappe - aber vor allem mit bildhalften, herzlichen Worten.
Moses ist ein Findelkind, in einer stürmischen Gewitternacht auf hoher See von den Seeräubern der «Wüsten Walli» gerettet. Beinahe wäre das kleine Mädchen wieder über die Planke geschickt worden, denn ein Frauenzimmer hat laut einer alten Seefahrtsregel nichts auf einem Schiff zu suchen.
Doch die Kleine wickelt die rauen Seebären schnell um den kleinen Finger, rührt ihre rauen Herzen. Dass das Mädchen ausgerechnet den Namen Moses bekommen hat, nach dem biblischen Vorbild, hat seinen Grund - auch wenn er erst kurz vor Schluss verraten wird. Denn irgendwo muss ein Findelkind ja schließlich herkommen, irgendwo hat es Eltern.
Davon ahnen die Piraten und ihr kleines Frauenzimmer freilich nichts. Auch nicht, als sich Moses heimlich vom Schiff schleicht, um endlich auch einmal eine dieser Spelunken umzusehen, in denen sich die Seeräuber herumtreiben, wenn sie gerade keine Handelsschiffe entern und mal ausnahmsweise einen Hafen anlaufen.
Ein Schatz muss sein
Dumm nur, dass Seeräubermoses dabei ausgerechnet in die Hände von Käptn Olle Holzbein gerät, dem ärgsten Feind von Walli-Käptn Klaas. Denen verrät sie freilich nicht, dass sie ein Mädchen ist. Und mit Hilfe von Dohlenhannes, dem Schiffsjungen von Olle Holzbein gelingt es ihr, die gemeinen Fieslinge zu übertölpeln und einige Seiten später sogar das Geheimnis um die Feindschaft der Käptns Klaas und Holzbein zu lösen und sogar den geheimnisvollen Blutroten Blutrobin des Verderbens zu entdecken.
Mit über 300 Seiten ist Seeräubermoses schon ein dicker Wälzer. Doch Kinder, die Abenteuer lieben und Piraten mögen, finden darin viele gemütlich Lesestunden - vielleicht mit einer Augenklappe und Piratenkostüm oder aber mit der Taschenlampe unter der Bettdecke.
Das dreiteilige Buch hat alles, was gute Leselektüre braucht: Spannung, Humor, Neugier, Witz und Herzlichkeit, natürlich einen Schatz - und Wissen. Denn eine Skizze zeigt all die wichtigen Teile eines Schiffes, die Figuren werden ordentlich vorgestellt und für die schwierigen, seebärischen Fachbegriffe gibt es im Anhang eine kindgerecht erläuternde Wortliste.
Liebevolles Übersprudeln
Das, eine stellenweise beabsichtigte falsche Grammatik, ein paar fröhliche Schimpworte hier und ein paar frechen Piratenlieder da, verleihen diesem Kinderbuch seine herzliche Authentizität. Hier und da richtet sich der Erzähler sogar direkt an seine Leser, um auf besondere Details zu verweisen. Schnell werden Buchfans damit ins Abenteuer verwickelt. Da macht selbst Erwachsenen das Vor- oder Mitlesen Spaß.
Und selbst wenn sich die Großen am Anfang fragen würden, warum sie denn noch weiterlesen, wo doch schon verraten wird, dass alles gut ausgeht. Sie würden es trotzdem lesen und ihre Frage in Seeräubermoses gut beantwortet finden: Weil eben die Geschichte und nicht das Ende zählt.
Liebevolle Sprachdetails lassen die Fantasie regelrecht übersprudeln. Und der, dessen Vorstellungskraft nicht ganz so ausgeprägt ist, der findet in den herrlichen Zeichnungen von Barbara Scholz die Ereignisse wunderbar umgesetzt. Seeräubermoses ist Kindheit pur, ein Buch, dass man einfach nicht aus der Hand legen kann - und deshalb ein prima Geschenk für alle kleinen Lese- und Landratten.
Titel: Seeräubermoses
Autorin: Kirsen Boie
Illustration: Barbara Scholz
Verlag: Oetinger
Seitenzahl: 320 Seiten
Preis: 17,90 Euro
Erscheinungsdatum: August 2009
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