Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Barbara Streisand ist eine der Letzten ihrer Art. Berüchtigt für ihr loses Mundwerk, geliebt für ihre prägnante Stimme und bekannt für ihren extremen Charakter ist sie eine der letzten Diven Hollywoods, die vor allem eins geblieben ist: sie selbst.
Seit Jahrzehnten muss Streisand immer und immer wieder die Frage beantworten, warum sie sich ihre Nase nicht hat operieren lassen. Immer und immer wieder gibt die 67-Jährige mehr oder weniger genervt Antworten wie diese: «Es ist mir völlig egal, was du von mir hälst, Hauptsache, du schreibst meinen Namen nicht falsch.» Oder: «Ich habe es nach Hollywood geschafft, ohne mir meine Nase oder meine Zähne richten zu lassen oder meinen Namen zu ändern. Darauf bin ich stolz.»
Und dazu hat sie auch allen Grund. Nach rund 50 Jahren im Showbusiness sprechen mehr als 60 Alben, 17 Filme, zwei Oscars, acht Grammys und neun Golden Globes für sich. Und gerade weil das Multitalent Streisand nie dem gängigen Schönheitsideal Hollywoods nachjagte und in dem, was sie tat, stets erfolgreicher war als alle anderen, hat sie zu Lebzeiten das geschafft, was den meisten Stars nie zuteil wird: Sie gilt bereits heute als Legende.
In den All-Time-Charts steht die Sängerin Streisand an zweiter Stelle vor den Beatles und den Rolling Stones. Nur Elvis Presley übertrifft sie noch. Zu verdanken hat sie dies ihrer noch heute immens kraftvollen Stimme und Hits wie Woman in Love, Down with Love, The Way we were oder People. Für ihren Evergreen A Star is born gewann sie 1976 sogar einen Oscar.
Sieben Jahre zuvor hatte Streisand bereits einen für ihre Rolle in Funny Girl erhalten, der Verfilmung des gleichnamigen Musicals, mit dem ihr am Broadway der Durchbruch gelang. Diese Rolle schien Streisand wie auf den Leib geschrieben zu sein. Obwohl das Musical eigentlich die Lebensgeschichte der jüdischen Komödiantin Fanny Brice erzählt, beschreibt es gleichzeitig auch den Werdegang ihrer Hauptdarstellerin. Die Geschichte von Barbara, die in Brooklyn in einer armen jüdischen Familie aufwächst und obwohl ihre Mutter ihr sagt, sie sei zu hässlich für die Bühne, nur eines will: nach ganz oben.
Dort oben angekommen, gibt Streisand schnell die Diva, die für ihren Perfektionswahn berüchtigt und gefürchtet ist. Ob als Sängerin, Schauspielerin, Filmregisseurin, Produzentin oder politische Aktivistin, stets ist sie diese eigenwillige Streisand, die exakt weiß, was sie willl. Doch sie ist mehr als nur die unnahbare Diva. «Ich bin einfach, kompliziert, selbstlos, egoistisch, unattraktiv, schön, faul und voller Tatendrang», sagte Streisand einmal treffend über sich.
Trotz allem Tatendrangs, den sich Streisand selbst bescheinigt, hat sie sich in ihrer langen Karriere auch immer wieder rar gemacht - zumindest was ihre Live-Auftritte angeht. Sicherlich auch ein Grund für ihren Erfolg. Streisand-Konzerte empfinden Fans fast wie eine Audienz, die ihnen ihre Königin in sehr großen Abständen gewährt. Und dafür sind sie auch bereit, viel Geld auszugeben. Preise bis zu 1000 Euro sind nicht ungewöhnlich. Kritik daran lässt Streisand kalt. Wenn sich niemand findet, für den sie so viel wert ist, werden Konzerte einfach abgesagt.
Doch das ist nicht der Grund dafür, warum sie so selten live zu bewundern ist. Seit Streisand 1967 einen völligen Blackout auf der Bühne hatte, plagt sie furchtbares Lampenfieber. Erst 1993 wagte sie sich wieder auf die Bühne, unterstützt von Telepromptern, die ihr seitdem bei jeder Zeile und sogar beim Small-Talk mit dem Publikum helfen. 2000 sollte dann der endgültige Abschied von der Bühne folgen. Doch Streisand überlegte es sich nochmal anders und kam 2007 sogar für ein paar Konzerte nach Europa, wo sie zuvor nur ein einziges Mal, 1994 im Londoner Wembley-Stadion, zu bewundern gewesen war. Sogar ein Gastspiel in Berlin gab sie, obwohl sie eigentlich aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nie in Deutschland auftreten wollte.
Barbara Streisand, völlig skandalfrei in zweiter Ehe mit Schauspieler James Brolin verheiratet und Mutter eines Sohnes, gilt heute als die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten. Doch ihre größte Leistung besteht darin, dass sie es geschafft hat, jedes erdenkliche Hollywood-Gesetz ad absurdum zu führen. Trotz eines halben Jahrhunderts im Showgeschäft ist Streisand sie selbst geblieben: Das «Funny Girl» mit dem Silberblick und der markanten Nase, die ihre Karriere als Sängerin in einer New Yorker Schwulenbar begann und sich bis nach ganz oben durchschlug, um dort zu bleiben - und zwar für immer.
amg/news.de