Evangelische Community gestartet

Gott hat dein Profil angesehen

Von news.de-Mitrarbeiterin Denise Peikert

Zunächst sieht alles aus wie immer. Die Registrierung ist Communityroutine, fragt nach Profilnamen und Passwort. Dass hier etwas anders ist, merkt der Nutzer, wenn er gebeten wird, sein Konfirmationsdatum anzugeben. Das neue Onlineportal evangelisch.de ist anders.

Lester Maul (Was ist das?)

Ich finde, es ist wirklich an der Zeit, dass auch der liebe Gott mal seine E-Mail-Adresse preisgibt und eine Servicehotline schaltet. Schließlich hat er uns den ganzen Schlamassel eingebrockt.

«Bei uns geht es nicht um Selbstdarstellung», antwortet Portalleiterin Melanie Huber auf die Frage, warum es noch eine Online-Community sein musste, wie sich evangelisch.de abheben will. «Es geht nicht darum, mit seinen 500 Freunden anzugeben. Jeder Einzelne wird nur im Austausch sichtbar, also wenn er etwas schreibt oder kommentiert.»

Geschrieben und kommentiert wird in Blogs und sogenannten Kreisen, die der Nutzer ähnlich einer Facebook-Gruppe anlegen und festlegen kann, wer an der Diskussion teilnehmen soll und ob diese für alle sichtbar geführt wird. Die Profile der einzelnen Nutzer sind tatsächlich schlicht gehalten: die Anzahl der Kontakte wird nicht angezeigt, Fotos können hier keine hochgeladen werden. Dafür gibt es den Hinweis «Ich höre zu», der für die Dialogbereitschaft des Nutzers steht. «Man kann auch symbolisieren, dass man gerade nicht angesprochen werden will. Jeder braucht seine Ruhepausen», erklärt Huber dazu.

Evangelisch.de soll eine Plattform sein, auf der der Mensch im Vordergrund steht: um Charakter werde es gehen, um einander kümmern, sagt Huber. Bei der Frage, wie das in einem frei zugänglichen Onlineportal sicherzustellen sei, geht es wieder um den Menschen, diesmal um Vertrauen: «Das gelingt allein schon durch die Themen, die gesetzt werden und die Kreise der Menschen, die wir ansprechen.»

Der Community-Bereich aber ist nur ein Teil des Onlineportals. Evangelisch.de ist auch ein Nachrichtenportal, für das fünf Redakteure aktuelle Themen unter evangelischen Gesichtspunkten aufbereiten. So geht es zum Beispiel um Religion im Wahlkampf oder um Computerspiele und Gewalt. Allerdings ohne den Glauben in jedem Satz, ohne, dass man die Aussagen der Texte mit dem Kirchen-Klischee im Kopf voraus ahnen könnte. Journalistisch differenziert setzen sich die Redakteure mit den Themen auseinander. Platz für rein evangelische Inhalte ist im Bereich Kompass, wo es die «zwölf guten Gründe» für einen Kircheneintritt oder die Feste im Kirchenjahr geht.

Insgesamt arbeiten zehn Menschen fest für evangelisch.de, das zunächst für die Dauer von drei Jahren angelegt ist. Die Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) finanzieren das Projekt in dieser Zeit mit einer Million Euro. Betreut und entwickelt wird das Portal vom GEP, das beispielsweise auch das monatliche Magazin chrismon verlegt. Die Erfahrungen hier helfen auch bei der Anzeigenvermarktung, die evangelisch.de eigenes Geld in die Kassen spülen soll. Werbung für Spirituosen und Drogen schließt Chefredakteur Arnd Brummer aus. «Aber es wird mir Sicherheit auch Ärger geben», sagt er. «Protestanten sind streng»

Trotz der finanziellen Abhängigkeit von der EKD besteht evangelisch.de auf seine Eigenständigkeit und journalistische Unabhängigkeit. «Natürlich wird auch aus den Landeskirchen und über kirchliche Werke berichtet», sagt Portalleiterin Huber. «Dies geschieht aber immer durch eine unabhängige und kritische Redaktion.» Bei GEP-Direktor Bollmann hört sich das schon anders an: «Öffentlichkeitsarbeit für evangelische Kirche ist sowieso journalistisch professionell angelegt, an der Frage, ob evangelisch.de ein PR-Portal ist, scheidet sich also nicht sein Schicksal.»

Die Frage, ob sich das Schicksal eines Internetportals an den tendenziell eher älteren Kirchenmitglieder scheidet, weist Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) barsch zurück. «Wir dürfen uns nicht aus dem Internet heraushalten und sagen, evangelische Kirche ist alt – wir sind in der Mitte der Gesellschaft. Im Übrigen ist Internet nicht reserviert für jüngere Menschen.» Egal, welche Altersgruppen evangelisch.de künftig ansprechen wird: Den deutschlandweit schrumpfenden Gemeinden soll es so oder so helfen.

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juz/news.de
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Leserkommentare (3)
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  • Kommentar: 3
  • 25.09.2009 00:58
von
Wolfram Becker

Finde ich gut das es eine online-Gemeinschaft für evangelische gibt. Kirche hat doch eigentlich viel mit Gemeinschaft zu tun. somit ist das hier doch eigentlich überfällig.

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  • Kommentar: 2
  • 24.09.2009 13:45
von
tomahawk

Gott hat dein Profil angesehen. Was fürn Blödsinn, es sei denn der Chsf von Gott ist in unserem immer größer werdenenden Überwachungsstaat zu suchen. Sollte der Chsf von Gott etwa Schäuble sein? Tja, es sollte heute kein privatleben mehr geben. Jeder sollte für alle sichtbar sein, dann weiß man wenigstens wo der Feind steht. Oder besser, glaubt es zu wissen.

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  • Kommentar: 1
  • 24.09.2009 09:57
von
bla

Noch ein VZ mehr im Datenschlamassel, vielleicht feiner geschliffen als auch alle zunächst unkommerziellen Communities davor. Mit einer neuen Community werden noch mehr Menschen in anonyme Datenkanäle gedrängt, genau das Debakel, was erst die Flucht aus der Kirche bewirkt hat. Aber auch die Kirche muss daraus irgendwann auf irgendeine Weise (sei es durch Spendenaufrufe innerhalb des Portals) Geld herausschlagen, denn selbst die Kirche ist auch nur eine verwaltete Gemeinde, wo ganz oben Leute stehen, die sich nicht von Luft ernähren !

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