Romanze mit Knödeln
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 21.09.2009
Den Zauber einer Schweinshaxe versprüht der küssende Tatort-Kommissar Klaus Borowski. Einen Hugo Egon Balder als Rockstar brauchte es, damit geschah, was besser im Reich der Phantasie geblieben wäre.
Ja, es ist passiert: Kommissar Klaus Borowski und Polizeipsychologin Frieda Jung haben sich geküsst. Aber nicht nur das – sie zerwühlten gar die Laken eines Hotelbetts und das auch noch im Dienst. Der Tatort Borowski und die Sterne, den die ARD am Sonntag im Ersten ausstrahlte, zeigt, was bislang unaussprechlich war.
Zerknittert von einer Geburtstagsdepression wagt der Kieler Kommissar endlich, die attraktive Psychologin zum Essen einzuladen. Statt Haute Cuisine mit Kerzenlicht gibt's Schweinshaxe im Schein des Glücksspielautomaten. Was folgt ist leider ebenfalls Hausmannskost: Ungelenke Umarmungen, hölzerne Dialoge, verkrampfte Küsse und das schnöde Erwachen im kühlen Morgenlicht.
Ach, wie viel prickelnder war das Gedachte der vergangenen Folgen. Welche ein Zauber lag im Scheitern der Begegnung. Wie knisterte es, als Borowski und Jung sich noch umstrichen und verpassten.
Hugo Egon Balder baggert
Da musste erst Hugo Egon Balder den Rockstar mimen und die attraktive Psychologin umgarnen, um Borowski aus der Reserve zu locken. Trotzdem ist schließlich sie diejenige, die den Eifersüchtigen küsst. Untermalt ist das dann mit sperrigen Songtexten: «Liebling, bin wieder voll gut drauf. Liebling, du bist mein Untergang», röhrt Balder alias Rockstar Bodo Dietrich und jeder Zauber ist dahin.
Da können auch Balders exzellente Rockerposen nichts mehr retten. Sehr lässig, sein wiegender Gang. Sehr zottelig, die Rockermähne. Sehr gekonnt, sein Blick, der unter der Sonnenbrille hervorschlüpft. Der Mann weiß, was er tut. Balder ist ausgebildeter Schauspieler und hat eine Band, die Rudolf Rock Allstars, die Songs zu diesem Tatort beisteuerten.
Einen Mord gibt es natürlich auch noch: Margret Saloschnik, einst als Groupie mit Bodo Dietrich und Henning «Hendrix» Krause im Bett, scheint vom Balkon des legendären Hotelzimmers gesprungen zu sein. Es wäre kein Tatort, wenn sich der vermeintliche Selbstmord nicht ruckzuck als Mord entpuppt hätte. Schauplatz des Geschehens ist ein schrulliges Hotel mit 1970er-Jahre-Charme, in das sich krisselige Erinnerungen an Rockstar-Klischees schleichen: Wilde Partys im Pool, eine marihuanageschwängerte menage á trois und zerlegtes Hotelmobiliar. Einst hatte die Tote hier mit Bodo und «Hendrix» eine wilde Zeit.
Regisseurin Angelina Maccarone mixt in diese Atmosphäre Zitate aus dem Horror-Klassiker Shining und erzeugt eine Stimmung, die nicht hält, was sie verspricht: Leider gibt es hier keinen Psychopathen, der irrsinnig grinsend durch die Flure wütet. Nur einen abgehalfterten Gitarristen, der mit Weizengras-Shakes sein Bodyage verringern will. Einen todkranken Familienvater, der von einer Kreuzfahrt träumt. Und die spießige Tochter der Ermordeten, die heimlich die Spülhilfe küsst.
In die eigentlich stimmungsvolle Atmosphäre schlafloser Hotelnächte und das Flair hemmungsloser Rockstars verpflanzt Regisseurin Maccarone zu viel der Realität. Manchmal ist eben der Film im Kopf, der sich an kleinen, aber feinen Happen entlang hangelt, spannender als Hausmannskost.
seh/news.de
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In Zukunft brauche ich zum Einschlafen keine Schlaftabletten mehr, ein Tatort-Krimi mit Borowski reicht vollständig. Ich frage mich bloß, warum zahlen wir eigentlich GEZ-Gebühren?
jetzt antwortenKommentar meldenvöllig unnötige Bettgeschichte Der Film lebte von den Dialogen, von den gegenseitigen Neckereien zwischen dem Kommissar Klaus Borowski und Polizeipsychologin Frieda Jung. Spitze Bemerkungen und geforderte Komplimente machten das Miteinander sehr abwechslungsreich und autentisch. Eine Knutschszene und eine Bettgeschichte gehören in andere Filme. - Frau Pilcher hat auch ein anderes Publikum! -
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