Flashmob bei Merkel Und wirklich alle so: Yeaahh!

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Während des Flashmobs: «Und alle so: Yeaahh!» an einer Hauswand. Bild: twitpic/news.de

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Es ist ohrenbetäubendes Gebrüll. Kein Wunder, dass im Publikum jemand sagt: «Ich bin schon leicht heiser». Hunderte Flashmobber haben in Hamburg bei Angela Merkels Rede «Yeaahh!» gerufen. News.de hat sich den Livestream angeschaut.

Ein Twitterer namens Plastikstuhl hat einen Livestream eingerichtet. Die Wackelkamera zeigt meist Hinterköpfe, da wird eine Fahne der Piratenpartei geschwenkt, die Geschäfte Ecke Spitalerstraße und Glockengießerwall in Hamburg schließen gerade. Doch die Hauptsache ist, dass seit 19 Uhr Hunderte Menschen «Yeaahh!» brüllen, ausdauernd.

Während der Wahlkampfrede von Angela Merkel hat sich ein Flashmob gebildet. Nach jedem Satz der Bundeskanzlerin, die nur leise im Hintergrund zu hören ist, wallt ein «Yeaahh!» durch die Menge. Ab und an lässt einer ein «Und alle so» voranklingen.

Die Twitter- und Blog-Gemeinde ist aus dem Häuschen, hat sich im wirklichen Leben zusammengefunden. Merkel redet von guten Entscheidungen, vom «Triumphe feiern auf internationalen Finanzmärkten» von der Deutschen Einheit. Und alle so: «Yeaahh!». Selbstgeschriebene Zettel mit dem Leitspruch werden hochgehalten. An einer Hauswand wird ein Bettlaken mit selbiger Aufschrift entrollt.

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«Und dass die Mauer vor 20 Jahren gefallen ist, daran werden Sie sich erinnern», sagt Merkel in ihr Mikrofon. Doch der Inhalt ihrer Worte ist egal, die Menge brüllt nach jedem Satz oder auch zwischendurch: «Yeaahh!» Mittlerweile verfolgen 1742 Menschen an ihren Computern den Livestream.

Nach wenigen Minuten sagt jemand, der neben der Livestream-Kamera steht «Ich bin auch schon leicht heiser.» Als das «Yeaahh!» langsam abflaut, twittert textzicke «Hieß es nicht, immer NACH einem Angie-Satz ‹yeaahh!› rufen? Mpf. Undiszipliniertes Pack.» Als ob die Hamburger das gelesen hätten, flammt das Yeaahh!-Feuer wieder auf. Durchmischt mit Lachanfällen und Buh-Rufen. «Lass uns mal zwei Minuten erholen», sagt eine Stimme, die sofort wieder «Und alle so» ruft. Es folgt das «Yeaahh!». Angela Merkel geht in ihrer Rede nicht auf die Flashmobber ein.

Doch die Polizei hat ein Auge auf sie. Auch die Beamten fängt die Livestream-Kamera ein.

«Deutschland muss zu einer Bildungsrepublik werden», skandiert Merkel. «Yeaahh!» Doch eine Twittererin, die sich filmkritikerin nennt, macht sich Gedanken: «Lustig wirds, wenn der #undallesoyeaahh Flashmob im Ausland falsch verstanden wird», nämlich als «beunruhigende Politik-Euphorie in Deutschland».

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