Sa., 26.05.12

Telefonie in Netzwerken 19.09.2009 Comeback des gesprochenen Wortes

Headset (Foto)
Facebook- und Twitter-Freunde sind jetzt auch per Headset erreichbar. Bild: iStockphoto

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Für Facebook und Twitter, inzwischen zu einer untrennbaren Wortgruppe der Verheißung verschmolzen, gibt es nun fast zeitgleich eine Telefonfunktion. So richtig heiß her geht es auf dem Markt aber erst, wenn Google mitmacht.

Gut 12.000 Menschen nutzen den Telefondienst Skype auf Facebook. Nicht gerade beeindruckend, angesichts der inzwischen mehr 300 Millionen Mitgliedern, die das soziale Netzwerk weltweit hat. Obwohl Skype mit seinen 450 Millionen Kunden locker mit Facebook mithalten kann, ist die arg verhaltene Resonanz nicht verwunderlich: Facebook-Nutzer können mit den neun verschiedenen Skype-Anwendungen zwar Kontakte finden, ihren Onlinestatus anzeigen lassen und per Klick zur Telefonanwendung selbst wechseln – direkt telefonieren können sie innerhalb von Facebook jedoch nicht.

Vivox will das ändern. Der amerikanische Skype-Konkurrent testet gerade ein Sprachchatsystem für Facebook, das in den kommenden Wochen online gehen soll. Zwar werden Nutzer auch hier, wie bei Skype, eine kostenlose Software auf ihren PC laden müssen. Vivox wird aber danach direkt in Facebook integriert sein. Jeder kann jeden in seiner Freundesliste per gesprochenem Wort erreichen, verspricht der Anbieter: unkompliziert und in besserer Sprachqualität als über Skype, wie es weiter heißt. Das eigentlich Spektakuläre: Die Vivox-Plattform wird auch Entwicklern anderer Facebook-Applikationen zur Verfügung stehen. Nicht nur im Chat, auch in den Spielen, Rätseln und Werbeanwendungen, werden sich Facebook-Nutzer künftig unterhalten können. Ein Grund mehr, viel Zeit auf den Seiten des Netzwerkes zu verbringen – und ein Grund mehr, darauf zu werben.

Das «verbale Equivalent» zu Twitter kündigt derweil ein anderer, ebenfalls amerikanischer Telefondienstanbieter an. Jajah startete nur einen Tag nach den Verlautbarungen über Facebook seinen Twitter-Telefondienst. Der funktioniert sogar ohne den Download einer zusätzlichen Software und über das eigene Telefon. Nutzer müssen ihre Telefonnummer – Handy oder Festnetz soll dabei keine Rolle spielen – bei Jaha hinterlegen und können dann per Tweet einen anderen Nutzer anrufen – solange der ebenfalls seine Nummer bei Jaha hinterlegt hat. Der Anruf ist zwei Minuten lang kostenlos – eine Größenordnung nach dem Geschmack von Twitter, für ernsthafte Telefongespräche jedoch nicht ausreichend.

Lesen Sie auf Seite 2, wie die deutschen Netzwerke bei Videochats dastehen und was Google in Sachen Internettelefonie plant

Schien es im Hype um mobiles Netz auf dem iPhone und anderen Smartphones zwischenzeitlich so, als sei Telefonieren völlig antiquiert, sorgen die neuesten Aktivitäten von Twitter und Facebook für ein gefühltes Comeback des gesprochenen Wortes. Deutsche Netzwerke halten sich in dieser Richtung allerdings noch bedeckt. «Zu Videochat und -telefonie haben wir leider nichts in der Pipeline», sagt Stephanie Seipp offen über die nähere Zukunft von lokalisten.de. Die VZ-Gruppe schweigt auch nach mehrmaliger news.de-Anfrage zum Thema.

Einzig das Business-Netzwerk Xing kann verschiedene Videoapplikationen vorweisen. «Wir haben schon länger eine Skype-Anbindung auf der Seite», sagt Unternehmenssprecher Thorsten Vespermann. Die ist allerdings ähnlich konzipiert wie die, die auf Facebook kaum Nutzer haben. «Ich kann keine Zahlen darüber nennen, wie das genutzt wird», räumt auch Vespermann ein. « Aber ich glaube schon, dass gerade Telefonkonferenzen, wie wir sie über die Anwendung Speed anbieten, einen Mehrwert im Berufsleben bedeuten.» Speed kann direkt bei Xing im Browser bedient werden – eine ähnlich enge Anbindung, wie sie Vivox nun für Facebook verspricht.

Fast schon Routine bei Internetinnovation ist es, dass auch dieses Mal eine bisher nur angekündigte Anwendung verspricht, alles andere in den Schatten zu stellen: Google Voice. Google, das 2007 die Telekommunikationsfirma GrandCentral übernahm, «erfindet das Telefonieren neu», finden nicht weniger derer, die den Dienst in der geschlossenen Beta-Phase bereits testen durften. Im Zentrum der mutmaßlichen Revolution steht eine Nummer, über die jedes Telefon, das der Nutzer besitzt, erreicht werden kann. Wann welches davon klingelt oder ob eine Mailbox abnehmen soll, kann der Nutzer einstellen. Darüber hinaus lassen sich Sprachmitteilungen in Text umwandeln, SMS durchsuchen, Konferenzen abhalten. Obendrein sind SMS und Ortsgespräche innerhalb der USA kostenlos, ins Ausland telefoniert man zum Ortstarif.

Ob ähnliche Konditionen auch in Deutschland gelten werden, ist noch unklar, aber anzunehmen. Dennoch glauben Experten nicht, dass Angebote wie Google Voice klassischen Telekommunikationsunternehmen wirtschaftlich gefährlich werden können. «Wir werden zwar irgendwann alle über das Internet-Protokoll IP telefonieren», sagt Manfred Breul vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), «der entscheidende Unterschied liegt aber in der Qualität und Zuverlässigkeit der Sprachübertragung in den jeweiligen Netzen.» Die könnten bei Telefonaten über das Internet via Skype und ähnlichen Angeboten nicht garantiert werden, wohl aber in von klassischen Telefonkonzernen bereitgestelllten Netzen. Und die planen alle, in den kommenden Jahren auf IP-Telefonie umzustellen.

bla/news.de
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