Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Sozialexperimente sind oft grausam. Wenn Probanden allerdings nur Vornamen denunzieren müssen, wie in dieser Woche deutsche Grundschullehrer, ist das noch harmlos. Was Sie allerdings gleich in unserem Clip-Tipp sehen werden, ist mentale Folter.
Die Szenerie ist simpel: Ein Kind allein in einem Raum, vor ihm ein Teller mit einem Marshmallow. Die Entscheidung scheint ebenfalls nicht schwer: Entweder, den köstlichen Marshmallow sofort essen oder warten, bis die nette Frau, die den ersten spendierte, noch einen zweiten bringt. Wer allerdings keine Geduld hat, muss sich mit nur einer Süßspeise zufrieden geben.
Aber ach, welche Tragik kann in einer Entscheidung zwischen bloß zwei Möglichkeiten liegen! Die meisten Kinder im Experiment kommen, nachdem sie erkennbar zweifelnd mit sich selbst ins Gericht gegangen sind, zum Ergebnis, dass es besser ist, auf die Belohnung, den zweiten Marshmallow zu warten. Aber wie grausam langsam können die Minuten vergehen?
Um den Marshmallow zu genießen, ohne ihn zu essen, lassen sich die Kinder einiges einfallen: Irgendwann wird jeder Marshmallow unter den kleinen Nasen entlang gerieben, um den Geruch (Geruch? Haben Marshmallows überhaupt einen Geruch?) einzusaugen. Den Marshmallow zu küssen, in vor den geöffneten Mund zu führen und nur mit mühevoller Beherrschung in die Luft zu beißen, sind da schon originellere Handlungen. Ihn einfach direkt und kompromisslos zu essen allerdings, ist von beeindruckender Konsequenz.
Das Experiment, das von der Agentur worship house media gefilmt, geschnitten und vertont wurde, ist der Inbegriff eines Geduldspiels. Den Leiden des Wartens und der Hoffnung auf eine goldene Zukunft zuzusehen, macht auf eine Art mitfühlend, die amüsanter nicht sein könnte.
amg/news.de