Flashmob in Hamburg Yeaahh! Yeaahh! Yeaahh!

Yeah (Foto)
Die Illustratorin Michaela von Aichberger hat die Flashmob-Idee in eine Zeichnung umgesetzt. Bild: Michaela von Aichberger

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Der Wahlkampfauftritt von Angela Merkel in Hamburg könnte anders aussehen, als sich die Kanzlerin das vorstellt. Im Internet wird derzeit ein Flashmob organisiert, eine Kundgebung in der Kundgebung. Eine Aktion, die zwar politisch gefärbt ist, die aber auch der Blogosphäre gut tun könnte.

In Hamburg, an der Ecke Spitalerstraße und Glockengießerwall, hängt ein Plakat der CDU, eines von Tausenden im Land. «Die Kanzlerin kommt», heute um 19 Uhr auf den Gänsemarkt, steht da in großen schwarzen Lettern, daneben, mit schwarzem Edding, ein Satz, der in den vergangenen Tagen zu einem Mem, einer Gedankenlawine im Internet, geworden ist: «Und alle so: Yeaahh».

Der Mechanismus, der hinter diesem Mem steckt, erinnert an die Telefonlawine aus der Hörspielreihe Die Drei ???: Immer, wenn die Detektive Justus, Peter und Bob in ihren Ermittlungen nicht weiterkommen, rufen sie jeweils fünf Freunde an, die wiederum jeweils fünf Freunde anrufen – und so weiter. Manch einer würde das auch Schneeballsystem nennen.

Flashmobs
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Im Falle des Yeaahh-Mems war der Ausgangspunkt ein Foto auf der Internetplattform flickr, das das mit Edding bekritzelte Wahlplakat zeigte. Über Twitter und Blogeinträge verbreitete sich der Witz, der mit dem Image der CDU wie dem Image der Bundeskanzlerin spielt und landete schließlich bei Johnny Haeusler, Autor des Blogs Spreeblick. Und spätestens, als der Blogger Edgar den Artikel über besagtes Foto kommentierte, wurde klar, dass sich Größeres anbahnen könnte: «Gerne wäre ich morgen in Hamburg! Wer geht hin? Ein ‹Yeaahh›-Flashmob?» Und Johnny Haeusler dachte diesen Gedanken einfach weiter: «LOL, ein Flashmob, der nach jedem Satz ‹Yeaahh!› ruft wäre unglaublich fantastisch. :)»

Für Haeusler geht es neben dem Spaß bei einer solchen Aktion durchaus auch um einen höheren Sinn: «Es geht um die Zurückgewinnung des öffentlichen Raums. Sobald mehr als fünf Leute zusammenstehen, ist das normalerweise ja schon eine unerlaubte Versammlung.» Und er sieht einen solchen Flashmob als subtiles Mittel, um «bei den anderen Zuschauern ein großes Fragezeichen hervorzurufen».

Bei der CDU ist die Aktion bekannt, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt. Aus dem Konrad-Adenauer-Haus heißt es dazu: «Wir leben in einem freien Land, da hat jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und wir machen öffentliche Wahlkampfveranstaltungen, da müssen wir mit so etwas auch rechnen.» Vorkehrungen treffe man für den Auftritt am Abend nicht, Sorgen mache man sich auch keine. «Da sind wir ganz gelassen», sagt die Sprecherin.

Nicht klar sagen lässt sich in diesem wie auch in vielen anderen Fällen, aus welchem politischen Spektrum die Unterstützer oder Teilnehmer des Flashmobs kommen. Johnny Haeusler erinnert das Ganze zwar eher an frühere Sponti-Aktionen, er sagt aber auch: «Es gab ja auch Flashmobs von Rechts, auch wenn da viele gesagt haben, sie wollten damit nichts zu tun haben, so etwas sei eine linke Sache. Ich weiß gar nicht, ob man das politisch einordnen muss.» Er könne sich ähnliche Aktionen auch aus dem konservativen Lager, etwa bei Wahlkampfveranstaltungen der SPD oder der Linken vorstellen, fügt aber hinzu: «Ich glaube einfach nicht, dass die wirklich witzige Ideen hätten.»

Eine Reaktion auf den Flashmob hält Haeusler indes für möglich. «Es besteht natürlich immer die Möglichkeit, dass so etwas umgekehrt instrumentalisiert wird», sagt er. Darüber hinaus scheint es jedoch so zu sein, dass es im Netz zwar viele politische Aktivitäten gibt, diese aber keinesfalls immer einen Parteihintergrund haben müssen. «Ich glaube, Parteipolitik ist ein bisschen passé», sagt Haeusler. Seinem Blog Spreeblick hätten zwar bereits zwei Parteien Angebote zur direkten Zusammenarbeit gemacht, er habe jedoch abgelehnt. «Ich will mir einfach offenhalten, alle zu kritisieren.»

Flashmobs wie der heute Abend in Hamburg geplante sind für Haeusler durchaus Anzeichen für eine neue Form des politischen Engagements und der politischen Organisation im Netz. «Es sind aber eben auch sehr fragile und temporäre Zusammenschlüsse.» Und so will und kann er auch nicht abschätzen, ob die Yeaahh-Aktion ein Erfolg wird oder nicht: «Das ist ja auch das Schöne, das kann ja auch in die Hose gehen. Für mich aber wäre es schon ein Erfolg, wenn sich da zehn Leute persönlich treffen, wenn es nur ein Bild in einer Zeitung oder im Fernsehen mit einem Yeaahh-Schild gäbe.»

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Wie schon in anderen Fällen hat sich das Mem rasend schnell verbreitet, die Illustratorin Michaela von Aichberger etwa, bekannt auch durch ihre Aktion «Ich male meine Follower», hielt ihre Vorstellung eines solchen Flashmobs in einer Zeichnung fest. Und das Yeaahh findet sogar seinen Weg in den Alltag zurück, inzwischen gibt es etwa T-Shirts mit dem Yeaah-Slogan. Auch das ist für Johnny Haeusler ein Vorteil der neuen Medien, der selbst gerade eine Soundcollage mit «Yeaahh»-Rufen gebastelt hat, für die er aus dem Netz mehr als 100 Einsendungen erhalten hat. In seinen Augen tut so etwas auch der Blogosphäre gut: «Da hatte man in der Vergangenheit manchmal das Gefühl, es kämpfe jeder gegen jeden. Ich bin froh, dass jetzt in Blogs mal wieder etwas völlig unabhängig von Grabenkämpfen oder Manifesten passiert, bei dem viele Menschen einfach gemeinsam lachen können.»

ped/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Michael Meier
  • Kommentar 3
  • 21.09.2009 18:07

Und alle so: "Yeeeah!", Merkel kommt am Mittwoch, 17 Uhr nach Wuppertal https://twitter.com/aberaberarne http://www.studivz.net/Groups/Overview/21ad8553a42b77c9 http://www.schuelervz.net/Groups/Overview/f64bf25856b677d5 http://www.facebook.com/event.php?eid=135180474573&ref=nf

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  • luap
  • Kommentar 2
  • 19.09.2009 14:11
Antwort auf Kommentar 1

paul, das hast du falsch herum gelesen. erstens war das keine werbung dafür sondern ein hinweis von jemand, der die abstimmung toll findet. markus habe ich nicht mit dem anwalt gedroht. ich habe markus mehrmals über kommentare finanzielle unterstützung angeboten, als er selber sorge vor abmahnungen hatte...und darauf bezog sich meine bemerkung. wenn ein kurzer und konstruktiver hinweis auf eine abstimmung auf ein (zens)(edit)ieren der url führt, dann bitte ich markus um eine erklärung und bis die kommt, werde ich ihm keine weitere finanzielle unterstützung mehr anbieten, sollte er (markus) unter beschuß kommen. SO war der satz gemeint.

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  • paul
  • Kommentar 1
  • 19.09.2009 00:12

der versuch auf http://netzpolitik.org/2009/und-alle-so-yeaahh/ anonym werbung für diesen artikel zu machen und dann noch markus indirekt mit dem anwalt zu drohen is doch lächerlich.

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