Unter massivem chinesischen Druck haben die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse auch den exilchinesischen Schriftsteller Bei Ling von einem internationalen Symposium an diesem Wochenende ausgeladen. Die zuvor ausgeladene China-Aktivistin Dai Qing will dennoch kommen.
Ähnlich wie bei der kritischen Autorin Dai Qing habe die chinesische Seite mit einem Boykott der zweitägigen Veranstaltung in Frankfurt gedroht. Projektleiter Peter Ripken habe ihn am Mittwoch besorgt über die «sehr schwierige Lage» informiert, berichtete der im Exil in den USA lebende Schriftsteller und Verleger am Donnerstag.
«Er sagte, bitte komme nicht», berichtete Bei Ling. Es würde sonst zu einer Konfrontation kommen, die dem Symposium und der Frankfurter Buchmesse schaden würde, gab er die Begründung wider. Die Offiziellen aus China und selbst der bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan hätten nicht in einem Raum mit ihm sein wollen, sagte der Autor. Er war 2000 in China wegen «illegaler Veröffentlichungen» festgenommen worden und nach kurzer Haftzeit mit amerikanischer Hilfe freigelassen und ausgewiesen worden. Bei Ling lebt heute als US-Staatsbürger in Boston, betätigt sich aber auch von Taiwan aus als Verleger für exilchinesische Literatur.
Mit der Ausladung sei er aufgefordert worden, im Oktober zu einer Veranstaltung auf der Buchmesse zu kommen, die nicht von chinesischer Seite beeinflusst werden könne. «Ich kann bis Oktober warten, aber das heißt nicht, dass ich mit der Entscheidung der Frankfurter Buchmesse übereinstimme», sagte Bei Ling. «Hier geht es um Meinungsfreiheit.» Immerhin habe die Buchmesse hier ihre Tradition zu verteidigen, für Rede- und Publikationsfreiheit einzutreten. «Diese Vorfälle jetzt sind kein guter Anfang», sagte Bei Ling zu der Buchmesse, auf der China vom 14. bis 18. Oktober Ehrengast sein wird.
Dai Qing will trotzdem kommen
«Es muss verschiedene Stimmen geben», sagte Bei Ling. «Auch die Ansichten der Exilschriftsteller müssen gehört werden.» Auf dem zweitägigen Symposium zur thematischen Vorbereitung der Buchmesse geht es um «China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit». Die Organisatoren hatten am Mittwoch auch die prominente Aktivistin und Autorin Dai Qing unter Hinweis auf die Drohungen der chinesischen Seite praktisch ausgeladen und aufgefordert, doch lieber im Oktober zu kommen. Auch der kritische Pekinger Philosophieprofessor Xu Youyu sagte, die chinesische Seite habe seine Teilnahme verhindert. Doch gaben die deutschen Organisatoren an, ihn nicht eingeladen zu haben.
Die Autorin Dai Qing will trotz der Ausladung durch die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse aber trotzdem an dem internationalen Symposium an diesem Wochenende teilnehmen. «Selbst wenn ich nur wenig Hoffnung habe, werde ich alles versuchen», sagte Dai Qing heute in Peking. «Ich habe nur noch einen Tag und frage mich, ob ich noch ein Visum bekommen kann.» Ihr fehle aber die formelle Einladung von der deutschen Seite.
Auf massiven chinesischen Druck hatten die deutschen Organisatoren die prominente Aktivistin ausgeladen und stattdessen für den Oktober auf die Buchmesse eingeladen. Zunächst sei sie dankbar gewesen, habe dann aber von der Verärgerung des deutschen PEN-Clubs über diesen Kompromiss gehört, begründete Dai Qing ihren Sinneswandel, dass sie jetzt doch weiter an dem Symposium über «China und die Welt» im Vorfeld der Buchmesse teilnehmen will.
«Ich denke, dieses Arrangement ist ein Fehler der chinesischen Regierung, den sie schon oft begangen haben», sagte Dai Qing. «Als chinesischer Staatsbürger will ich ihnen helfen, diesen Fehler wieder gutzumachen.»
voc/kat/news.de/dpa
Natürlich ist es eine Einmischung in unsere Interessen und eine Untergrabung der Meinungsfreiheit in Deutschland, wenn wir uns aus China erpressen lassen. Aber darüber, das unser Land anfängt unsere "Freiheit" durch Zensur einzuschränken ließt man in der freien Presse nichts. Sollten die hier nicht auf die Barrikaden gehen, da unser Land ähnliche Internetsperren aufbauen will, wie sie bereits in China üblich sind? Wie viel besser sind wir, die wir unsere Freiheit an den Staat abgeben, als die Bürger in China, denen die entscheidung darüber vom Staat abgenommen wurde...
jetzt antwortenKommentar meldenFür das Verhalten der Veranstalter fehlt mir das Verständnis, wer ist der Veranstalter der Messe, doch nicht China, also haben sich die Teilnehmer an die Regeln des Gastgebers zu halten, wenn ihnen das nicht paßt können sie doch wegbleiben. Hier sollten die Veranstalter Rückrat zeigen und auf der Teilnahme der Autoren mehr Wert legen als auf die Teilnahme eines Landes in dem die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit immer noch mit Füßen getreten wird.
jetzt antwortenKommentar meldenDas wad eine Schweinerei, die ihresgleichen suchen lässt. Von Politikern könnte ich das noch verstehen, aber von einer Buchmesse? Ist das etwa die "Freiheit die ich meine"?
jetzt antwortenKommentar meldenWann endlich setzt sich Zivilchourage in diesem Land durch? Solange die Menschenrechte und Pressefreiheit in China mit Füssen getreten werden, solange sollten wir den Machthabern zeigen, dass wir ihre Ideologie in unserem Land nicht gut heißen. Chinesische Exilkritiker und kritische Autoren sollten zur Wort kommen können. Wir sollten endlich aufhören, einen Kniefall vor Diktatoren aus wirtschaftlichen Gründen zu tun.
jetzt antwortenKommentar meldenJetzt vor den Chinesen einzuknicken, haben wir doch gar nicht nötig! Das ist von China eine massive Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten! Dieser so oft missbrauchte Term trifft in diesem Fall leider voll zu - und keiner traut sich, Klartext zu reden!. Der Fall Dalai Lama zeigt, dass die Chinesen sich sehr wohl nach einer "Schamfrist" wieder einzukriegen imstande sind - und keinesfalls die Geschäfte darunter leiden. Wenn wir nicht selbst für unsere ureigensten Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit eintreten, wer sollte es denn sonst tun??
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