Von news.de-Redakteur Christian Vock
Wie viel Spaß es machen kann, einmal gegen einen TV-Moderator in einer Show anzutreten, wissen wir spätestens seit Schlag den Raab. RTL hat das Prinzip Rache erkannt und sein Schwergewicht Jauch in den Ring geschickt.
Darauf haben wir nun zehn Jahre warten müssen. Nach all der Zeit, in der wir das hämische Grinsen ertragen mussten, wenn Günther Jauch einen Kandidaten bei Wer wird Millionär? aufs Glatteis geführt hat. Jauch, das Gesicht der Niederlage, das Symbol für plötzlichen Reichtum, aber auch für dessen Verweigerung. Dass Wohl und Weh der Kandidaten gar nicht vom Quizmaster abhängt, ist dabei nebensächlich. Der Tag der Rache war gekommen. Nun konnte man Jauch endlich alles zurückzahlen.
RTL hat erkannt, dass nichts schöner sein kann als Rache und für seine neue Show 5 gegen Jauch Kandidaten rekrutiert, die dem beliebten Moderator nacheinander Fragen stellen sollten, von denen sie der Meinung sind, dass Jauch sie nicht beantworten kann. War dem so, gab’s Geld, war dem nicht so flog der Kandidat raus. An sich ein cleveres Konzept, Wer wird Millionär? einmal in vertauschten Rollen durchzuspielen und Jauch ins Schwitzen bringen zu wollen, denn die Fragen hatten diesmal noch weniger mit Allgemeinwissen zu tun als beim Original. Das war auch gar nicht beabsichtigt, ging es alleine darum, Jauch auf dem falschen Fuß zu erwischen. Und das geht natürlich am besten, wenn man ihn von Anfang an in der Luft hängen lässt. Dass man in Israel «Niagara» zur Toilettenspülung sagt, gehört beileibe nicht zum Bildungskanon.
Dementsprechend war auch das Studio angerichtet. In einer in aggressivem Rot gehaltenen Kulisse saß Jauch seinem Quiztribunal an einem dreieckigen Tisch gegenüber, dessen Spitze auf ihn gerichtet war. Es sollte gleich klar sein, wer hier in der Verteidigerrolle ist.
Dass Jauch an diesem Abend aber nicht auf dem umgedrehten Spieß geröstet wurde, lag vor allem an zwei Dingen: Zum einen am Moderator. Oliver Pocher machte mit seiner lockeren, zuweilen zu lockeren Zunge von Anfang an klar, dass er hier keine blutige Vendetta moderieren wollte. Ihm ging es um Spaß und ein wenig auch um Selbstinszenierung. Es sei ihm verziehen, denn wirklicher Ernst und Verbissenheit wären ohnehin fehl am Platze gewesen. Denn, Grund zwei: Günther Jauch ist nicht Stefan Raab. Dem ProSieben-Entertainer gönnt man in dessen Schlag den Raab-Sendung jede einzelne Niederlage, tritt er doch oft genug eine Spur zu überheblich auf. Im Gegensatz zum Ehrgeizling Raab ist Jauch eben doch nur der nette, sympathisch-steife Onkel aus dem Fernsehen. Ihm kann man einfach nicht richtig böse sein. Das zeigen immer wieder die Beliebtheitswerte diverser Umfragen. Warum sollte man sich also über sein Versagen freuen?
Und Jauch? Der fragte sich einmal scherzhaft, wo er denn hier hineingeraten sei. Dass es hier nicht um Wissen gehen soll, sondern um Häme, muss Jauch bereits vor der Sendung klar gewesen sein. Und auch das Prinzip seiner Erfolgsshow, das aus einem einfachen Menschen plötzlich einen Millionär machen kann, zieht bei Jauch sowieso nicht. Höchstens bei seinen Fragestellern, aber um die ging es ja diesmal nicht.
Dementsprechend harmonisch war auch das Ende der Show, die stolze 6,7 Millionen Zuschauer (Marktanteil 23,8 Prozent) verfolgten. Als Jauch mit mehr Glück als Verstand auch den letzen Kandidaten hinaus kegelte, freute dieser sich mehr über den ganzen Spaß, den er in den vergangenen Minuten hatte, als dass er sich über dessen Ende ärgerte. Aus dem Prinzip Rache machte RTL das Prinzip Gruppenkuscheln. Das kann man sich mal ansehen, muss man aber nicht.
Warum wird die Sendung "5 gegen Jauch"nicht wiederholt?Ich mußte zum sendetermin arbeiten und hätte es so gerne angeschaut liebe Grüße elke schmidt
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