Sa., 26.05.12

Interview mit Jon Landau 04.09.2009 «Wir kamen uns vor wie Albatrosse»

Jon Landau (links) kämpft für den Erfolg des dreidimensionalen Kinos. (Foto)
Jon Landau (links) kämpft für den Erfolg des dreidimensionalen Kinos. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach, Berlin

Dreidimensionale Filme werden in den Kinosälen bald Alltag sein, spätestens wenn im Dezember der 3D-Blockbuster Avatar anläuft. Wie hart der Kampf für die räumlichen Bilder war, erzählt der Titanic-Produzent Jon Landau im news.de-Interview.

Ihr 3D-Film «Avatar» kommt im Dezember in die Kinos. Was erwartet die Zuschauer?

Landau: Eine komplexe Story mit universellen Problemen und Charakteren, mit denen man sich identifizieren kann. Diese Charaktere werden in eine Welt verpflanzt, die sie und auch die Zuschauer nie zuvor gesehen haben.

Der Projektname «Avatar» schwirrt schon seit Jahren durch Hollywoods Gerüchteküche. Wie lange arbeiten Sie bereits an dem Projekt?

Landau: James Cameron hat bereits vor 15 Jahren an der Idee geschrieben. Aktiv an dem Projekt gearbeitet haben wir die letzten viereinhalb Jahre.

Wie schwer ist es, einen 3D-Film zu drehen?

Landau: Das ist gar nicht so schwer. Viel problematischer ist es, den richtigen Schauspieler zu finden und das richtige Set zu bauen. Ein stimmiges Skript zu schreiben, das es auch wert ist, umgesetzt zu werden. 3D ist nicht so schwer. Kameras gab es schon, man baut einfach nur eine zweite Kamera daneben - und schon hat man 3D.

Von der Arbeitsweise her muss es doch aber sehr anders sein, einen 3D-Film zu drehen?

Landau: Das große Problem ist, dass 3D noch fremd ist. Veränderungen werden zunächst skeptisch aufgenommen. Die Filmindustrie hat Ewigkeiten gebraucht, um den Wechsel auf digitale Kinotechnik zu wagen. Im Nachhinein erkennt man dann, dass es nur Vorteile hat.

Wann hat sich in Sachen 3D die Meinung der Studios gewandelt?

Landau: So richtig erst in den letzten paar Jahren. Als wir das erste Mal unsere Idee eines 3D-Films vorstellten, hat man uns wie Exoten angeschaut. Wir kamen uns vor wie Albatrosse. «Leute, das ist im Kommen», haben wir ihnen gesagt. Erst als wir erstes Filmmaterial vorgestellt haben, begriffen sie langsam, dass der Zuschauer erst mit 3D einen großen Unterschied zwischen 35-mm-Film und digitaler Projektion wahrnimmt. Diese Entwicklung wird übrigens auch im Wohnzimmer ankommen. Einige Menschen sehen keinen gewaltigen Unterschied zwischen normalem und hochauflösendem Fernsehen. Aber der Unterschied von normalem Fernsehen zu 3D ist für jeden beeindruckend. Das wird die Verkäufe neuer Fernseher richtig anheizen.

Wird Avatar nur in 3D in die Kinos kommen?

Landau: Der Film wird in identischer Version zwei- und dreidimensional in die Kinos kommen.

Das verwundert. Ist es nicht so, dass 3D-Filme von der Bildsprache her völlig anders funktionieren und deswegen andere Schnitte und Einstellungen brauchen?

Landau: Das ist ein Trugschluss. Als Cutter macht es keinen Unterschied, man kann dieselben Entscheidungen bei 2D und 3D treffen. Viel wichtiger ist es, hochqualitatives 3D-Material zur Verfügung zu haben. Das war in der Vergangenheit ein Problem. Die Aufnahmetechnik hat hier enge Grenzen gesetzt. Unsere Spezialkameras liefern aber flüssige 3D-Aufnahmen. So konnten wir ähnlich schnelle Schnitte setzen, wie in normalen Filmen.

Überfordert das den Zuschauer nicht?

Landau: Tut es nicht. Man muss nur den Fokus der Kamera immer konstant lassen. Dann werden die Augen und die Wahrnehmung der Zuschauer auch nicht überfordert.


John Landau (49) arbeitet seit vielen Jahren als Produzent in Hollywood. Er hat mit «Titanic» einen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten produziert und dafür einen Oscar bekommen. Derzeit arbeitet er wieder mit Regisseur James Cameron zusammen. Schon vor seinem Erscheinen gilt der 3D-Film «Avatar» als einer der Wegbereiter für die 3D-Technologie.

hav/ news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • NochnAvatar
  • Kommentar 2
  • 02.01.2010 01:32
 

So verschieden sind die Wahrnehmungen ... bin seit 40 Jahren 3D-Freak und habe zig Entwicklungen miterlebt. Schwarzweiß zu Color (cyan/rot) Colorcode3d, Parallel und X-Eye-Viewing, usw. Mit Fuji 3D W1 und V1 selber am Bilder und Filme machen und betrachten, seit einiger Zeit auch mit NVidias 3D Vision System ... Dies vorab ... ich fand nicht nur die Story gut, sondern speziell die 3D-Umsetzung hervorragend. Es kommt anscheinend darauf an, ob man als 3D-Newbie ins Kino geht, oder nicht. Gerade weil auf allzu spektakuläre Schock- und Show-Szenen verzichtet wurde, das gab es in früheren 3D-Filmen schon, ist es eine Augenweide, den Film in 3D statt in 2D zu sehen!

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  • Rhotik
  • Kommentar 1
  • 18.12.2009 13:21
 

Sehr gutes Interview! Es wurden genau die richtigen Fragen gestellt. Ich habe mir AVATAR angesehen. Und es stimmt: Der Film funktioniert in 3 D nur mässig. Bis auf einige Effekte (Tropfen, hier und da ragt etwas zu dir hinaus) ist 3 D fast nicht fühlbar. Der Preis von 15 Euro bei 3D IMAX ist mir auch ehrlich gesagt viel zu viel für das was ich geboten bekam. Obwohl ich AVATAR eigentlich sehr gut fand! Aber nicht dem 3 D wegen sondern...Figuren, Drehbuch...passten! Obwohl bekannter Plot funktionierte es besser als gedacht und erzählte eine klassische Story mit viel Gefühl.

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