«Qualität verlangt einen langen Atem»
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Der diesjährige Theodor-Wolff-Preis stand ganz im Zeichen der Zeitungskrise. Der Verlegerverband BDZV vergab trotz deutlicher Mahnungen an die Mitglieder, Qualität auch in Krisenzeiten zu achten, fünf Auszeichnungen - eben für hervorragende Stücke.
Der Verleger Hermann Neusser (Bonner General-Anzeiger) hat die Zeitungsverlage aufgefordert, in journalistische Stärken zu investieren. «Qualität gibt es nicht zum Nulltarif», sagte Neusser, der Vorsitzender des Kuratoriums für den Theodor-Wolff-Preis ist, bei der Preisverleihung am Abend in Berlin. «Die Krise darf nicht zum Vorwand genommen werden, Redaktionen auszudünnen oder journalistische Aufgaben zunehmend auszulagern.»
Mit dem Preis des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wurden am Abend fünf Zeitungsjournalisten ausgezeichnet. Aus Anlass der Preisverleihung zeigt das Jüdische Museum eine Ausstellung über Theodor Wolff.
Vor rund 350 Gästen betonte Neusser, guter Journalismus rechne sich auf Dauer auch ökonomisch. Qualität verlange aber gerade in der Wirtschaftskrise einen langen Atem und unternehmerische Kreativität. «Unsere Verlage müssen in Qualität investieren, unser Markenkern sind die guten, kritischen, gründlich recherchierten Inhalte.» Die Medien müssten sich aber selbstkritisch fragen, ob sie sich dem Hang zum Infotainment angeschlossen hätten. Unterhaltung müsse auch sein, sagte Neusser, sie dürfe aber nicht das Analytisch-Politische verdrängen. Das gelte für Zeitungen wie für das Internet: «Je mehr Geschwindigkeit, desto eher droht Qualität verloren zu gehen.» Die Zeitung müsse nicht neu erfunden werden. «Wir müssen aber dem Leser transparent machen, welchen Mehrwert ihm die Zeitung bietet.»
Den Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie «Kommentar/Glosse/Essay» erhielt Henning Sußebach (Die Zeit) für einen Beitrag über das in der Wirtschaftskrise veränderte Verhältnis der Deutschen zu ihrem Auto. In der Sparte «Allgemeines» wurde Bastian Obermayer (Süddeutsche Zeitung), für seinen Bericht über medizinische Details rund um eine Organspende geehrt.
Thomas Scheen (Frankfurter Allgemeine Zeitung), erhielt die Auszeichnung für eine Reportage über ehemalige sowjetische Militärpiloten im Kongo. Regina Köhler (Berliner Morgenpost) wurde in der Kategorie «Lokales» ausgezeichnet für die Geschichte einer Mutter, die ihr Kind in einer Babyklappe ablegte und es sich dann anders überlegte. Einen Preis für ihr Lebenswerk erhielt Nina Grunenberg (Die Zeit) für ihre scharfsinnige Analyse und Recherche.
Der Theodor-Wolff-Preis wurde vom Verleger Axel Springer gestiftet und wird vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verliehen. Er ist mit jeweils 6000 Euro dotiert. Der Preis erinnert an den langjährigen Chefredakteur des Berliner Tageblatts, Theodor Wolff (1868-1943).
Bis zum 31. Januar sind im Jüdischen Museum Briefe, Fotos, Zeitungen und Bücher aus dem Wolffschen Elternhaus zu sehen. Die Ausstellung spannt den Bogen von Kindheit und Familienleben über Wolffs journalistische Karriere und sein politisches Engagement bis hin zu Exil und Verfolgung nach 1933.
ruk/news.de/dpa
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