Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
In Julie & Julia kocht eine Frau die Rezepte einer Fernsehköchin nach und bloggt darüber. So etwas hat die deutsche Blogosphäre zwar nicht zu bieten, dafür aber Unmengen an Blogs über das Essen und Trinken. Ein kulinarischer Spaziergang durchs Netz.
Man darf die Deutschen Blogcharts, die jede Woche aktualisiert werden, sicherlich nicht zu ernst nehmen. Sie sind nur ein Indikator dafür, wie erfolgreich ein Blog ist. Aber sie sind ein Indikator und umso mehr verwundert es beim seit Jahren anhaltenden Kochtrend, dass sich das erste deutsche Kochblog in dieser Liste derzeit erst auf Platz 86 findet: 1x umrühren bitte.
Es ist eines von Hunderten, vielleicht Tausenden deutscher Blogs, die sich mit Essen, Trinken, Kochen oder Rezepten beschäftigen. Unser thematischer Spaziergang durch das Internet aber beginnt mit einer Seite, die sich der Küche eher durch die Hintertür nähert. Denn es macht zwar nichts ein Blog lebendiger als gute Fotos, bei Essen und Trinken ist aber auch wenig so schwer zu bekommen.
Nicht umsonst gibt es für die Werbung Foodstylisten und wer schon einmal versucht hat, ein Grillhähnchen appetitlich abzulichten, wird dankbar sein, dass es die Kochbuchfotos gibt. Seit Februar 2008 sammeln die Autoren Michael Preidel, Roman Röhrig und Dirk Brinker hier lizenzfreie Fotos, die sich sehen lassen können. «In meinem Weblog veröffentliche ich ab und zu ein Kochrezept, aber nicht immer finde ich ein passendes Foto oder die Zeit, das fertige Gericht selbst zu fotografieren», schreibt Preidel in den FAQFrequently Asked Questions, also regelmäßig gestellte Fragen, eine auf vielen Internetseiten fest verankerte Rubrik. des Blogs. «Die Tatsache, dass einige meiner Leser eingesprungen sind und mir Fotos eines nachgekochten Rezepts zugeschickt haben, hat mich nicht nur sehr gefreut, sondern – gerade auch im Hinblick auf die fortwährenden Abmahnungen wegen einiger Brötchen- und Würstchenfotos – auf die Idee gebracht, eine Plattform für freie Fotos rund ums Kochen zu schaffen.»
Genauso wie die Optik gehört für viele aber auch ein guter Wein zum Essen. Und so passt das Blog Schreiberswein ebenso in diese Liste wie viele andere Weinblogs, es sticht lediglich durch die Qualität seiner Beiträge hervor. Da geht es auch schon einmal um Politik, so machte Lars Breidenbach, der nach eigenen Angaben dem Münchener Mediendschungel entfloh, um Winzer zu werden, zuletzt durch die Serie Der Wahlkampf und der Wein auf sich aufmerksam. Doch auch die durchaus Fachmagazin-tauglichen Artikel, die er sonst veröffentlicht, lohnen einen Besuch, neben all den Texten, in denen so schöne Worte wie «sürpfeln» vorkommen dürfen.
Ähnlich lesenswert, aber auch hoch gefährlich, ist das Blog esskultur.at der österreichischen Journalistin Katharina Seiser. Lesenswert allein schon aufgrund der Themen, die aufwändig recherchiert und stilsicher in Artikel verpackt sind. Hoch gefährlich, weil Besucher nicht selten hungrig oder sogar neidisch vor dem Bildschirm hocken dürften. Ein Beispiel gefällig? Erst in den vergangenen zwei Wochen machte die 1974 geborene Wienerin ihren Lesern den Mund wässrig, indem sie in bisher (!) drei Artikeln ihren Besuch im Kopenhagener Restaurant Noma schilderte – womit sie bei sechs von zwölf Gängen angekommen ist –, das zu den besten Restaurants der Welt zählt. Gegessen hat sie dort unter anderem übrigens dänische Langustinen mit Austern-Petersilien-Emulsion und Algen oder rohen Tintenfisch mit Grüne-Erdbeeren-Granité, Crème Fraîche und Dill.
Weiß man zumindest bei diesen Gerichten noch, was drin ist, macht es einem «Teriyaki-Hühnchen mit Cabetsu to Kyuuri no Shio-Momi» schon nicht mehr so leicht. Vor zehn Tagen haben die Autoren des Rezeptors, eines Blogs der Zeit, das Rezept zu diesem Gericht veröffentlicht. Was der Name des Blogs nicht vermuten lässt: Dahinter verbirgt sich ein ernsthafter Anspruch, den auch die Namensgebung der Autoren (REZEPThORsten und reSEPPtor) nicht verwässert: «ergebnisorientierte Alltagsküche» an den Leser zu bringen und das auch noch mit moralischem Anspruch: «Gemeinsam kämpfen sie für Eure bewusste Ernährung, dass Ihr kein Fleisch im Supermarkt mehr kauft und nie wieder MaggiFix für Irgendwas benutzt.» Das könnte gelingen. Ach so, Sie wollen jetzt auch noch wissen, was es mit diesem Hühnchen auf sich hat? Ganz einfach: Es wird mit Weißkohl und Gurke zubereitet.
Genauso wie ein gutes Essen mit einem guten Kaffee abgeschlossen werden kann, schließen auch wir unsere Blogschau mit gutem Kaffee, man verzeihe die Einfallslosigkeit. Genauer werfen wir einen Blick nach Gibraltar, wo Arne Preuß zu Hause ist, ein so genannter BaristaEin Barista bezeichnet in Italien den Barkeeper an sich, im Englischen und Deutschen eine Art Kaffeekünstler und -experten, der Kaffee fachgerecht und/oder dekorativ zubereitet und serviert. . Sein Barista Blog füllt er mit Kaffee-Tests und Kauftipps, vor allem, um die «Coffeeness» des Lesers zu erhöhen. Den großen Reiz aber machen Preuß' Experimente aus: Wenn er darüber schreibt, ob Kaffee auch zu Käse passt oder wie sich Kaffee verändert, wenn man ihn eine bestimmte Zeit lang ziehen lässt, paart sich Information mit Lesevergnügen.
Bon Appétit.
voc/news.de