Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Die «Eiskönigin von New York» steht angeblich nach 21 Jahren an der Spitze der US-Vogue kurz vor dem Rausschmiss. Mit einer PR-Offensive scheint Anna Wintour ihr Image aufpolieren und ihren Job retten zu wollen. Sie und die Vogue können davon nur profitieren.
Die Auflagenzahlen des mächtigsten Modemagazins der Welt gehen zurück, gleiches gilt für die Anzeigen. Die logische Konsequenz: Der Verantwortliche muss gehen, in diesem Fall Chefredakteurin Anna Wintour. Doch von einer Person des Kalibers der Vogue-Chefin, die die mächtigste Frau der Modelwelt ist, wird nicht erwartet, dass sie die Bühne einfach sang- und klanglos verlässt. So hat Wintour, als letztes Jahr die ersten Gerüchte über ihren bevorstehenden Rauswurf aufkamen, das einzig Richtige gemacht: Sie ist in die Offensive gegangen.
Als selbstherrlich, kalt und die wohl schlimmste Chefin der Welt gilt die 59-Jährige spätestens seit dem Film Der Teufel trägt Prada, für den sie Vorbild stand. Dieses Image ist das Kapital Wintours, das sie nun gekonnt einsetzt. Vor kurzem ist ein Dokumentarfilm über sie in den amerikanischen Kinos gestartet. Die Kritiker streiten sich darüber, ob die Vogue-Chefin mit diesem Film ihr Image tatsächlich aufpolieren kann. Ein wirklicher Gegenentwurf zu Der Teufel trägt Prada sei ihr nicht gelungen, so die ersten kritischen Stimmen.
Aber Anna Wintour wäre nicht Anna Wintour, wenn sie nicht genau das wollte. Würde sie sich in diesem Film als sympathische, lächelnde Vogue-Chefin präsentieren, wäre sie von ihrem Chefsessel schneller runter als sie ihre schwarze Sonnenbrille aufsetzen könnte. Die einzige Chance, die ihr bleibt, um ihren Job zu retten, ist ihr Teufelin-Image zu pflegen. Denn ihren bisherigen beispiellosen Erfolg verdankt sie gerade diesem egozentrischen Bild, das sie nach außen abgibt. Und nur als diese berüchtigte Person kann sie die Aufmerksamkeit auf sich und, was viel wichtig ist, auf die Vogue lenken. Gelingt ihr der Coup und die Auflage steigt, wird sie nicht gehen müssen. Die Vogue ist zwar eine große Marke, aber ohne die Marke Anna Wintour nur halb soviel wert.
kas/news.de