Bruce Springsteen: «Nebraska» Aus dem Schlafzimmer in New Jersey

Nebraska (Foto)
Das Album Nebraska entstand im Jahr 1982 im Schlafzimmer von Bruce Springsteen. Bild: Sony Music

Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Die Songs gehen nicht sofort ins Ohr, die Geschichten bleiben aber im Kopf. Man kann zu Nebraska nicht tanzen. Aber Bruce Springsteen ist mit Gitarre und Mundharmonika der größte Geschichtenerzähler des kleinen Mannes.

Eigentlich sollten die zehn Songs, die 1982 auf dem Album Nebraska erschienen sind, einen ganz anderen Weg gehen. Doch Springsteen folgte seinem Instinkt und schuf eines der besten Alben seiner inzwischen fast 40 Jahre andauernden Karriere.

Am 3. Januar des Erscheinungsjahres setzte sich der Boss mit Gitarre, Mundharmonika und einem Tonbandgerät in sein Schlafzimmer in New Jersey und nahm die Stücke auf, die für sein neues Album geplant waren. So will es die Legende. Eigentlich sollten es nur Demoversionen werden, um die Richtung vorzugeben und dann ganz gepflegt im Studio mit geballter Kraft mit der E Street Band abrocken zu können. Doch dazu sollte es nie kommen.

Denn kaum fanden sich die Musiker der damals siebenköpfige Band im Studio ein, stellt Springsteen fest, dass die zurückhaltenden Demoversionen viel besser passten. Drehten sich die Songs doch um Einsamkeit, Verzweiflung, Underdogs und ganz einfache Menschen. Die Demoversionen blieben.

Zum Glück hatte Springsteen das richtige Gespür, nicht alle 13 Songs in ihrer Ursprungsfassung zu lassen. Darunter auch Lieder, die rockig aufgepeppt ihren Platz auf dem nächsten Album fanden. Wie etwa die bis heute berühmteste Single des Musikers: Born in the USA (1984). Die leise Demoversion des kritischen Songs landete später auf der Sammlung Tracks (1998).

Was Nebraska so besonders macht, und ein Markenzeichen vom Boss ist: Springsteen ist nicht nur Musiker, sondern Geschichtenerzähler. Und zwar hier in Reinkultur, wie später nur auf The Ghost of Tom Joad (1995) und Devils & Dust (2005). Es spielt keine Rolle, ob ein Song ins Ohr geht, ob man mitsingen oder danach tanzen kann. Ganzen Lebensgeschichten wird in nur wenigen Worten komplexes Leben eingehaucht. So ist es kein Wunder, dass sich Schauspieler und Regisseur Sean Penn von Highway Patrolman zu seinem Regiedebüt Indian Runner (1991) hat inspirieren lassen.

Der titelgebende Song Nebraska erzählt aus der Ich-Perspektive die Geschichte des mörderischen Pärchens Charles Starkweather und Caril Fugate, die in den 1950ern in einem Mordrausch den Horror der Manson-Familie vorausnahmen. In dem gehetzten Johnny 99 kommt der Protagonist durch Arbeitslosigkeit und Verschuldung ab vom Weg und wird nach einem spektakulären Gerichtsprozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Immer wieder holt Springsteen eine treibend tragische Atmosphäre aus seiner Akustikgitarre und untermalt die Schicksale seiner Figuren mit der klagenden Mundharmonika. Dass einige der Stücke auch ganz anders können, erfährt man immer wieder bei Konzerten Springsteens und seiner E Street Band, mit der der 60-jährige Rockmusiker bereits seit 37 Jahren über die Bühnen tobt. Dann mausert sich etwa die Verliererballade Atlantic City zum kraftvollen Rockevent.

Doch die zwei Lieder, die immer wieder besonders berühren, sind das verzweifelte State Trooper, die Geschichte eines Einsamen auf der Straße, der den Gesetzeshüter anfleht, ihn in seiner Reise ins Verderben nicht aufzuhalten, und Reason to Believe. Denn so traurig der tote Hund am Straßenrand, die verlassenen Liebenden oder der alte Mann, der in seiner Scheune tot umfällt, auch anmuten mögen, trotz aller Verzweiflung stirbt die Hoffnung bei Springsteen immer zuletzt.

Interpret: Bruce Springsteen
Titel: Nebraska
Plattenfirma: Sony Music
Erscheinungsdatum: 1982

voc/news.de

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