Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Das war’s für Oasis. Der Kopf der Band hat die Nase voll. Wenn man sich die Geschichte der Gruppe anschaut, hätte es kaum anders kommen können. Für die Fans von Oasis gibt es trotzdem Hoffnung.
Die Nachricht ist ein Schlag für alle Oasis-Fans und die Musikwelt insgesamt: Noel Gallagher verlässt Oasis. Das könnte das Aus bedeuten für die erfolgreichste und prägendste britische Rockband der vergangenen 20 Jahre. Liam Gallagher war die markanteste Stimme seiner Generation, sein Bruder Noel einer der talentiertesten Songwriter aller Zeiten. Dass der eine vielleicht nie mehr die Lieder des anderen singen wird, ist ein schmerzlicher Gedanke für eine ganze Generation von Musikfans.
Der Abschied kommt zur Unzeit: Gerade haben die Fans wieder bewiesen, wie sehr sie Oasis verehren, indem die Konzertkarten für eine Sommertour in Windeseile ausverkauft waren. Und musikalisch hat sich die Gruppe aus Manchester mit den vergangenen beiden Alben zumindest ein Stückchen weiter entwickelt, schien bereit für das nächste Kapitel.
Doch nun könnte Schluss sein. Noel Gallagher war der unbestrittene Kopf der Band, komponierte lange Zeit die komplette Musik und sang auch Hits wie Don’t Look Back In Anger. Er wird nun wohl seine lange angekündigten Pläne einer Solokarriere in die Tat umsetzen. Doch Oasis sind ohne ihn kaum vorstellbar.
Für Fans gibt es trotzdem Hoffnung: Schon mehrmals hatte sich Noel Gallagher ausgeklinkt. Schon vor knapp 15 Jahren wollte er die Band auf einer US-Tour verlassen, doch dann überlegte er es sich anders und erlebte die erfolgreichste Phase von Oasis. Später kündigte er an, dass er niemals mehr Konzerte außerhalb von Großbritannien spielen würde und ließ den Rest der Band allein auf einer Welttournee zurück. Doch immer kam er zurück.
So könnte es trotz des gespannten Verhältnisses der Brüder auch dieses Mal sein. Allerdings hat sich die Situation verändert: Noel hat sich musikalisch und stimmlich weiterentwickelt, er braucht seinen Bruder nicht mehr so dringend. Liam Gallagher hingegen hat nun ein ernstes Problem. Die Vorstellung, dass er, das einzig verbliebene Gründungsmitglied, Oasis mit anderen Musikern weiter am Leben erhält, ist grotesk. Wenn er schlau ist, wird er das erkennen und alles für eine Versöhnung tun.
Wenn die gelingt, vielleicht nach ein bisschen medienwirksamer Koketterie auf beiden Seiten, werden die Fans aus dem Häuschen sein und die nächsten Konzertkarten und Platten noch schneller kaufen. Wenn nicht, sollte sich Noel auf seine Solokarriere konzentrieren, und Liam dafür sorgen, dem Renommee der Band keinen Schaden zuzufügen. Wenn man an den Ruf von Oasis in der Nachwelt denkt, wird klar: Die plötzliche Implosion ist vielleicht das Beste, was der Band passieren konnte.
bla/news.de