Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Er wollte endlich mal keine Parodie drehen. Ein Abenteuerfilm ist die Zeichentrick-Adaption Wickie und die starken Männer geworden. Doch Regisseur Michael «Bully» Herbig hätte gut daran getan, auf seine alten Blödeleien zu verzichten.
Es ist kein Geheimnis, dass Trailer von Komödien oft schon die witzigsten Stellen verraten. Wer den Schrecklichen Sven (Günther Kaufmann) und seinen Adjutanten Pokka (Christoph Maria Herbst) in der Vorschau zu Wickie und die starken Männer im Ruderboot sitzen sieht, der könnte einen Film mit echtem Witz vermuten: Kaufmann macht sich am einen Ende breit und Herbst weist am anderen mit seinem unvergleichlichem Timing darauf hin, dass er so mit den Rudern nicht ins Wasser komme. Zumindest in Hinsicht Witz ist Enttäuschung beim kompletten Film allerdings vorprogrammiert.
Wickie (Jonas Hämmerle), ein für sein Volk eher untypisch ängstlicher Wikingerjunge, ist der einzige, der übrig bleibt, als sein Heimatdorf Flake einem Überfall und alle Kinder einer Entführung zum Opfer fallen. Zusammen mit seinem Vater und Wikingerboss Halvar (Waldemar Kobus) machen er und die anderen Männer des Dorfes sich auf die abenteuerliche Suche nach den Entführten.
Die Handlung hat Herbig, der auch an dem Drehbuch des Films mitgearbeitet hat, eng an die bekannte Zeichentrickserie aus den 1970ern angelehnt. Wickie-Fans werden vieles wiedererkennen: Das typische Nasereiben, bevor Wickie eine Idee hat zum Beispiel. Und die Ideen selbst, wie die, als er einen Baum als Katapult verwendet, um gegen seinen Vater im Steineschleppen zu gewinnen.
Als Abenteuerfilm funktioniert Wickie und die starken Männer gut. Manchmal wünscht man sich zwar, Herbig wäre ein bisschen mutiger gewesen, ein bisschen weniger ehrfürchtig vor dem Originalmaterial («Das hat sich eingebrannt in das Gehirn meiner Generation»). So wirkt es bieder und ist bei weitem nicht auf dem Stand des technisch Machbaren, wenn die Sterne hinter Wickies Kopf comicartig flimmern, sobald er eine Idee hat. Auch sind Trickelemente zu sparsam eingesetzt, als er, zwei Delfine als Antrieb nutzend, auf zwei Brettern übers Meer Wasserski fährt. Aber wenn man Günther Kaufmann, der den Schrecklichen Sven großartig spielt, in seinem Kostüm sitzen und die Augen fies funkeln sieht, ist das wieder vergessen.
Was dem Film jedoch komplett abträglich ist, ist seine übertriebene Komik. Herbig flicht in die allein durch ihre Figuren bereits sehr amüsante Geschichte Blödeleien ein, die man seit der Bullyparade viel zu oft gesehen hat. Was in Parodien wie Der Schuh des Manitu oder (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 noch unterhaltsam gewesen sein mag, passt beim aktuellen Film einfach nicht in die Szenerie.
Fremdkörper im Film ist auch die Nebenrolle, die Herbig selbst übernimmt: Congaz, der Journalist vom spanisch-königlichen Depeschendienst begleitet die Wikiner und kommentiert verschiedene Situationen. Congaz ist für die Geschichte nicht notwendig, geschweige denn seine Auftritte zwischen den verschiedenen Teilen des Abspanns. Gut, dass der Film da schon zu Ende ist.
So richtig weg von der Parodie kommt Michael «Bully» Herbig also auch mit seinem aktuellen Kinowerk nicht. Sieht man davon ab oder ist gar ein sehr großer Fan der Komik des Münchners, ist Wickie und die starken Männer ein durchaus unterhaltsamer Familienfilm.
Titel: Wickie und die starken Männer
Darsteller: Jonas Hämmerle, Waldemar Kobus, Nic Romm, Günther Kaufmann, Christoph Maria Herbst, Michael «Bully» Herbig
Regie: Michael «Bully» Herbig
Länge: 85 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Start: 9. September 2009
Leider muss ich dem Artikel voll und ganz Recht geben. War erst gestern aus Spass an der Freude auch in diesem Film von Bully. Zwar hatte man so seine kleinen Lachmomente, aber ich empfand Bullys Nebenrolle eher irritierend als wirklich passend witzig. Die Umsetzung der einzelnen Charakter passte dafür sehr gut. Dort war der Wiedererkennungswert sehr hoch und machte Freude sich die altbekannten Figuren in Real zu betrachten. Alles im Allen hatte wohl Bully selbst und auch ich als Zuschauer zu hohe Erwartungen in seine dritte Verfilmung gesetzt, aber es ist denkbar schwer die beiden Vorgänger zu topen.
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