Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Ein Bestseller kommt: In Italien sind nahezu eine Millione Exemplare verkauft. Warum? Das Buch gibt Lebenshilfe und beruhigt das Gewissen all jener, die nach ihrem Weg im Leben suchen, weil auch der Protagonist dafür eine lange Reise machen muss.
Michele ist ein typischer Junggeselle, ein wenig verschroben, aber eigentlich ganz sympathisch. Abends trifft er sich am liebsten mit Federico, seinem Freund seit Kindertagen auf der Piazza. Gemeinsam haben die beiden eine Menge erlebt, aber nun hängt die Freundschaft immer stärker am Faden der Vergangenheit - so sehr sich Michele auch müht, es mit Alkohol und Partys zu überspielen.
An einem Samstagabend feiern sie jedoch nicht wie gewöhnlich. Federico ist nicht in Stimmung, rätselt stattdessen über den Sinn ihres bisherigen Lebens: «Ich bin achtundzwanzig und lebe in der Illusion des Straßenbahnführers», der nur eines könne: bremsen und beschleunigen. Die Richtung ist durch die Gleise vorgegeben. «Gymnasium, Uni, Arbeit, Heirat, Kinder, Endstation! Am Ende bestimmen wir nur, wie viel Zeit wir dafür brauchen.»
Federico beschließt aus der Straßenbahn auszusteigen und die Fäden seines Lebens selbst in die Hand zu nehmen. Michele findet am anderen Tag nur einen Zettel vor. Federico ist weg. Allein zurückgeblieben, stürzt Michele sich in die Eroberung von Francesca, doch das Ende der Romanze ist vorbestimmt. Michele ist nicht reif für eine feste Beziehung, weiß nicht, was er von seinem Leben erwartet – bis Federico wieder auftaucht und ihn wachrüttelt.
Michele beschließt endlich einfach loszufahren. Der Selbstfindungstrip führt ihn in Situationen und stellt ihn vor Fragen, die den meisten Menschen nicht fremd sind. Autor Fabio Volo lässt Michele einen einfachen Weg ins Glück beschreiten, für den sich Menschen westlicher Industrienationen aber nur schwer entscheiden können. Einfach alles hinter sich lassen? Job? Sicherheiten?
Stellenweise mutet das Buch fast an wie eine Heilslehre. Durch die spitzbübisch erzählten Anekdoten rutscht es aber nie unrettbar in dieses Genre ab. Es ist ein einfaches, ehrliches Buch, das dem Leser viel Freude machen wird. Volo erzählt vom Glück des minimalistischen Lebens, lässt seinen Helden auf den Kapverdischen Inseln wie durch Fasten zu Klarheit gelangen. Natürlich gibt es ein Happy End und so viel sei verraten: Ein Leben als Straßenbahnfahrer wird Michele nie mehr führen.
Titel: Einfach losfahren
Autor: Fabio Volo
Verlag Diogenes
Hardcover, 288 Seiten
Preis: 19,90 Euro