Von news.de-Mitarbeiter Michael Bauer
Eine Pop-Diva steht wieder auf: Whitney Houston wagt nach vielen Skandalen die Rückkehr ins Rampenlicht. Doch die schweren Zeiten haben auch musikalisch Spuren hinterlassen.
Selbst ihre treuesten Fans dürften nicht mehr so richtig daran geglaubt haben: Whitney Houston meldet sich nach mehr als sieben Jahren mit einer neuen CD zurück. Nach unzähligen privaten Krisen schien die Karriere der US-Sängerin für immer beendet. Doch Houston hat sich wieder gefangen, ihr Leben in Ordnung gebracht: Unter die Achterbahn-Ehe mit Bobby Brown zog die 46-Jährige bereits 2007 einen Schlussstrich. Auch von den Drogen hat sie sich endgültig verabschiedet, so heißt es.
Schon seit einigen Monaten rührt Houston die Werbetrommel für ihr großes Comeback, bei dem sie wohl nichts dem Zufall überlassen will: Für ihr nunmehr siebtes Studioalbum verpflichtete Whitney mit Diane Warren, R. Kelly, Nate «Danja» Hills, Akon, Swizz Beats und David Foster nur Top-Namen der amerikanischen Songwriter- und Produzentenriege. Auch ihr Entdecker und Mentor Clive Davis stand ihr bei den Aufnahmen zu I Look To You wie gewohnt zur Seite. Da konnte eigentlich nichts schief gehen. Oder etwa doch?
Das Hauptproblem: Wer so lange pausiert hat, muss mit einem Paukenschlag zurückkommen. Das erwartet man gerade im Falle eines ehemaligen Superstars wie Houston: Sie zählte in den 1980ern und 1990er zu Recht zu den besten Pop-Sängerinnen der Welt und kann auf zeitlose Hits wie One Moment In Time und I Will Always Love You zurückblicken. Leider schafft es Whitney aber weder stimmlich, noch mit dem neuen Songmaterial an ihre alten Erfolge anzuknüpfen.
Bestes Beispiel ist die erste Single Million Dollar Bill aus der Feder von Alicia Keys. Die Nummer groovt soulig im 1970er-Jahre-Soundgewand, enttäuscht aber mit einer langweiligen Melodie und kommt ganz ohne gesangliche Herausforderungen aus. Etwas besser geht der Synthie-Pop-Titel Nothin’ But Love ins Ohr. Doch hier stören vor allem die Plastikbeats von der US-Chartsstange. Unter solchen leidet auch der griffige R’n’BTrack Call You Tonight. Immerhin lässt sich bei dem Song endlich Houstons früheres Timbre erahnen. Allerdings fehlt es unüberhörbar an der bewährten Kraft und dem Ausdruck in ihrer Stimme.
Beim Titelsong I Look To You wird es dann ganz deutlich: Selbst wenn Whitney zum finalen Refrain alles gibt, ihre alte Power erreicht sie nicht. Sie ist und bleibt eine gute Sängerin, doch ihre Stimme wirkt angeraut und vom Leben gezeichnet. Das bestätigt sich beim selbstbewussten I Didn`t Know My Own Strength. Die klassisch produzierte Piano-Streicher-Ballade zählt dennoch klar zu den besseren Songs auf dem Album, gerade weil sie an Whitneys frühere Hits erinnert. Ziemlich belanglos plätschert dagegen Like I Never Left dahin, das gemeinsame Duett mit Akon. Mit I Got You hat der Sänger und Produzent seiner berühmten Kollegin aber noch einen chartstauglichen Ohrwurm auf den Leib geschrieben.
Ein weiterer Single-Anwärter ist sicherlich das hymnische A Song For You, das wie der Klassiker I Will Survive ruhig beginnt und dann plötzlich zum Disco-Kracher mutiert. Allerdings nerven einmal mehr die abgenutzten Dance-Beats aus dem Baukasten. Lediglich beim gemäßigten Salute und dem Clubstampfer For The Lovers scheppert die elektronische Drumbox ganz erträglich und passt gut zu den Songs. Beim überflüssigen Albumfüller Worth It ist das penetrante «Bumm-Bumm-Klapp» aber schließlich ausgereizt.
Ein musikalischer Paukenschlag gelingt Whitney Houston also bei weitem nicht. Ihr Comeback-Versuch könnte dennoch erfolgreich verlaufen, denn er scheint bestens organisiert: Am 3. Oktober schaut Whitney bei Wetten dass..? in Freiburg vorbei. In Großbritannien wird sie als Stargast in der erfolgeichen Castingshow The X-Factor auftreten und US-Talk-Königin Oprah Winfrey freut sich bereits auf ein großes TV-Interview mit der auferstandenen Pop-Diva. So viel Promo müsste Wirkung zeigen!
Künstler: Whitney Houston
Album: I Look To You
Label: Sony Music
Erscheinungsdatum: 28. August 2009
ihre stimme ist immer noch genau so toll wie sie war. sie ist nur älter geworden!!!! sie ist 46 und keine 20 mehr.....
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