Der NDR hat seine Fernsehspielchefin Doris J. Heinze suspendiert, bald soll sie fristlos gekündigt werden. Ihr wird vorgeworfen, ihrem Mann Auträge für Drehbücher zugeschanzt zu haben, die dieser unter falschem Namen geschrieben haben soll.
Der NDR bestätigte eine entsprechende Meldung der Süddeutschen Zeitung. Nach Angaben des Senders räumte Heinze bereits ein, dass ihr Ehemann in den Jahren 2001 bis 2009 über zwei Produktionsfirmen insgesamt fünf Drehbuchaufträge für Fernsehfilme erhielt. Dem NDR gegenüber sei der Ehemann unter dem Pseudonym Niklas Becker aufgetreten. Vier der Drehbücher seien verfilmt und abgerechnet, ein fünfter Drehbuchauftrag sei in Rechnung gestellt worden.
NDR-Intendant Lutz Marmor erklärte, der Fall sei gravierend und müsse vollständig und umfassend aufgeklärt werden. Der Sender habe nach ersten Hinweisen der Süddeutschen Zeitung eine «intensive Prüfung eingeleitet». Die Ergebnisse hätten «keine andere Wahl gelassen, als uns von Frau Heinze zu trennen».
In NDR-Presseheften wurde eine offenbar erfundene Biografie des Autors Becker veröffentlicht, in der es unter anderem heißt: «Niklas Becker wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach seinem Studium der Publizistik und der Kunstgeschichte arbeitete er zunächst als Übersetzer, Journalist und Filmkritiker. Seit 1986 lebt er in Amsterdam und Montreal (...).»
Doris J. Heinze selbst nannte die Zeitung «eine Art Ikone des Fernsehspiels». Neben den Tatort-Kommissaren unterstanden ihr demnach auch der Polizeiruf 110. Außerdem habe ihr Ressort jedes Jahr mehr als ein Dutzend Fernsehfilme zum Programm der ARD beigesteuert.
Marmor erklärte, gegen unlauteres Verhalten gebe es keinen absoluten Schutz. «Sobald wir in diesem konkreten Fall Hinweise erhalten hatten, haben wir unverzüglich eine intensive Prüfung eingeleitet.» Er habe die Revision des NDR mit der vollständigen und umfassenden Aufklärung des Sachverhalts beauftragt.
Vier der Drehbücher von Heinzes Ehemann seien von der zur MME Moviement AG gehörenden Münchner AllMedia Pictures GmbH verfilmt und mit dem NDR abgerechnet worden, hieß es vom Sender. Laut SZ habe das Management angeordnet, dass der Vertrag der mit der Heinze-Produktionen beschäftigten Mitarbeiterin bei AllMedia mit sofortiger Wirkung ruhen solle. Eine weitere Mitarbeiterin wurde bis auf weiteres von ihrer Tätigkeit freigestellt.
ham/mas/bla/news.de/ap/dpa