Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Waris Dirie mit ihrer Biografie Wüstenblume für Furore sorgte. Nun kommt der Stoff auf die Leinwand. Doch das Tabu Genitalverstümmelung ist längst gebrochen. Was also will der Film erreichen?
Es war der Tag, der ihr Leben veränderte. Waris Dirie war fünf Jahre alt, als man ihr mit primitivsten Werkzeugen Klitoris und Schamlippen entfernte. Das Mädchen erlitt Höllenqualen, aber sie überlebte. Ihre beiden Schwestern hatten weniger Glück. Die eine verblutete kurz nach der Verstümmelung, die andere starb während der Schwangerschaft mit dem Baby im Bauch.
Als Dirie den Bräuchen ihres Nomadenstammes entsprechend im Alter von 13 Jahren mit einem Mann, der ihr Großvater hätte sein können, zwangsverheiratet werden sollte, floh das Mädchen. Über Mogadischu, die Hauptstadt ihres Heimatlandes Somalia, landete Waris schließlich in London und avancierte Jahre später zu einem der bekanntesten internationalen Supermodels.
Die Geschichte von Waris Dirie machte Schlagzeilen, als die damals 32-Jährige ihre Biografie veröffentlichte. Wüstenblume wurde in kürzester Zeit ein internationaler Bestseller und hat sich bis heute weltweit mehr als elf Millionen Mal verkauft. Doch bei dem Buch ging es nie so sehr um Verkaufszahlen. Auch die moderne Aschenputtelgeschichte – vom afrikanischen Nomadenmädchen zum Topmodel – war nur ein Randaspekt.
Viel wichtiger war der Skandal, den Wüstenblume auslöste. Mit der Thematisierung der weiblichen Genitalverstümmelung brach Waris Dirie ein jahrhundertelanges Tabu. Menschenrechtsorganisationen stürzten sich auf sie ebenso wie die Politik. Dirie wurde noch im Jahr der Veröffentlichung (1997) UN-Sonderbotschafterin gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien, 2002 gründete sie die Waris Dirie Foundation. Es folgten etliche Kampagnen für die Rechte der Frauen, Dirie veröffentlichte drei weitere Bücher und wurde mit zahlreichen Verdienstorden ausgezeichnet.
Nun kommt der Stoff, der damals für so viel Furore sorgte, in die Kinos. Sherry Horman, amerikanische Regisseurin und Drehbuchautorin, nahm sich der Geschichte Diries an. Der Film konzentriert sich vor allem auf das Leben der erwachsenen Waris (Liya Kebede), wie sie sich als illegale Einwanderin in London durchschlägt und schließlich von dem berühmten Modefotografen Terry Donaldson (Timothy Spall) entdeckt wird.
Doch immer dann, wenn es in ihrem Leben ein einschneidendes Erlebnis gibt, erinnert sich die junge Frau an ihre Kindheit in der Wüste Somalias, an die Verstümmelung und wie sie schließlich auf der Flucht tagelang ohne Nahrung und Wasser umher irrte. In diesen Momenten offenbart sich dem Zuschauer der krasse Gegensatz zwischen den traumhaften, beinahe schon romantisch anmutenden Landschaftsaufnahmen und dem harschen, bisweilen äußerst brutalen Leben der Nomanden.
Auch der kulturelle Schock, den Dirie nach ihrer Flucht nach London durchlebt, lässt sich anhand der Bilder aus der hektischen Metropole gut nachvollziehen. Überhaupt wirkt der Film sehr realistisch, was nicht zuletzt an der Besetzung liegt. Hormann verzichtete bewusst auf große Stars, mit denen sich die Geschichte so nie getragen hätte. Einer Halle Berry hätte man die Rolle einfach nicht abgekauft.
Auch auf melodramatische Tränendrüsen-Momente oder entwürdigende Bilder wurde bei der Verfilmung verzichtet. Als die fünfjährige Waris dem grausamen Verstümmelungsritual unterzogen wird, hört man nichts weiter als das Schreien eines verängstigten Kindes und sieht nur ihre entsetzten Augen. Und das Blut auf dem Stein.
Die größte Frage, die man sich wohl stellen muss, ist die nach dem Warum. Welche Informationen kann der Film noch vermitteln, die das Buch, die unzähligen Kampagnen zum Thema Genitalverstümmelung nicht schon geliefert haben? Die Antwort lautet leider: keine. Der Name Waris Dirie ist seit der Erscheinung von Wüstenblume untrennbar mit dem Tabu verknüpft, das aber schon längst keines mehr ist. Auch mehr als ein Jahrzehnt später wird der Film kaum eine ähnliche Welle der Entrüstung auslösen oder erneut für Furore sorgen können.
Es wird einfach nur ein Kinofilm wie jeder andere sein. Mit einer rührenden Geschichte, einem bisweilen mitleiderregenden Schicksal und irgendwie auch einem Happy End. Man wird das Kino mit einem leicht mulmigen Gefühl verlassen, danach mit Freunden in die nächste Kneipe gehen und das Thema schnell wieder vergessen.
Titel: Wüstenblume
Regie: Sherry Hormann
Hauptdarsteller: Liya Kebede, Soraya Omar-Scego, Sally Hawkins, Timothy Spall, Juliet Stevenson, Anthony Mackie
Spielzeit: 120 Minuten
Kinostart: 24. September 2009
isku hayaan xitaa makartaan wana walal somaliada kuligeed waxan layabay ilaa noqoweysay laba wiill isladhalatay marakii isdiileen taas ayaan rumeysan weyay wana lagayaabaa in ey kadhacdo somalia waxa makartaan ileen wa isla wada dhasheen bire mit iladhashay markaan dilo waxa nasoo weraraa itopia sidebaan iskiiiga celiyaa ileen walakeygii iladagalima lahaa wan dily marka yaa iladagalamayo wax gartoo wax iskutara walayaal somaliyeed wax mafataan niila fahasiye moyee wax is kufala walayaal intaas ayaa ugubaxay walayaal wax is kufala wa marlabaat walayaal baaaaaaaaaaaaaaaay
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