Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Er ist Regisseur, Produzent, Drehbuchschreiber, Schauspieler, Synchronsprecher - und er liebt diese Rollen, inszeniert sich medienwirksam als Allround-Talent. Michael «Bully» Herbig ist selbst die beste Werbefigur für seinen neuen Film Wickie und die starken Männer.
Im Internetauftritt von ProSieben findet sich ein Relikt: Michael «Bully» Herbig steht da, der Spitzname des Komikers und früheren Gastgebers der Bullyparade in Anführungszeichen. Inzwischen sind die aus jedem Vor- und Abspann, von jedem Filmplakat verschwunden: Bully, wie Michael Herbig nach eigener Aussage seit seiner Schulzeit genannt wird, ist eine Marke und der Bully-Film ihr Produkt. Keine Anführungszeichen, kein «so genannt».
Herbig spielt bei diesem Produkt die entscheidende Rolle: Er ist Regisseur, Produzent, Drehbuchschreiber, Schauspieler, Synchronsprecher. «Auch wenn's mir niemand glaubt: Ich bin eigentlich Autorenfilmer», sagte er einmal in einem Interview. Das glauben ihm zumindest die Filmkritiker wirklich nicht: «Witzfreier Humor, der zwischen Geschmack- und Niveaulosigkeit angesiedelt ist» schreibt beispielsweise das Lexikon des internationalen Films über Erkan & Stefan, bei dem Herbig 1999 Regie führte.
Mit der Karl-May-Parodie Der Schuh des Manitu hat er sich trotz durchwachsener Kritiken ein Denkmal gesetzt: Rund zwölf Millionen Zuschauer in Deutschland, fast zwei in Österreich, 62 Millionen Euro Einnahmen an den Kinokassen. Kein deutscher Film hat je mehr geschafft. Selbst Winnetou-Darsteller Pierre Brice, der die Komödie grundsätzlich ablehnt, lobte die Regiearbeit Herbigs, der natürlich auch die Hauptrolle übernahm. Eine Doppelrolle.
Constantin Film, der Verleih von Der Schuh des Manitu, zehrt auch beim aktuellen Herbig-Film Wickie und die starken Männer von der Marke Bully. «Bully ist der totale Filmemacher, der bei seinem Film alles kontrolliert, bis er wirklich perfekt ist. Er ist ein Allround-Talent», sagt Martin Moszkowicz, Constantin-Vorstand für Film und Fernsehen endlich, als er auf der Berliner Pressekonferenz zu Wickie und die starken Männer mehrmals aufgefordert wurde, etwas über die Arbeitsweise, die Perfektion Herbigs zu erzählen. Auch Jörg Moukadamm, der Wikinger Faxe spielt, erinnert sich: «Ungefähr 25 Mal musste ich am Set ‹Mmh, lecker› sagen. Und zu keinen Zeitpunkt konnte ich das so ausdrücken, wie Bully es wollte. Da sind wir fast dran gescheitert.»
Bully, der Perfektionist unter den Filmemachern. Bully, der nicht nur Regie führte, das Drehbuch schrieb und eine Nebenrolle spielt, sondern in diesem Fall auch das Casting übernahm: Unter 4400 Bewerbern suchte er in der ProSieben-Show Bully sucht die starken Männer Darsteller für sechs Wikinger-Rollen. Er fand sie, alles Talente natürlich. Experiment des Perfektionisten Herbig geglückt.
Der gefällt sich in seiner Rolle. In Berlin posiert er für die Journalisten neben seiner Wachsfigur, kopiert sich ansatzlos selbst in Gesichtsausdruck und Haltung. «Ich muss zu meiner Entschuldigung sagen», setzt Bully an, seine Perfektionistenrolle zu unterstreichen «der Film, den Sie heute gesehen haben, der ist noch nicht fertig.» Im Schneideraum werde noch gefeilt.
Ob auch einmal an einem ernsten Bully-Film gefeilt wird? «Ich finde, das hier ist eine sehr ernste Angelegenheit», witzelt er und beantwortet die Frage nicht mit dem Satz: «Für mich ist Wickie ein ganz smarter Genrewechsel. Ich bin von der Parodie gekommen und jetzt habe ich mich in die Abenteuerkomödie reingemogelt. Aber es sollte immer etwas zu lachen geben.» Ein freundliches Nicken. Thema Ernsthaftigkeit abgeschlossen. Weiter geht es mit Blödeleien über den spanischen Journalisten Congaz, den Herbig sich auf den Leib und in den Film geschrieben hat, ohne dass es die Geschichte nötig gehabt hätte. «Congaz ist spanisch und heißt ‹mit Sprudel›», akzentuiert Herbig vor Journalisten, ganz in seiner Rolle und erntet Lacher.
Am Ende wirft er Überraschungseier in die Journalistenmenge. Inhalt: er selbst. Neun Figuren der Helden des Filmes sind in diesem Herbst Inhalt der Schokoeier. «Ich wollte schon immer eine Ü-Ei-Figur sein», befeuert Herbig die Maketingaktion. Man glaubt es ihm sofort.
voc/news.de