Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Hohenfelden
Rund eine Million Zuschauer konnten Maximo Park in diesem Sommer bei Festivals live erleben. Beim Highfield sprach Sänger Paul Smith mit news.de über seine Eindrücke, die deutschen Fans und die Zukunft der Band.
Wo sind Sie heute morgen aufgewacht?
Smith: In meiner Koje im Bus, irgendwo auf der Autobahn. So wie meistens in den vergangenen Wochen.
Kein Wunder: Maximo Park spielen quasi bei jedem bedeutenden Event der Festivalsaison. Sieht so Ihre Idealvorstellung von Sommerferien aus?
Smith: Ich kann mir natürlich auch Urlaub am Strand vorstellen. Aber bisher war es ein sehr schöner Sommer. Wir machen genau das, was wir machen wollen. Ich brenne immer noch darauf, abends auf der Bühne zu stehen und den Leuten eine tolle Show zu liefern.
Was war der tollste Festival-Moment in diesem Sommer?
Smith: Es gab viele. Wir haben das Glastonbury-Festival eröffnet. Das war ein tolles Erlebnis. Unglaublich viele Leute wollten uns sehen, und die 1500 Fans, die es ins Zelt geschafft haben, sind völlig ausgeflippt. Von solchen Momenten in seiner Karriere träumt man. Auch an das Benicassim in Spanien werden wir noch lange denken: Es gab einen Sturm, alles wurde abgesagt. Wir mussten schnell von der Bühne und sogar unsere Instrumente zurücklassen. Dann konnten wir am nächsten Abend doch noch spielen - und die Fans waren unglaublich dankbar.
Und wo wollen Maximo Park nie wieder auftreten?
Smith: Ein wenig schwierig war das Taubertal-Festival in Rothenburg. Das Publikum dort wollte wohl richtig harte Musik - und die Reaktion auf unseren Auftritt war sehr seltsam. Umgekehrt war es beim Open Flair in Eschwege. Dort hatten wir gar nicht viel erwartet, wurden aber begeistert empfangen. Das war eine sehr positive Überraschung.
In Deutschland werden Maximo Park als typisch englische Band wahrgenommen. Dabei nennen Sie als Vorbilder fast nur Bands, die nicht aus Großbritannien kommen wie Sonic Youth, Pavement oder die Go-Betweens. Wie kommt das?
Smith: Das kann ich mir auch nicht erklären. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir ein bisschen als Außenseiter gelten. Manche Leute sagen auch, ich sei exzentrisch. Und Beides gilt ja als typisch britisch. Aber wir wollen nicht unsere Heimat repräsentieren. Wir wollen mit unserer Musik einfach das ausdrücken, was uns gerade beschäftigt, wofür wir gerade stehen.
Beim aktuellen Album Quicken The Heart scheint das vor allem der Rhythmus zu sein. Alles hat ein bisschen mehr Beat.
Smith: Das ist eine gute Zusammenfassung. Wir sind eine Popband und haben bei jedem Album versucht, eine Facette von Maximo Park zu betonen. Wir wollen mitreißend sein, aber auch hintergründig. Und bei Quicken The Heart kam unsere Groove-Seite stärker zum Vorschein. Zum Beispiel beim Song Haven't Seen Her in Ages war das so. Das Lied war fertig und ist, so hoffe ich, auch ganz eingängig geworden. Aber irgendetwas fehlte noch. Und dann haben wir einen neuen Rhythmus ausprobiert. Das funktionierte ganz wunderbar - und ist zum verbindenden Element auf dem Album geworden.
Wohin soll nun die Reise gehen? Das bisherige Konzept der Band wirkt nach dem dritten Album ausgereizt.
Smith: Das sehe ich auch so. Das nächste Album sollte sicher stärker von seinem Vorgänger unterscheiden als das bisher bei uns war. Das soll nicht heißen, dass ich unzufrieden mit unserer Entwicklung oder dem jetzigen Sound bin. Aber ich möchte nicht, dass wir uns wiederholen. Ich war immer beeindruckt von Leuten, die neue Formen gesucht haben, um sich auszudrücken, wie Talk Talk oder Radiohead. Daran möchte ich mich orientieren. Aber ich weiß nicht, ob der Rest der Band das auch so sieht.
Gibt es Streit innerhalb der Band über die neue Richtung?
Smith: Nein. Es gibt verschiedene Ideen, aber wir haben noch nicht wirklich darüber geredet. Dafür ist es zu früh. Ich sammle die ganze Zeit Material für das nächste Album: Melodien, Texte und Akkordfolgen. Ich habe vielleicht 90 Minuten zusammen. Was daraus wird, werden wir diskutieren, wenn wir wieder im Studio sind.
Wann wird es denn neues Material geben?
Smith: Ich würde mir diesmal gerne mehr Zeit lassen. Wir haben unser eigenes Studio in Newcastle eingerichtet. Wenn es nach mir geht, sollten wir dort intensiv an einem neuen Sound arbeiten, bevor wir dann mit einem passenden Produzenten die nächste Platte aufnehmen. Wir müssen sehen, was für uns gut funktioniert und welche neuen Ideen wir unter einen Hut bringen können. Mit unserem nächsten Album will ich Maximo Park neu erfinden.
ruk/news.de