Der Streit bleibt
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Der Plan klang nach historischer Versöhnung: Der Axel Springer Verlag wollte zur Aussprache mit seinen einstigen Gegnern aus den 1968ern laden. Verlagschef Döpfner sagte nun ab, gab den früheren Studenten die Schuld. Diese wehren sich.
Die damaligen Akteure hätten das Gesprächsangebot «leider zurückgewiesen und damit die Chance zur erneuten Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und der der damaligen Gegner vertan», sagte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner. 1968 hatten sich Studenten zu einem ersten «Springer Tribunal» gegen den Verlag getroffen. Sie warfen den Springer-Zeitungen vor, mit «hetzerischen» Berichten zur Gewalteskalation beigetragen zu haben. Das Treffen im Herbst sollte eine Neuauflage des Tribunals mit Vetretern beider Seiten werden und die Geschichte aufarbeiten.
Die Tagung sollte die Rolle der Verlagsblätter und anderer Publikationen sowie der Akteure der Studentenbewegung prüfen. Döpfner hatte jüngst die «68er» aufgefordert, sich bei Springer für ihre Angriffe von damals zu entschuldigen. Man habe seinem Haus Unrecht getan. Während der Studentenproteste war Springer immer wieder Ziel von Demonstrationen. Am Gründonnerstag 1968 brannten dort Lieferfahrzeuge, Glastüren und Fenster wurden zerschlagen.
Er bedauere sehr, dass sein Interesse an einem ernsthaften Dialog nicht erwidert worden sei, betonte Döpfner. Dazu hätten auch ausdrücklich die journalistischen Fehler gehört, die der Springer-Verlag damals gemacht habe. Auch der Initiator der Neuauflage des Springer-Tribunals, der Chefredakteur der Welt-Gruppe Thomas Schmid, zeigte sich enttäuscht.
Abgesagt hatten einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zufolge unter anderen der Freund und Weggefährte von Rudi Dutschke, Christian Semler, sowie der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und der Schriftsteller Peter Schneider.
Die Absage Springers führt nun zu neuem Streit zwischen alten Feinden. Die vom Verlag Beschuldigten wehren sich gegen den Vorwurf des Desinteresses. «Das Ganze erscheint mir eher als Versuch des Springer-Konzerns, sich reinzuwaschen», begründet Schriftsteller Schneider in der FAZ seine Absage. Der Initiator des Tribunals, Welt-Chefredakteur Thomas Schmid wettert in einem Kommentar über das «armselige» Verhalten und die «klägliche Verweigerungshaltung» eines Kollektivs der «Neinsager».
Gegen diese Vereinnahmung als Kollektiv wehren sich Schneider, Semler und Cohn-Bendit auf Spiegel Online: Schließlich könne und wolle keiner der «versprengten Aktivisten» von damals «als Gesamt-68er im Hause Springer Rede und Antwort stehen.» Springer-Kritiker wie Ex-Stern-Redakteur Manfred Bissinger oder der Undercover-Journalist Günter Wallraff waren zu dem als internes Treffen geplanten Tribunal offenbar gar nicht eingeladen worden.
ped/juz/news.de/dpa
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