Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Ein Gericht soll im Oktober erlauben, was Google schon lange tut: Bücher ohne Zustimmung der Rechteinhaber zu scannen und über Googles Book Search kostenlos anzubieten. Microsoft, Amazon und Yahoo haben sich nun einer Allianz dagegen angeschlossen.
Der Deal wurde lange und zum Teil auch gerichtlich verhandelt und ist seit vergangenem Jahr perfekt: US-Autorenverbände und Verleger erlauben Google, Bücher ohne Zustimmung der Rechteinhaber zu scannen und über Google Book Search kostenlos (gemeinfreie Werke) oder gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Werbegelder, die Google damit akquiriert, will der Konzern mit den Urhebern der Werke teilen. Weil dieser exklusive Deal möglicherweise gegen den Sherman Act, der die Marktmacht einzelner Unternehmen beschränkt, verstößt, beschäftigt sich inzwischen ein New Yorker Gericht damit. Die Entscheidung soll Anfang Oktober fallen, das US-Justizministerium will Mitte September schon Stellung nehmen.
Gegen die von Google erwartete, von Experten inzwischen jedoch bezweifelte, gesetzliche Zustimmung zum Bücherdeal hat sich eine Allianz gebildet, der nach Berichten des Wall Street Journals (WSJ) nun auch Microsoft, Yahoo und Amazon angehören. Der Softwareriese und die Suchmaschine haben das bereits bestätigt, Amazon schweigt noch. Kommende Woche jedoch sollen die neuen Mitglieder vorgestellt werden. Die Gruppe, der amerikanische Autoren und Journalisten sowie eine Büchereiorganisation angehören, will nicht gerichtlich gegen Google vorgehen, sondern dient laut WSJ nur der Koordination des Protestes.
In den meisten Punkten, in denen es im weitesten Sinne ums Kopieren geht, sind urheberrechtliche Bedenken offensichtlich angebracht. Die Argumente aber bleiben ohne Wirkung und werden die Streitfälle gerichtlich zunächst wettbewerbsrechtlich angefochten. «Das war in Fragen der Mode so, dass ist in Deutschland jetzt zum Beispiel immer häufiger in Streitigkeiten um gestohlene Fernsehformate so», sagt Rechtsanwalt Christoph Frey. Und das scheint auch im Falle von Googles Bücherdienst so zu sein: Microsoft, Yahoo und besonders Amazon haben freilich kein Interesse an einer marktbeherrschenden Stellung Googles im Vertrieb von Büchern. Urheberrechtlich gibt es jedoch schon lange Kritik an dem Dienst.
Der deutsche Buchhandel kritisiert die Teilnahme auch von deutschen Bibliotheken – beispielsweise der Bayerischen Staatsbibliothek – an dem von Google geschlossenem Deal. Dem Internetkonzern würde das Zugang zu Millionen von Titeln ermöglichen würde, die ohne Zustimmung der Rechteinhaber verwendet würden. Dies sei eine klare Urheberrechtsverletzung, Abkommen hin oder her, sagte Jessica Sänger von der Rechtsabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der Online-Ausgabe des österreichischen Standard.
Google betont gebetsmühlenartig, dass man das Urheberrecht uneingeschränkt respektiere. «Wir digitalisieren Werke, bei denen das Urheberrecht verwirkt ist», erklärt beispielsweise der Pressesprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, für den deutschen Ableger des Buchdienstes. Der Deal in den USA, wonach auch urheberrechtlich geschützte Werke eingescannt werden können, habe keine Auswirkung auf Werke, die außerhalb der USA publiziert würden. Die Kritik nehme man ernst und versuche, ihr «mithilfe von aufklärenden Informationsmaßnahmen entgegenzuwirken.»
Genau diese Informationen vermissen viele, die in dem Prozess gern mitreden würden. Die Autoren zum Beispiel. Erst gestern ist beim New Yorker Gericht, das sich mit dem Google-Deal beschäftigt, eine weitere Beschwerde eingegangen. In der heißt es, dass potentiell Millionen von Autoren in der ganzen Welt zur Annahme der Vereinbarung genötigt werden könnten, ohne genau über deren Folgen informiert worden zu sein.
Überhaupt ist einer der größten Kritikpunkte an Googles Bücherdienst die Art und Weise, wie der Konzern ihn auf den Weg gebracht hat. «Die bisherige Praxis von Google, einfach erst mal Bücher einzuscannen und später erst die Autoren um Erlaubnis zu fragen, wird auf Dauer überhaupt nicht funktionieren», bemängelt der Fachjournalist Peter Welchering im Deutschlandfunk. Das hehre Ziel von Google, Bücher auf der ganzen Welt zu digitalisieren und Wissen grenzenlos verfügbar zu machen, halten viele Experten für eine tolle Sache. Nur reden solle der Suchmaschinenkonzern darüber mit denen, die an dieser tollen Sache beteiligt sind.
bla/news.de