Sa., 26.05.12

Hochauflösendes Fernsehen 15.07.2009 HDTV bei Privaten nur für Geld

HDTV (Foto)
Wer scharfes Fernsehen will, muss bei RTL und Vox Geld hinlegen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach

Bald geht das schärfere Fernsehen (HDTV) auf Sendung, doch nicht für alle. Hauptsächlich Satellitenhaushalte werden von den besseren Bildern profitieren – und dafür auch, außer bei ARD und ZDF, monatlich Geld bezahlen müssen.

Bis zu fünfmal schärferes Bild, knackige Farben, unglaubliche Tiefe - wer einmal hochauflösendes Fernsehen gesehen hat, ist begeistert. Doch der Weg zum digitalen Fernsehen ist für den Zuschauer beschwerlich. So wird nur ein kleiner Teil der Wohnzimmer das neue Fernsehen empfangen können. HDTV kommt hauptsächlich über die Satellitenschüssel. Wer einen Kabelanschluss hat, ist von der HDTV-Entwicklung größtenteils abgeschnitten. Einzige Ausnahme ist der regionale Kabelanbieter Kabel BW, der jedoch nur in Baden-Württemberg zu buchen ist.

Doch auch wer eine Satellitenschüssel auf dem Dach hat, muss mit Problemen rechnen. Das bislang Unangenehmste: Nur ARD und ZDF werden kostenlos zu empfangen sein. Wer die gewohnten Programme von RTL und Vox superscharf sehen möchte, wird dafür eine monatliche Gebühr bezahlen müssen. Wie viel der Satellitenzuschauer letztlich für die neue TV-Welt bezahlen muss, verraten die Verantwortlichen noch nicht. Bisher haben sich nur die beiden RTL-Sender zu dieser Strategie bekannt, andere Kanäle beobachten die Entwicklung aufmerksam. Losgehen soll es am 1. September 2009.

André Prahl, Verantwortlicher für die HDTV-Entwicklung bei RTL Deutschland, ist überzeugt davon, dass die Zuschauer die Gebühr für das schärfere RTL- und Vox-Programm bezahlen werden. «HDTV mit seiner Schärfe und Farbbrillianz bietet einen sichtbaren großen Mehrwert für den Zuschauer», begründet der TV-Manager.

Die Gebühr geht nicht direkt auf RTL und Vox zurück – bekommen wird das Geld der Satellitenbetreiber SES Astra. Das Luxemburger Unternehmen vermietet seine Satelliten an die TV-Sender. Und das ist teuer: Die Frequenzen sind knapp, die Ausstrahlung eines Kanals teuer. Um das hochauflösende Fernsehen zum Erfolg zu führen, will der Satellitenbetreiber so viele HD-Sender wie möglich bündeln. HD Plus heißt das Projekt, bei dem SES Astra und die Sender ihre Zuschauer an den Kosten beteiligen wollen.

«Bezahlfernsehen ist ein heißes Pflaster, aber irgendwann kommen wir darum nicht mehr herum», sagt Alexander Ritter, Marketingtrainer beim Receiverhersteller Humax. Humax baut die Boxen, die man für den Empfang von digitalen Fernsehen, auch für HDTV, braucht. Ritter sieht aber auch einen sehr geringen Spielraum: «Die Kosten dürfen sich jedoch nur im einstelligen Eurobereich bewegen, und HD Plus und muss geschickt eingeführt werden.»

Wie ungern deutsche Fernsehzuschauer Geld für Technik ausgeben, mussten SES Astra und die Receiverhersteller bereits schmerzhaft erfahren. Schon vor ein paar Jahren ist man in Deutschland mit einem ähnlichen Versuch gescheitert. Damals sollten die Kunden auch eine monatliche Gebühr für die Privatsender bezahlen, die sie bislang kostenlos empfangen konnten. Das Resultat: Tonnenweise Elektroschrott, da die Empfangsboxen nicht gekauft wurden.

«Diesmal gibt es einen entscheidenden Unterschied», verteidigt RTL-Manager Prahl das Bezahlprojekt, «HDTV ist ein völlig neues Produkt.» Der gescheiterte Versuch war nur ein «Ergänzungsprodukt», HDTV hingegen werde ein «Ersetzungsprodukt». Will heißen: HDTV wird zahlungsbereite Liebhaber finden, weil es mehr als das bisherige Fernsehen bietet.

Der Flachbildfernseher wird aktuellen Schätzungen der GfK zufolge bis zum Jahresende in 17,5 Millionen deutschen Haushalten stehen. Damit wird jeder zweite Haushalt einen der großen flachen Fernseher besitzen, die das hochauflösende Fernsehen darstellen können. Jährlich kommen sechs Millionen weitere dazu. Doch mit dem Fernseher ist es nicht getan: Um die scharfen Bilder zu empfangen, braucht es den Umweg über eine spezielle Empfangsbox, die nochmal mindestens 100 Euro kostet.

Bislang haben sich deutsche Zuschauer geweigert, für HDTV Geld zu bezahlen. Der Pay-TV-Sender Premiere hat drei Jahre lang versucht, hochauflösendes Fernsehen gegen Bezahlung zu etablieren, bisher mit wenig Erfolg. Nun versucht der Bezahlsender, die Nachfrage mit einem breiteren Angebot anzukurbeln. Nach der Umbennung in Sky können Satellitenzuschauer jetzt sechs anstatt wie bisher zwei HDTV-Sender buchen.

Doch auch das könnte sich als nutzlose Mühe erweisen, falls ein weiteres Problem nicht gelöst wird: Bislang konnten sich Sky und SES Astra für ihre getrennten HDTV-Angebote nicht auf eine technische Verbindung einigen. Sollte dies so bleiben, wird der TV-Zuschauer sehr frustriert sein. Denn er braucht zwei Empfangsboxen mit zwei Fernbedienungen. Umständlicher geht es nicht: Wer von einem Sky-Sender auf das hochauflösende RTL umschalten möchte, muss eine zweite Fernbedienung nehmen, den zweiten Receiver einschalten, den TV-Eingangskanal wechseln und dann auf RTL schalten. «Das wäre der absolute Super-GAU für die Entwicklung von HDTV», schimpft ein Marktinsider.

Da dies nicht im Interesse der Nutzer, der Sender und der Hersteller ist, drängen nun alle auf eine Einigung. Der RTL-Manager Prahl fordert SES Astra und Sky dazu auf, sich zu einigen. Dabei legt er seine Hoffnungen auf eine kurze technische Bezeichnung: CI Plus. Dabei handelt es sich um einen kleinen Schlitz an den Empfangsboxen, über die ein zweites Verschlüsselungssystem samt Zugangskarte in den Receiver gesteckt werden kann.

Doch auch hier gibt es Probleme: Weil sich noch gestritten wird, ob CI Plus zum Beispiel Aufnahmen auf eine im Receiver integrierte Festplatte erlaubt oder nicht, gibt es noch keinen festen Starttermin. «Keiner hat sich bislang fest für CI Plus entschieden, über Lippenbekenntnisse geht das bislang nicht hinaus», drückte ein Marktinsider die Unsicherheit aus. Deswegen warten einige Hersteller wie Humax und Toshiba noch ab. Metz und Loewe hingegen haben angekündigt, ihre Fernseher vor dem Weihnachtsgeschäft mit CI Plus auszustatten. Vorausgesetzt, der Standard steht bis dahin. «Wir sind da flexibel.»

Die Hürden für HDTV sind noch hoch, auch wenn RTL-Manager Prahl meint, dass «der gordische Knoten endlich durchschnitten ist.» Ganz so weit ist es noch nicht, aber die Branche hofft nun auf die Signalwirkung, die der HD-Start von ARD und ZDF entfalten soll. Wie in den vergangenen Jahren auch wird es über Satellit noch ein paar Probeläufe geben. Die Leichtathletik-WM wird testweise in HD übertragen, und auch im Rahmen der Internationalen Funkausstellung und zu Weihnachten wird das ARD-Programm hochauflösend ausgestrahlt. Richtig los geht es dann im Februar 2010 mit den Olympischen Winterspielen.

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