Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Fernsehen im Bus oder der Straßenbahn? Was bislang in Deutschland ein Flop war, will die Telekom nun doch noch zum Erfolg führen. Das Tor zur mobilen TV-Welt soll nun der Bundesligafußball aufschießen – für iPhone-Neukunden ein Jahr kostenlos.
Ab August startet die Telekom ihren Bezahlsender Liga Total mit den Livespielen der Bundesliga und der 2. Bundesliga auch auf dem Handy. Wer sich ein iPhone kauft, bekommt das Paket ein Jahr lang kostenlos dazu, ansonsten werden für das Angebot nach einem Testmonat 4,95 Euro monatlich oder 1,95 Euro pro einzeln gebuchtem Tag fällig. Kündbar ist der Vertrag jeden Monat. Wer sich das hochauflösende Fußballprogramm für sein Wohnzimmer gesichert hat, darf das Handyangebot auch ein Jahr kostenlos testen.
Alles was man tun muss, ist, sich aus dem AppStore ein zusätzliches Programm herunterzuladen. Alternativ wird es das Angebot auch für die Android-Handys geben, also das G1 und das im August erscheinende G2. In einem weiteren Schritt soll der Bundesligafußball via UMTS auch auf Netbook- und Notebookdisplays rollen.
Neben den Livespielen gibt es noch kostenpflichtige Zusammenfassungen der Spiele und einen Liveticker. Da die Bundesligaprofis unter der Woche selten in den Stadien gegeneinander antreten, hat die Telekom auch weitere Sendungen aus den Bereichen Nachrichten, Sport, Musik, Comedy, Trickfilme und Serien im Angebot.
Das mobile Fernsehen hat die Telekom demnach noch nicht abgeschrieben, vor allem, nachdem das Handy-TV in Deutschland gescheitert ist. Eigentlich sind die UMTS-Handynetze für die TV-Ausstrahlung nicht optimal geeignet. Das Problem: Man befindet sich in einer Mobilfunkzelle, die nur eine bestimmte Übertragungskapazität hat. Die vorhandene Bandbreite müssen sich alle teilen, die in dieser Zelle telefonieren, surfen oder eben fernsehen. Schauen viele Menschen gleichzeitig fern, können Übertragungsprobleme oder kompletter Stillstand die Folge sein.
«Wir haben Sorge getragen, dass es nicht zu Ausfällen kommen wird», verspricht der T-Mobile-Manager Thomas Heilen. Dazu will T-Mobile einen Trick anwenden. Wer einmal das Programm schaut, wird nicht unterbrochen, sagt Heilen. Werden die Kapazitäten eng, können neue Zuschauer das TV-Angebot nicht mehr einschalten, sie müssen sich dann mit dem Liveticker zufriedenstellen.
Sollte es dennoch zu Engpässen kommen, wird es für die Telekom wohl problematisch. Denn wer für die Sendungen bezahlt, wird sich sehr ärgern, wenn er seinen Lieblingsverein nicht sehen kann. Auch ist nicht geklärt, was passiert, wenn jemand im Bus eine Sendung sieht und dabei von einer UMTS-Zelle in die nächste fährt. Wenn diese Zelle schon am Limit ist, dürfte das Spiel wohl doch unfreiwillig unterbrochen werden.
Eigene Rundfunklösungen für das mobile Fernsehen wie DVB-H hätten dieses Problem nicht: Denn die Daten werden über eine Antenne dauerhaft und flächendeckend ausgestrahlt, egal, wie viele Leute das Programm sehen. Doch die bessere Technik muss sich nicht immer durchsetzen. DVB-H ist vor allem an den Fangseilen des deutschen Rundfunkföderalismus gescheitert.
Auch das terrestrische digitale Fernsehen DVB-T kann auf Mobilgeräten genutzt werden - aber nicht lange. DVB-T-Übertragungen saugen den Akku allzuschnell leer und somit ebenfalls wenig praktikabel derzeit.
Mobilfernsehen ist also ein freies Feld, das die Telekom nun bestellen möchte. Und einen Vorteil hat die UMTS-Technik für die eingefleischten Fußballfans: Nicht nur die Konferenzschaltung, sondern auch alle Einzelspiele können über das Handy abgerufen werden – wie am Receiver auch.
kab/voc