Zeitgemäße Konkurrenz für Last.fm
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 14.07.2009Illegale Downloads, sinkende Plattenverkäufe: Das neu gegründete Last.fm traf 2002 den Zeitgeist, bot legale Musik per personalisiertem Radio. Passend zum 2009er Zeitgeist liefert das Musikportal Steereo Titel und Alben wann und wo immer der Hörer will.
«Musik ist nicht länger ein Produkt, sondern ein Service», sagt der deutsche Musiktheoretiker Gerd Leonhard und meint, nicht der Besitz von Musik auf physischen Tonträgern oder der Festplatte sei entscheidend, sondern deren zeitlich und örtlich unabhängige Verfügbarkeit. Wenn das stimmt, trifft Steereo den Zeitgeist 2009. Auf dem neuen Musikportal des Holtzbrinck-Verlages können Nutzer nach Alben und Titeln suchen und sie umstandslos anhören, teilen, in Wiedergabelisten speichern – wann immer und so oft sie wollen.
Das unterscheidet das Portal vom Branchenprimus Last.fm, wo Musik nicht direkt gewählt, sondern in verschiedenen Genre-Radios zufällig abgespielt wird. «Ansonsten schwimmen wir alle im gleichen Becken. Das sehe ich aber auch gar nicht als schlimm an», sagt Alexander Kolisch, Geschäftsführer der Holtzbrinck-Tochter Grassroot Media, die Steereo betreibt. «Der Markt ist noch nicht der größte, aber er ist einer mit der größten Perspektive.»
Holtzbrinck ist an vielen Fronten im Web aktiv, betreibt unter anderem das soziale Netzwerk studiVZ. «Da geht das Thema Musik natürlich nicht an uns vorbei», meint Kolisch. Man habe geschaut, welche Neuerungen es am Markt gab und was noch fehlte. «Parallel dazu entwickelte sich mehr und mehr ein konkretes Bild davon, wie so ein Musikprodukt aussehen sollte.»
Steereo sieht tatsächlich so aus, als habe Holtzbrinck in den vergangenen Monaten genau hingeschaut, was mit Musik im Netz geht und wie es zu finanzieren ist. Nach Genres geordnet können sich Nutzer durch die Künstler klicken, zu jedem gibt es wie bei Last.fm eine kurze Biografie. Alben und Konzertkarten können im angeschlossenen Shop gekauft werden. Geld wird außerdem über Werbung verdient, die zum Beispiel vor dem Anhören jedes Albums abgespielt wird.
Auch wenn Steereo seit dem Wochenende für alle ansurfbar ist, ist die Seite noch im Beta-Status. «Wir sind noch weit weg vom fertigen Produkt, wie wir es uns vorstellen», sagt Kolisch. So würde es beispielsweise noch einige Wochen dauern, bis alle Musiktitel hochgeladen seien. Welche Musik auf Steereo zu hören ist, sei unabhängig vom Genre. Kolisch nennt Steereo ein «digitales Plattenregal, das gleichberechtigt und demokratisch ist.» Die Bestenlisten und Charts, bestimmen die Hörer, die sich Favoriten und Wiedergabelisten in ihrem Profil speichern können.
Der alte Youtube-Traum vom unbekannten Künstler, der ohne Label und nur per Community berühmt wird, ist ein reizvoller Gedanke, findet Kolisch. «Wahrscheinlich hat das noch nie wirklich geklappt. Aber wenn das ein Künstler auf Steereo schaffen würde, wäre das natürlich eine fantastische Geschichte.»
Ob die Steereo-Geschichte vom etablierten Musikportal fantastisch wird, hängt wohl auch davon ab, wie die Zusammenarbeit mit den Nutzer-Magneten aus dem eigenen Hause, den VZ-Portalen, funktioniert. «Eine Kooperation liegt natürlich nahe, soziale Netzwerke und Musik funktionieren offensichtlich sehr gut zusammen», sagt auch Kolisch. «Es gibt aber keinerlei Stallregie, man muss nicht Partner werden. Das ist im Moment auch überhaupt noch kein Thema.» Wenn es einmal dazu käme, dann nur auf Augenhöhe.
Das Selbstbewusstsein ist gerechtfertigt, immerhin hat es Steereo vor Spotify auf den deutschen Markt geschafft. Die Streamingsoftware hat erst kürzlich bei den Techcrunch Europe Awards abgeräumt und wird Musik ebenfalls unkompliziert zum Anhören anbieten. Das ist neben dem des Radioanbieter Last.fm das entscheidende Feld, auf dem sich Steereo im Jahre 2009 beweisen muss.
voc
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