Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Nach «Ali G» und «Borat» schickt der britische Komiker Sacha Baron Cohen nun «Brüno» auf die Leinwand. Als schwuler Celebrity-Reporter mischt er die Vereinigten Staaten auf, um dort der berühmteste Österreicher seit Hitler zu werden. Ob ihm das gelingt, ist aber eher zweitrangig.
Die Geschichte des Filmes ist schnell erzählt: Der schwule Reporter Brüno verliert seinen Job als Moderator von Funkyzeit, einer Modeshow in Österreich, weil er eine Mailänder Modenschau sabotiert. Er flieht nach Los Angeles mit dem Ziel, der berühmteste Österreicher seit Hitler zu werden. Als ihm dies nicht gelingt, lässt er sich von Schwulengegnern zum Heterosexuellen bekehren, was er jedoch nicht lange durchhält. So ist er am Ende des Filmes weder berühmt noch heterosexuell, aber dafür frisch verliebt in seinen Assistenten Lutz.
Das Verhalten aller bisherigen Cohen-Figuren war zweifelsohne politisch und moralisch nicht korrekt. Ob Ali G oder Borat, beide sind sexistisch, schwulen- und frauenfeindlich und antisemitisch. Und auch Brüno schockiert, kennt keine Tabus und Grenzen: Er strippt auf einem Wrestling-Event, provoziert mit seinem afrikanischen Adoptivkind in Talkshows («Ich habe ihm einen typisch schwarzen Namen gegeben: O. J.»), versucht Jäger in der Wildnis für Sex and the City zu begeistern, belegt einen überaus komischen Selbstverteidigungskurs gegen Dildo-Angreifer und legt eine wilde Liebesnummer mit seinem Assistenten vor Hunderten angewiderter Zuschauer hin.
Brüno ist ein Spielfilm, der bewusst die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischt. Der Zuschauer ist sich nie sicher, welche der Szenen mit eingeweihten Prominenten beziehungsweise Schauspielern gedreht wurden und welche realen Personen Brüno hinters Licht geführt hat. Etwa wenn Brüno in Hotpants und Hut durch Jerusalem läuft und es zu Jagdszenen mit aufgebrachten Passanten kommt. Oder wenn die Sängerin Paula Abdul in einer unmöblierten Villa auf mexikanischen Gartenarbeitern Platz nehmen und Sushi von dem nackten Körper eines älteren Herrn essen soll.
Aber was will Komiker Cohen alias Brüno uns damit sagen? Diese Frage ist schwer zu beantworten, lässt er den Zuschauer doch recht verwirrt im Kinosaal zurück. Sicherlich will er ihn zum Lachen bringen. Was ihm aber nur bedingt gelingt, weil Cohen die Figur zu stark überzeichnet. Ganz gleich, wie provozierend oder lächerlich Brüno agiert, er bleibt für den Zuschauer immer nur eine fiktive Figur, die einfach nicht real sein kann.
Beschäftigt sich der Zuschauer aber mit Cohens Humorstil, dem er seit Ali G und Borat treu geblieben ist, erfährt er, dass der Komiker so provozierend auftritt, um seinen Interviewpartnern und Zuschauern die Hemmungen zu nehmen, ihre eigenen Vorurteile zur Schau zu stellen. Cohen will, dass sich die Kinobesucher über das schwule Treiben Brünos amüsieren, was ihm vor allem in Amerika die Kritik eingebracht hat, sein Film sei schwulenfeindlich. Aber nicht die Homosexuellen will Cohen lächerlich machen, sondern die Leute, die fähig sind zu glauben, dass Schwule wirklich so sind. Doch auch wenn der Film intelligent gemacht ist, wird es Cohen nicht gelingen, jeden Zuschauer zum Lachen zu bringen – zumindest in Europa nicht. Denn vielleicht liegt die Rätsels Lösung darin, dass Amerika, wo Homosexuelle noch einen schwereren Stand haben, diesen Film nötiger hat als wir.
Titel: Brüno
Regisseur: Larry Charles
Hauptdarsteller: Sacha Baroon Cohen, Gustaf Hammarsten, Clifford Bañagale
Spielzeit: 83 Minuten
Produktionsland: USA