Von Nada Weigelt und Carla S. Reissman
Millionen vor den Bildschirmen und im Internet, Zehntausende im Staples Center und bei Public-Viewing-Events: Fans, Familie und Künstler haben Abschied von Michael Jackson genommen. Wo er nun beigesetzt wird, ist noch geheim.
Mit einer bewegenden Trauerfeier, die von Fernsehsendern weltweit übertragen wurde, verneigten sich Weltstars am Dienstag in Los Angeles in Achtung, Liebe und Respekt vor dem King of Pop - ungeachtet aller Spekulationen, die sich um das Leben und den Tod der Pop-Legende ranken. Die Familie hatte zuvor in aller Stille dem Sänger ein letztes Goodbye gesagt. Die Zeremonie galt schon vorab als eines der größten Ereignisse der Fernsehgeschichte.
Die letzte Ruhestätte von Michael Jackson bleibt (noch) ein Geheimnis. Nach der Trauerfeier in Los Angeles wurde der Leichnam des «King of Pop» an einen unbekannten Ort gebracht.
Ein emotionaler Höhepunkt war der Auftritt von Jacksons elfjähriger Tochter Paris-Michael Katherine, die sich als letzte Rednerin an die Trauergäste wandte und unter Tränen erklärte, ihr «Daddy» sei der beste Vater gewesen, den man sich vorstellen könne. Den Gästen im Staples Center wurde ein goldenes Programmheft mit zahlreichen Fotos des Verstorbenen ausgehändigt.
«Michael war der größte Star auf Erden», sagte Hip-Hop-Diva Queen Latifah unter dem Jubel der 20.000 Gäste im Staples Center. Der über und über mit roten Rosen bedeckte Goldsarg stand während der mehrstündigen Feier vor der in blaues Licht getauchten Bühne, umrahmt von einem Blumenmeer. Seine Kinder Prince (12), Paris (11) und Blanket (7) saßen mit ihrer Großmutter Katherine in der ersten Reihe. Als zum Auftakt der Andrae Crouch Gospelchor das Lied Soon and Very Soon sang, wurde ein riesiges, lichtdurchflutetes Kirchenfenster an die Rückwand projiziert.
Popstar Mariah Carey sang mit Trey Lorenz den Hit I'll Be There, mit dem Jackson gemeinsam mit seinen Brüdern als Jackson Five seine beispiellose Karriere begonnen hatte. Sein Bruder Jermaine widmete ihm sichtbar bewegt Charlie Chaplins Trostlied Smile. Der blinde Sänger und Jackson-Freund Stevie Wonder sagte: «Das ist ein Augenblick, von dem ich mir gewünscht hätte, dass er nie kommt.»
Als Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson den Michael-Jackson-Song Will You Be There vortrug und am Schluss Original-Teile des Lieds mit Jacksons Stimme eingespielt wurden, kämpften zahlreiche Zuschauer um Fassung. Den Tränen nahe war auch US-Schauspielerin Brooke Shields. Michael Jackson habe sie in ihrer langjährigen Freundschaft immer wieder an die Geschichte vom Kleinen Prinzen erinnert, sagte Shields.
«Michael hat es nie zugelassen, dass ihn die Welt von seinen Träumen abbrachte», sagte der Bürgerrechtler Al Sharpton, der seit Jahren mit der Familie befreundet ist. «Er kämpfte dagegen, andere Menschen seine Grenzen bestimmen zu lassen.» Der Geistliche Lucious Smith erklärte: «Wir erinnern uns an diesen Mann und an alles, was er der Welt während eines halben Jahrhunderts an Liebe gebracht hat.»
Zum Auftakt der Veranstaltung hatte US-Sänger Smokey Robinson Abschiedsgrüße von Soul-Diva Diana Ross und dem südafrikanischen Anti-Apartheidkämpfer und ehemaligem Präsidenten Nelson Mandela verlesen. «Michael war ein Gigant und eine Legende im Musikgeschäft», ließ Mandela übermitteln, «meine Frau und ich trauern mit Millionen Menschen in der Welt.» Von Diana Ross hieß es: «Michael war meine Liebe - ein wunderbarer Teil meines Lebens.»
Die Ränge im Staples Center hatten sich schon lange vor Beginn der Veranstaltung gefüllt. Jacksons Familie und Freunde saßen in den ersten Reihen. Über der Bühne prangte zeitweise ein Bild des King of Pop mit der Aufschrift «In Loving Memory» (In liebevollem Gedenken). Weitere Gäste waren Basketballstar Kobe Bryant, Motown-Gründer Berry Gordy sowie Martin Luther King III, der Sohn des ermordeten gleichnamigen US-Bürgerrechtlers.
Jacksons langjährige Vertraute Elizabeth Taylor nahm an der Veranstaltung nicht teil. «Ich bin gebeten worden, im Staples Center zu sprechen. Ich kann nicht Teil dieses öffentlichen Traras sein», schrieb sie im Kurzmitteilungsdienst Twitter. «Ich liebe ihn zu sehr.»
Die Sender rechneten mit mehreren hundert Millionen Zuschauern. Auch einige deutsche Fernsehsender hatten für den King of Pop ihr Programm umgestellt, weltweit wurde die Trauerfeier zudem live im Internet übertragen. Dutzende Kinos in den USA luden zu einem Public Viewing ein. In Deutschland konnten Fans unter anderem in der Berliner Arena O2 World das Ereignis verfolgen.
An der privaten Trauerfeier auf einem Prominentenfriedhof in den Hügeln Hollywoods zwei Stunden vor der großen Feier hatten nur die engsten Angehörigen und geladene Gäste teilgenommen. Medien waren nicht zugelassen. Auf dem Forest Lawn Friedhof ist neben vielen Hollywood-Größen auch Jacksons Großmutter beerdigt.
Im Anschluss wurde der Sarg in einem Leichenwagen zur berühmten Veranstaltungsarena im Zentrum von Los Angeles gebracht. Der Konvoi wurde von einer Sonderkommission der Polizei begleitet und von Hubschraubern aus der Luft verfolgt. Die Stadtautobahn war für den Transport komplett gesperrt - erstmals in der Stadtgeschichte, wie es hieß.
Einige Angehörige Jacksons, darunter seine Schwester LaToya und der Bruder Randy, waren schon in der Nacht auf dem Friedhof eingetroffen. Am Morgen fuhr eine ganze Kolonne schwarzer Limousinen auf dem hermetisch abgeschlossenen Friedhof vor und parkte vor der Trauerhalle Hall of Liberty. Dann wurden die Türen geschlossen.
Zur offiziellen Trauerfeier zwei Stunden später waren nur 17.500 Fans zugelassen, die ihre Tickets per Lotterie bekommen hatten. 11.000 durften in das Staples Center, die anderen 6500 sollten die Feier auf Video-Leinwänden in einem gegenüberliegenden Theater verfolgen. 9000 Karten hatte die Jackson-Familie für geladene Gäste reserviert. In Berlin versammelten sich mehrere tausend Menschen in der Halle O2 World, um der Trauerfeier zu folgen. Auch andernorts fanden öffentlich aufgebaute Leinwände großen Zuspruch.
In Los Angeles sperrte die Polizei das Gelände um die beiden Veranstaltungsorte seit Mitternacht großräumig ab. Damit sollten Fans ohne Eintrittskarten ferngehalten werden. Die Rechnung ging offenbar auf: Statt des befürchteten Ansturms von bis zu einer Million Besuchern fanden sich nach Angaben des TV-Senders Fox nur etwa 50.000 Fans rund um die Absperrungen ein. Das Hotel- und Gaststättengewerbe erwartete ein Einnahmeplus von mindestens vier Millionen Dollar.
Unzählige Fans machten die Stadt schon am Vorabend zur großen Abschiedsbühne für ihr Idol, viele waren noch bis zur letzten Sekunde verzweifelt auf der Suche nach Karten. Laut New York Post wurden die Tickets auf dem Schwarzmarkt für bis zu 25.000 Dollar (17.800 Euro) angeboten. Dennoch berichteten Augenzeugen von einer «heiteren und positiven Stimmung».
Die Kosten für den Sicherheits- und Organisationsaufwand rund um das Mammutspektakel muss aller Voraussicht nach die ohnedies mit der Wirtschaftskrise kämpfende Stadt Los Angeles tragen. Die amtierende Bürgermeisterin Jan Perry sagte, sie würde sich freuen, sollte sich die Familie an den Kosten beteiligen. Bisher hätten die Behörden jedoch noch nichts in diese Richtung gehört.
Auch an anderen Orten haben Millionen Menschen Michael Jacksons gedacht. Schon viele Stunden vor Beginn der eigentlichen Trauerfeier nahmen Fans am anderen Ende der Welt Abschied vom King of Pop, der vor knapp zwei Wochen überraschend gestorben war. In Japan, Australien, Hongkong, Malaysia und selbst in Birma gab es Veranstaltungen zu Ehren des 50-jährigen Künstlers. Auch in Deutschland fanden, etwa in Berlin oder Frankfurt, Trauerveranstaltungen mit tausenden Besuchern statt.
bla/seh