Umgehungsstraßen für die Datenautobahn
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 03.07.2009Stellen Sie sich vor, das Bundesverkehrsministerium würde direkt neben die A9 eine weitere Straße bauen, die auch von Berlin nach München führt, allerdings kurviger ist und sogar Ampeln hat. «Schwachsinn», rufen Sie? Genau das passiert derzeit im Internet.
412 Jahre würde es dauern, sich alle Videos auf Youtube nacheinander anzusehen. Eine Million Videos werden am Tag abgespielt, behauptet Plattformbetreiber Google. Youtube ist damit die am besten ausgebaute und wohl meist frequentierte Datenautobahn für Musik und Filme.
Auf der neuen Plattform Talenthouse.com sollen Künstler genau das selbe tun: ihre Musik, Filme oder Fotos zeigen – wie bisher auf Youtube oder Flickr, nur ohne direkte Verlinkungen. Sie sollen sich austauschen und zu gemeinsamen Projekten verabreden – wie bisher auf MySpace oder Facebook. Nur ohne ein übersichtliches Profil und Echtzeitchats.
Talenthouse.com ist in bester Gesellschaft unter den Startups. Oft scheinen technische Machbarkeit oder der aktuelle Trend darüber zu entscheiden, welche Angebote entwickelt werden. Die vorhandene Infrastruktur des Netzes wird dabei entweder mit einem lieblosen Bookmark-Link bedient oder komplett ignoriert. Auffällig ist das besonders bei Sozialen Netzwerken: Der technische wie finanzielle Aufwand ist spätestens seit den Baukastencommunities à la Mixxt oder Tribax so gering, dass inzwischen lange nach der Nische gesucht werden muss, für die es noch kein Soziales Netzwerk gibt.
Im Grunde ist daran nichts falsch. Das Netz kann wunderbar mit immer kleineren Nischen und immer heterogeneren Zielgruppen umgehen: Auf Kommunikationsnetzwerken wie Facebook oder Twitter tummeln sich Menschen unterschiedlichster Coleur. Per Profil oder Account kann beinah jede denkbare Zielgruppe dort erreicht werden, wo sie sowieso schon ist. Sie so für ein eigenes Angebot zu begeistern, ist durchaus denkbar. Aber auch nur solange, wie das Angebot nicht die schlechtere Alternative ist. Was aktuell häufig der Fall ist.
mik/bla
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