Keine Zielgruppe ohne Community
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 26.07.2008Die Würfel sind eigentlich gefallen: Communityriesen wie Xing, studiVZ und Facebook streiten allein um den größten Teil des Nutzerkuchens. Trotzdem bleibt kaum eine noch so kleine Nische unbesetzt. Ein eigenes Netzwerk wünschen sich viele, selbst für abwegige Themen.
Geht es nach den Machern sozialer Netzwerke, sind die Deutschen nämlich ein überaus kommunikatives Volk. Ob Weintrinker, Wanderer oder Feuerwehrmann – jeder will sich angeblich auf einem perfekt auf ihn zugeschnittenen Portal mit Gleichgesinnten austauschen. Sogar Blutspender, wie Friedrich-Ernst Düppe, Presseprecher des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), glaubt. «Unsere Spender sind sehr kommunikativ», sagt er und hat deswegen das soziale Netzwerk blutspender.net gestartet.
Profil, Fotoalbum, Freundesliste – blutspender.net bietet an, was Pflicht ist. Außerdem können Blutspendetermine deutschlandweit eingesehen und im eigenen Kalender geplant werden.Verabredungen zum Blutspenden sind laut Düppe Usus unter den zwei Millionen DRK-Spendern. 2000 von ihnen wollen diese seit dem Start vor zwei Wochen nun auch online planen.
Neben der Unterstützung aktiver Blutspender geht es Düppe auch darum, die Botschaft «Spende Blut» zu transportieren. «Dazu nutzen wir Wege, die heute einfach modern sind», sagt er. Diese Haltung kennt Daniel Langwasser gut. Als Chef von Langwasser Media berät er Unternehmen in Sachen Communities. «Viele Kunden, die zu mir kommen, haben gehört, dass soziale Netzwerke ein Trend, ein großer Markt sind. Die suchen dann intensiv nach einer Zielgruppe, die noch nicht bedient wird und wollen dazu eine Community gründen.»
Dabei funktionieren erfolgreiche Communities genau anders herum: Zielgruppe und Netzwerk sind schon da, die technische Umsetzung online erweitert lediglich das, was bisher analog schon stattfand. «Deswegen funktionieren Netzwerke für Tierfreunde so gut: Die Menschen haben sich schon immer täglich und intensiv mit ihren Tieren auseinandergesetzt und waren in Vereinen organisiert», sagt Langwasser.
Auf Schützenhilfe aus den bestehenden Vereinsstrukturen des DRK hofft auch Düppe für blutspender.net und will das Netzwerk über die Ortsverbände bekannt machen. Langwasser glaubt trotzdem nicht, dass das funktioniert. «Mit Blutspenden beschäftige ich mich nur sehr selten, nämlich dann, wenn das Spenden ansteht. Da muss ich nicht mehrmals in der Woche Zeit auf einem Portal verbringen.»
Dabei kann sich der Community-Experte durchaus vorstellen, dass es grundsätzlich Bedarf gibt, sich im Internet über Blutspende auszutauschen. «Statt ein eigenes Netzwerk zu gründen, können diese Leute beispielsweise über eine Gruppe bei Xing oder Facebook angesprochen werden.»
Asymmetrisches Communitymanagment nennt Langwasser das.
Sein Beispiel für Erfolg: Dell. Die Computerfirma verbesserte den Ruf ihres schlechten Kundendienstes mithilfe fremder Foren und Blogs. Dort suchte sie nach Problemen von Dell-Nutzern und bot Lösungen an. Mit solchen Vorschlägen sorgt Langasser oft für Fragezeichen in den Gesichtern seiner Kunden. «Wer schon eine klare Vorstellung hat: Soviel kostet mich die Netzwerk-Technik, soviel die Betreuung – der lässt sich von seinem Plan selten abbringen.»
Auch für das DRK kam Derartiges nicht in Frage. «Wir wollen kein Anhängsel eines anderen Netzwerkes sein, sondern selbst entscheiden, was wir den Spendern bieten und welche Qualitätsmaßstäbe wir an Dinge wie Datenschutz setzen», erklärt Friedrich-Ernst Düppe. In etwa einem halben Jahr sollen alle zwei Millionen DRK-Blutspender über das Netzwerk informiert sein. Wie viele er sich davon auf seinem Portal erhofft, verrät er nicht.
bla
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