Sa., 26.05.12

«Die Superlehrer» 15.06.2009 Auch Superlehrer sind nur Menschen

Superlehrer in Aktion (Foto)
Superlehrer im Einsatz. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Über miese Bildung spricht jeder. Sat1 hat daraus ein Dokutainmentformat gestrickt, das - wenig überraschend - alle Negativklischees bedient. Dabei sind «Die Superlehrer» nicht ganz realitätsfern. Aha-Effekte bleiben allerdings aus.

Regeln kennen sie nicht. Und Druck nur, weil sie ihn selbst ausgeübt haben. Doch genau das soll sich für 16 Berliner Problemschüler im Fernsehen ändern – so zielgerichtet, dass sie einen Hauptschulabschluss machen können. Dass das nicht ganz ernst zu nehmen ist, lässt das Intro à la Daily Soap vermuten.

Erst auf den zweiten Blick erweist sich dieser Eindruck, immer schön untermalt von der Pink-Floyd-Liedzeile «We don't need no education», als fehlerhaft. Was Sat1 über den Sender schickt, ist ein Schnelldurchlauf von Momentaufnahmen, die sich täglich an deutschen Schulen abspielen.

Allerdings pickt sich der Privatsender erwartungsgemäß die Negativbilder heraus: Die einen dürfen sich an der Tafel vor dem Rest der nicht Besseren blamieren. Der Macho darf in den ersten 30 Minuten sein Frauenbild über den Sender schicken und schon nach der ersten Werbepause droht einer Schülerin der Rausschmiss.

Die Superlehrer haben bis dahin nicht viel geschafft, außer der Kamera optimistisch zu verraten, dass das Ziel zu erfüllen hart, aber trotzdem zu schaffen sein wird. Dabei ist der Boden der Realität noch nicht ganz verloren: Sat1 lässt ohne Zweifel durchblicken, dass sich lange gehegte Gewohnheiten nicht auf Anhieb durchbrechen lassen. Nicht vor der den Augen der Fernsehöffentlichkeit - und auch nicht von einem Superlehrer. Die sind auch nur Menschen.

Da taucht trotz Verbot das Handy im Unterricht auf, wird während des wenig erfolgreichen Mathetests fröhlich Small Talk mit den Hintermännern geführt, und der Lehrer ist Zielscheibe schülerischen Unterverständnisses. Wie kann der «Klassenbespaßer» auch verlangen, das Kuscheln mit der Banknachbarin einzustellen? Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen erweist sich dabei, dass der Krawall und die Null-Bock-Haltung der Pennäler erreicht, was Ziel war: die Lehrer zum Wutausbruch zu treiben.

Zwischendurch kommen auch die Eltern zu Wort, die längst aufgegeben haben, ihre Sprösslingen hängen ließen und scheinbar ahnungslos sind, warum der Nachwuchs zum Versager wurde. Selbstreflexion gehört eben nicht ins Fernsehen. Dafür aber Persönlichkeitsstriptease.

Streitbar ist und bleibt allerdings, dass das Experiment Hauptschulabschluss unter kontrollierten Bedingungen verläuft: Die Problemschüler sind alle in der gleichen Klasse, sie haben vier Lehrer, die sich gleichzeitig um sie bemühen und obendrein eine Sozialpädagogin, die Mittlerin zwischen Bildungskämpfern und Bildungsverlierern spielt. Ein Luxus, der an kaum einer deutschen Hauptschule zu finden ist.

Schlussendlich lautet die fröhliche Botschaft: «Wir geben noch nicht auf.» Die 16 Probanden haben dafür die besten Voraussetzungen: Sie haben Selbsterkenntnis, wollen ihr Leben aus dem Dreck ziehen. Dazu dürfte nicht zuletzt das Casting-Versprechen der Produktionsfirma beigetragen haben, nicht nur Fahrtkosten und Schulmittel, sondern obendrein auch noch zum Abschluss der Dreharbeiten ein kleines Entgelt zu zahlen.

Zu guter Letzt - und um für die kommende Woche wieder Quote zu sichern -, darf im Vorausblick ein Lehrer in Tränen ausbrechen und zeigen, dass ihm die Problemschüler an die Nieren gehen.

Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Kommentar 2
  • 27.06.2009 15:59
 

also das gängige Vorurteile im TV für Quote sorgen müssen ist ja nichts neues. allerdings ein hauptschulabschluss so darzustellen als wäre damit den Heranwachsenden ein Gefallen mit getan worden ist einfach nur dumm. Das ist doch das eigentliche Problem, erst kommt man auf eine haupptschule, und muss sich mit dem dummen gesocks gutstellen und gegen das lernen, und dann kann man nach jahren ein hauptschulabschluss in den Händen halten, der nicht mal gut genug ist um sich damit den Hintern ab zu wischen.

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  • Kommentar 1
  • 22.06.2009 21:54
 

Was die BILD für die Printmedien ist SAT1 für den Bereich TV.Es wundert also nicht,dass man sich bei SAT1 nach dem Flop mit den Hartz IV Sozialfahndern nun auf auf Krawall gebürstete Jugendliche stürzt. Negieren und schlecht machen ist ihr Geschäft (das von SAT1).Dabei ist das Jungvolk gar nicht einmal so schlecht und sicher nicht so schlecht wie es in den Medien generell darzustellen versucht wird.Man muss den Jugendlichen halt Perspektiven bieten (nicht nur formal "anbieten").Und gerade die Jugend hat ein feines Ohr für Zwischentöne + mit der ehrlichen Wahrheit kommt man da wesentlich weiter

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