Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Mit Vampirgeschichten hat sich Anne Rice als Autorin einen Namen gemacht. Auch wenn sich die Amerikanerin mittlerweile von den dunklen Figuren abgewendet hat, ihr «Interview mit einem Vampir» bleibt ein Knüller – auch in der Hörbuchfassung.
Die Geschichte um den jungen Aristokraten Louis, der in einer Nacht der Selbstaufgabe zum Vampir gemacht wird, ist inzwischen mehr als 30 Jahre alt. Und auch wenn eine Verfilmung mit Tom Cruise und Brad Pitt in den Hauptrollen ihr sicherlich zur weiten Verbreitung verholfen hat, gehört Anne Rice' Erstling zu jenen Büchern, die aus sich selbst heraus überzeugen.
Das liegt nicht zuletzt an der Ausgestaltung der Charaktere. Louis, geprägt von der Aristokratie des 18. Jahrhunderts, ist der Nachdenkliche. Lestart, der ihn erst zum Vampir gemacht hat, eine Art Rebell, der seine Natur über alles stellt. Beide sind so gegensätzlich, dass sie sich immer wieder aneinander reiben. Bis Louis die Nase voll hat von der Ignoranz seines materialistisch geprägten Gefährten.
Lestart macht schließlich die fünfjährige Claudia unsterblich, in der Hoffnung, Louis an sich zu binden. Doch das Kind, das niemals sterben kann, sorgt letztlich für den Bruch zwischen den beiden Männern. Der nachdenkliche Untote und seine Begleiterin, aus der eine Frau, gefangen im Körper eines Kindes wird, versuchen ihren Schöpfer hinter sich zu lassen und gehen auf die Suche nach ihren Wurzeln. Doch im Paris der alten Zeit begegnen sie letztlich ihrem Schicksal.
Der Audio Verlag hat das Drama wieder aufs Tapet gebracht – als Hörbuch. Sich das zu Gemüte zu führen, lohnt sich durchaus. Nicht zuletzt, weil mit David Nathan die Sprecherrolle außergewöhnlich gut besetzt ist. Mit Nathans Stimme im Ohr - bekannt unter anderem als Synchronsprecher von Johnny Depp, Val Kilmer oder Christian Bale – ist es ein leichtes, mit dem inneren Auge in das New Orleans des 18. Jahrhunderts einzutauchen.
Filmfans mögen die Gesichter der Verfilmung vielleicht nicht aus dem Kopf kriegen. Doch sie dürften von der Lesung ebenso fasziniert sein wie Hörer, die mit Vampirgeschichten eigentlich nichts anfangen können. Zu verdanken ist das Nathans Stimme. Doch nicht etwa, weil sie besonders markant wäre. Es ist viel eher die Intonation, das nur begrenzte und dabei nie langweilig werdende Spiel mit Tonhöhen, der man sich nicht entziehen kann. Kühle und Emotion, Verachtung und Bedächtigkeit sind durchdringend intensiv.
Dramatik entsteht hier nicht nur durch Lautstärke oder Tempo, sondern durch sprachlichen Nachdruck, durch lautes Flüstern. Nathan ließt nur da dramatisch, wo es wirklich notwendig, wo es wesentlich ist. Und so gelingt eine einmalig klangliche Akzentuierung einer Geschichte, die einer Kreatur der Nacht allzu menschliche Wesenszüge verleiht. Die Moral, Identitätsfindung und Leidenschaft in einer Welt etabliert, die vermeintlich nur mit dem Trieb zur Selbsterhaltung assoziiert wird.
Nathan gelingt es, den Platz, den Anne Rice' Geschichte für das Nachdenken über die Situation und die Figurenentwicklung ohnehin schon bietet, noch weiter auszubauen – dem Verzicht auf künstliche, stimmliche Übertreibung sei dank. Und genau das ist es, was die Entscheidung für Nathan als Sprecher so gut und das Interview mit einem Vampir absolut hörenswert macht.
Autor: Anne Rice
Titel: Interview mit einem Vampir
Sprecher: David Nathan
Laufzeit: zirka 315 Minuten
Verlag: Der Audio Verlag
Preis: zirka 20 Euro
Erscheinungstermin: März 2009
Der Vampir heißt LESTAT.
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