Sa., 04.02.12
Interviews

Sonya Kraus «Mein Schönheitsideal ist anders als ich»

Von news.de-Redakteur Christian Vock

Artikel vom 30.05.2009

Sonya Kraus gilt für viele als die TV-Schönheit Deutschlands. Mit «Baustelle Body» hat sie gerade ein Buch mit Körperpflegetipps auf den Markt gebracht. Dementsprechend spricht sie mit news.de vor allem über Schönheit. Oder besser Aura, wie sie sagt.

Frau Kraus, wobei habe ich Sie gerade gestört?

Sonya Kraus: Ich bin gerade bei meiner Buchhaltung. Ich habe heute einen Schreibtischtag.

Das klingt nicht gerade spannend.

Kraus: Nein, das ist wirklich das schlimmste, was ich tun muss. Ich hasse Buchhaltung. Ich bin ein kleines Chaoskind.

In Ihrem neuen Buch Baustelle Body (Lübbe Verlag) geben Sie Tipps, wie man schöner wird beziehungsweise bleibt. Was verstehen Sie denn unter Schönheit?

Kraus: Ich mag das Wort Schönheit eigentlich gar nicht. Für mich ist Schönheit ein Kampf, ein Krampf und unfairerweise manchmal gottgegeben. Ich mag lieber das Wort Aura.

Was an sich finden Sie denn schön, beziehungsweise was macht Ihre Aura aus?

Kraus: Ich glaube meine Gelassenheit. Ich kann wunderbar gemachte und echte Probleme unterscheiden und das lässt mich natürlich sehr gelassen werden. Und ich habe natürlich das ganze Knowhow. Diese Zaubernüsse in meiner Damenhandtasche, die ich wie Cinderella auf den Boden werfen kann und die mich im Handumdrehen in eine Prinzessin verwandeln. (lacht) Helena Rubinstein hat einmal gesagt, es gibt keine hässlichen Frauen, es gibt nur gleichgültige. Ich würde sagen, es gibt keine hässlichen Menschen, es gibt nur gleichgültige. Ich bin auch keine Naturschönheit.

Naja, da gibt es schon die ein oder andere Gegenstimme.

Kraus: Das ist komplett subjektiv. Mein Schönheitsideal sieht ganz anders aus als ich.

Und wie?

Kraus: Ein Ballettmädchen. Ich war auf einem Konservatorium und da war das Schönheitsideal ein ganz anderes: 1,62 Meter und knabenhaft. Da bin ich so weit entfernt wie der Mars von der Venus. Als ich in der Pubertät plötzlich Formen bekam, war das für mich die «Beulenpest» und ganz, ganz tragisch, denn ich entwuchs meinem Idealbild. Bis heute finde ich androgyne Menschen großartig: Annie Lennox oder Grace Jones.

Aber sie sind trotzdem zufrieden.

Kraus: Ich habe mich arrangiert. Ich habe das Beste daraus gemacht. Das ist auch das, was ich vermitteln möchte: Akzeptanz und Chuzpe mit der eigenen optischen Wirkung.

Auf dem Cover des Buches sieht man Sie einmal geschminkt und einmal ungeschminkt. Hat es Sie Mut gekostet, sich auch einmal ungeschminkt zu zeigen?

Kraus: Eigentlich gar nicht. Ich kann ganz gut mit der ungeschminkten Sonya leben. Die ungeschminkte hätte es nur nie ins Fernsehen geschafft, weil Sie einfach nicht so auffällig ist.

Gehen Sie denn auch mal ungeschminkt vor die Tür? Viele Frauen haben ein Problem damit.

Kraus: Wenn ich morgens mit meinen beiden Hunden aufs Feld gehe, hat mein Körper noch nicht mal ein Tröpfchen Wasser gesehen. Gott sei Dank wohnen um mich herum nur ältere Herrschaften ohne Fotohandy. Da steh ich dann mit Frotteejogginganzug und Gummistiefeln auf dem Feld. Eitel bin ich vornehmlich im Beruf.

Gleich zu Beginn Ihres Buches schreiben Sie, es sei schlau, nach Schönheit zu streben. Sie wenden sich dabei an den «pickeligen, gehemmten Teenager, der in jedem von uns steckt.» Schönheit sei also der Schlüssel zu Selbstbewusstsein, ...

Kraus: Da muss ich leider widersprechen. Ich hab das ein bisschen anders geschrieben. Ich wollte im Vorwort den Menschen einfach die Hemmungen nehmen, dass es so verwerflich ist, nach Schönheit zu streben. Man hat Forschungen und Studien durchgeführt, dass es evolutionär bedingt ist, dass wir so fasziniert und angezogen sind von dem, was wir als schön empfinden. Wir Menschen, das vermuten die Forscher, setzen Schönheit mit einem Indiz für Gesundheit gleich. Zum Beispiel ein symmetrisches Gesicht bedeutet gute Gene und damit sind wir dann wieder beim Thema Gesundheit. Das ist alles miteinander verwoben. Es geht hier nicht nur um die reine Fassade, sonst hätte ich Baustelle Schönheit geschrieben, aber das Buch heißt Baustelle Body, was natürlich noch ein bisschen provokanter ist. Das heißt, es geht um das große Ganze.

Ein Buch mit Körperpflegetipps gehört also zum unbedingten Rüstzeug fürs Leben?

Kraus: Es ist ein Sach-, aber vornehmlich auch ein Lachbuch. Rüstzeug trifft daher auf meine Bücher nie zu. Das klingt so seriös, so anstrengend. Rüstzeug ist ein zu großes Wort. Ein Lexikon ist Rüstzeug, aber davon bin ich doch sehr weit entfernt.

Aber wenn man ihr Buch liest und den einen oder anderen Tipp befolgt, kommt man schon leichter durchs Leben?

Kraus: Hängt von der Leserin ab, was sie daraus macht. Ich versuche immer auch einen gewissen Spirit zu vermitteln. Und diese Gelassenheit, dieses leicht selbstironische auch an meine Leser weiterzugeben. Es ist für mich schon zu einer richtigen Lebensphilosophie geworden, dass man auch mit den eigenen Macken schmunzelnd durchs Leben gehen kann, ohne vertuschen zu müssen, dass man sie selbst auch als Macken empfindet. Sei es charakterlich oder eben optisch.

Aber sie schreiben, Menschen, die sich selbst schön finden, gehen selbstbewusster durchs Leben.

Kraus: Das ist auch umgekehrt so. Wenn jemand mit einem gepflegten Äußeren zu einem Vorstellungsgespräch geht, dann sieht ja auch das Gegenüber, dass man Arbeit in sich selbst steckt. Das ist wiederum ein Garant für Erfolg und der Chef stellt auch definitiv lieber jemanden ein, der gesund wirkt.

Schönheit schlägt also Leistung?

Kraus: Nicht auf lange Sicht. Aber sie vereinfacht vieles. Menschen sind nun mal sehr visuell geprägt und tappen oft in die Optikfalle. Der erste Eindruck ist nun mal visuell.

Wird Schönheit demnach überschätzt?

Kraus: Gelegentlich wird sie definitiv überschätzt. Aber ich denke, das ist von Person zu Person unterschiedlich. Es ist nur menschlich, dass wir der Schönheit erliegen, aufgrund der Tatsache, dass wir genetisch so gebaut sind, dass wir Schönheit mit gesunden Genen assoziieren. Aber ich glaube, mit einer schönen Fassade allein kommt man nicht weit. Dass wir Schönheit oder Ästhetik verfallen, liegt nun mal in der Natur des Menschen. Es wäre natürlich ganz großartig, würden wir nur auf den Charakter schauen. Aber so ist es nun mal nicht.

ham/news.de
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Sonya Kraus: «Mein Schönheitsideal ist anders als ich» » Medien » Nachrichten

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 17.06.2009 13:46
von

...Meins auch! Was nicht heissen soll dass ich sie unansehnlich finde, aber wann immer sie ihren Beruf ausübt, ist sie für mich unerträglich.

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