Ein angekratzter Orgasmus
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 09.06.2009
Wer als Schauspielerin in Hollywood groß rauskommen möchte, sollte den Lesbenkuss beherrschen, einen Orgasmus vortäuschen und strippen können. Das lässt sich aus der ersten Folge der RTL-Castingshow «Mission Hollywood» lernen.
Yesim steht unter Druck. Sie soll ihren BH ausziehen und falsche Nippel auf den Busen kleben und dann so strippen wie Kim Basinger. Schließlich soll die Szene aus 9 1/2 Wochen realistisch wirken. Nervös nestelt sie an den Gummi-Brustwarzen herum und lässt den TV-Zuschauer wissen, dass sie ihrem Mann versprochen hat, «nichts mit Sex zu machen». «Ich bin nicht prüde», sagt die 27-jährige Kölnerin, «ich möchte mich nur nicht am ersten Tag ausziehen.»
Willkommen in Hollywood, liebe Yesim. Willkommen in der Welt des Til Schweiger – seines Zeichens Autor, Produzent, Regisseur und Schauspieler mit, wenn auch unbedeutender, Hollywooderfahrung. «Sex sells» - das ist das Motto der ersten Folge der neuen RTL-Castingreihe Mission Hollywood. Darin kämpfen zwölf Nachwuchsschauspielerinnen um eine nicht näher definierte Rolle in der Fortsetzung des Vampir-Blockbusters Twilight und einen Vertrag mit Erwin Stoff, dem Agenten von Sandra Bullock und Keanu Reeves.
Normalerweise hätten sie dazu beim Filmproduzenten vorsprechen müssen, doch in Zeiten von DSDS und Germany's Next Topmodel geht berühmt werden anders: Vermeintliche Talente präsentieren sich gleich der ganzen TV-Nation - und der anscheinend obligatorischen dreiköpfigen Jury, der in diesem Fall neben Schweiger und US-Schauspielcoach Bernard Hiller wechselnde Promis und Profis wie etwa Schauspieler Heiner Lauterbach und Erotikmodel Carmen Electra angehören.
Dass dies kein Zuckerschlecken werden würde, hätten sich die Mädels denken können. Dennoch ist das Erstaunen groß, als sie von Schweiger für den ersten Dreh Filmszenen nachspielen sollen und dazu in eine Strip-, Zungenkuss- (Eiskalte Engel) und Orgasmus-Gruppe (Harry & Sally) eingeteilt werden. Lockenkopf Miriam-Anna (23) aus Stuttgart kann nicht wirklich hochdeutsch, sondern schwäbelt sich durch ihren Meg-Ryan-Orgasmus (Schweiger: «Du hast nur am Orgasmus gekratzt»). Die emotionale Margarita (20) aus Kassel weint schon nach einer Viertelstunde zum ersten Mal, weil sie vom Tod der Mutter einer Mitbewerberin erfahren hat.
Die religiöse Friederike (26) sucht vor ihrem Auftritt den Kontakt zu Gott, denn dann «lässt es sich viel entspannter an die Sache rangehen». Und Juliane (25), die früher in der Schule gemobbt wurde und nun auf die Bühne will, «damit die Leute öffentlich über sie lästern können», bekennt: «Ich liebe es, Männer anzumachen. Das geilt so auf.» Das kann sie offenbar nicht vermitteln. «Du hast ein Problem mit der Sinnlichkeit», urteilt Hiller über ihr Spiel. Angeblich genügt für ihn ein einziger Blick in die Augen der Mädchen, um zu erkennen, ob in ihnen Hollywood-Potenzial steckt.
Währenddessen versucht Schweiger sich in der Rolle der Heidi Klum. Heißt: Er will den fiesen Juror geben. Das gelingt dem Schauspielprofi aber nicht, er ist noch weniger talentiert im Spannungsaufbau als die Modelmama. Aber er hat ein paar wertvolle Tipps und Lebensweisheiten für seine Schülerinnen parat. Dina (23) aus Berlin rät er, sich die Haare schneiden zu lassen («dann würdest du nicht so billig aussehen») und ein bisschen abzuspecken. Schließlich habe er ein tolles Bikini-Foto von ihr gesehen, auf dem sie mindestens 15 Kilo schlanker sei. An anderer Stelle verrät er den irritierten Kandidatinnen: «Beim Film sagt man: ‹Wer Requisiten klaut, der bumst auch Komparsinnen›.» Sagt's und isst die Weintrauben am Set.
Auffallend wenig Sendezeit gibt es für Annika (27), die mit ihrer 18 Monate alten Tochter in Berlin lebt, Lehramts-Studentin Sabrina (22) aus München und Küken Vanessa (20) aus Osnabrück. Ein Zeichen dafür, dass sie es unter die Top drei schaffen werden? Derweil ist für drei Mädchen der Traum von der Hollywoodkarriere schon ausgeträumt. Immerhin hat Schweiger ein paar nette Abschiedsworte parat: «Ihr seid entzückende Mädchen», sagt er. Das allein nützt ihnen aber nichts. Immerhin: 120 Minuten Fernsehruhm haben sie bekommen. Jetzt müssen sie sich wieder selber einen Job suchen.
Und Yesim? Die Türkin mit den großen Mandelaugen darf den BH anbehalten und die falschen Nippel beiseite legen. Ihre Kim-Basinger-Interpretation hat zwar nicht überzeugt, was Hiller in Modeltrainer-Bruce-Darnell-Manier mit folgenden Worten kommentiert: «Dein schauspielerisches Können kommt nicht vom Körper, sondern es kommt vom Kopf - und dein Kopf ist nicht dein Freund.» Aber immerhin ist sie attraktiv genug für Hollywood.
Mission Hollywood, RTL, montags, 20.15 Uhr.
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