Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Fast hätte Rock im Park nicht stattfinden können. Drei Anwohner hatten versucht, per Eilklage das Festival wegen «unzumutbarer Lärmbelästigung» zu verbieten. Dennoch ziehen Veranstalter und Helfer hinter den Kulissen eine positive Bilanz.
Zur Freude der Besucher hatten die Anwohner keinen Erfolg mit dem Verbotsversuch. Der Bayerische Gerichtshof gab in letzter Sekunde grünes Licht für die Veranstaltung mit der Begründung, dass aus einer kurzfristigen Absage Fantumulte und wirtschaftliche Schäden folgen könnten.
«Das Gelände wurde schon immer für Veranstaltungen genutzt», sagt Projektleiter Martin Reitmaier von Argo-Konzerte, die das Festival mit veranstalten. Dem einstweiligen Urteil wird sich ein Hauptverfahren anschließen, doch Reitmaier ist zuversichtlich. «Ich kann auch nicht in die Nähe eines Atomkraftwerk ziehen und verlangen, dass das weggemacht wird», frotzelt er.
62.000 Besucher sollen laut Konzertagentur in diesem Jahr im Park dabei gewesen sein. Kein Wunder, dass sie Bilanz der leiblichen Versorgung bombastisch ausfällt - 100.000 Liter Bier (leider meist nur von einer Marke), 50.000 Liter alkoholfreie Getränke und 200 Tonnen Nahrungsmitteln sind über die Tresen der verschiedenen Stände gereicht worden.
Der Verpackungsmüll, der dabei an drei Tagen produziert wird, ist durch die 240 Mülltonnen auf dem 660.000 Quadratmeter großen Gelände scheinbar nicht aufzufangen. Wie ist es sonst zu erklären, dass die Bereiche vor den drei Bühnen wie Schlachtfelder aussehen? Dass es keine Mülleimer im Bühnenbereich gibt, begründet Argo-Projektleiter Wolfgang Thiel mit dem Sicherheitsaspekt. Vor der Bühne gebe es «musikabhängige Bewegungen» - er meint wohl Tanzen und Springen - bei denen die nur im Weg wären. Vier Tage brauchen die Mitarbeiter und Reinigungskräfte nun, um den Park wieder in einen Zustand zu versetzen, der der Ausganglage nahe kommt.
Auf die Einsicht der Festivalbesucher hoffend und als Versuch dem Müllwahnsinn entgegenzutreten, verleihen die Veranstalter in diesem Jahr zum ersten Mal einen Preis – den «Müll-Rocky». Den erhalten die Camper, die den saubersten Zeltplatz hinterlassen haben. Das Ganze muss mit Fotos dokumentiert werden, die bei parkrocker.net hochgeladen werden. Zu gewinnen gibt es Tickets für Rock im Park 2010.
Auch die Polizei ist zufrieden mit dem Ablauf des Festivals. «Bei so vielen Teilnehmern sind sieben Körperverletzungen eine verschwindend geringe Zahl», sagt Polizeieinsatzleiter Dieter Neugebauer. Einzig die Anzahl der Diebstähle aus Zelten und Taschen sei mit 63 ungewöhnlich hoch. Die Beamten gehen von «professionellen Tätern» aus. Mindestens 50 Polizisten waren während des Festivals ständig im Einsatz. «Zu Brennpunktzeiten sind es mehr Kollegen, so etwa wie bei einem Relegationsspiel gegen Cottbus, 250 bis 300 Mann», zieht Neugebauer den Fußballvergleich.
Walter Meyer, Einsatzleiter der Nürnberger Hilfsorganisationen, hat auch ein paar Zahlen parat. «Wir waren mit 980 ehrenamtlichen Mitarbeitern im Einsatz und haben 2200 Mal behandelt, das waren Schnittwunden, Zeckenbisse, Kreislaufprobleme. 212 Personen hatten viel zu viel Alkohol getrunken.» Die meisten konnten ihren Rausch in einem eigens dafür aufgestellten Zelt «kontrolliert ausschlafen». Andere mussten ins Krankenhaus gebracht werden. «Die Toxikologische Klinik in Nürnberg hatte schon einen Aufnahmestopp angedeutet, aber nicht wegen Rock im Park, sondern wegen der Bergkirchweih in Erlangen», sagt Meyer.
Nächstes Jahr wird Rock im Park zum 25. Mal stattfinden, vom 6. bis 8. Juni. Und auch die nächste Klage der Nachbarn kommt bestimmt.
mik