Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Die Rheinkultur ist das größte eintrittsfreie Musikfestival Deutschlands. Um die 50 Bands spielen am 4. Juli auf fünf Bühnen in der Bonner Rheinaue. News.de sprach mit Veranstalter Holger Jan Schmidt über Bandgagen, Zuschauer und Umweltschutz.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bands für die Rheinkultur aus?
Schmidt: Da gibt es Verschiedenes, was mit reinspielt. Qualität, Popularität, Lokalität und - natürlich - persönlicher Geschmack.
In der Regel darf jede Band nur einmal bei der Rheinkultur spielen.
Schmidt: Diese Regel gibt es seit zwei Jahren nicht mehr und vorher bestand sie, um immer etwas Neues bieten zu können und zu müssen. Aber es hat sich über die Jahre immer wieder gezeigt, dass es sehr traurig ist, einer Band, die nach ihrem Auftritt großen Erfolg hat und wiederkommen will, abzusagen, weil man ungeschriebene Gesetze hat.
Rheinkultur gehört zu den zahlreichen Umsonst-und-Draußen-Festivals. Sind diese Veranstaltungen untereinander vernetzt?
Schmidt: Es bestehen einige Freundschaften und eine Reihe lockere Bekanntschaften, aber nicht nur zu eintrittsfreien Veranstaltungen. Leider hat das Umsonst-und-Draußen-Label so einen unverdienten Hippietouch. Sicherlich gibt es darunter sehr alternative Festivals, andererseits aber auch Veranstaltungen, die mit kommerziellen konkurrieren können, wie zum Beispiel Das Fest in Karlsruhe oder wir.
Wie wird Rheinkultur finanziert?
Schmidt: Es gibt drei Standbeine der Finanzierung: Konzessionen, wie Getränke, Essen und Stände, dann Sponsoring und ein paar Zuschüsse von der Stadt.
Sind dann die Getränke besonders teuer?
Schmidt: Die Getränke sind genauso teuer wie bei den anderen Topfestivals auch und dort hat man vorher an die hundert Euro Eintritt bezahlt. Es gibt aber immer wieder Rheinkultur-Besucher, die sich über die Preise beschweren. Da fehlen mir manchmal die Worte, denn es scheint, als würde nicht darüber nachgedacht, wie dieses Mammutding finanziert werden kann.
Bekommen die Bands Gage?
Schmidt: Ja, auf jeden Fall. Aber ich wage zu behaupten, dass niemand das bekommt, was er gewohnt ist. Jede Band wird für sich den Promotionfaktor mit einkalkulieren und dann für das überschaubare Angebot der Rheinkultur abwägen, ob es machbar ist. Es wird bei der Fülle von Festivals in ganz Europa auch nicht leichter, mit einem gleich bleibenden Budget gute Line-ups zu buchen, die auf Entgegenkommen der Künstler beruhen.
Rheinkultur gibt es nun seit 26 Jahren. Was waren die bedeutendsten Ereignisse?
Schmidt: Das ist eine wirklich schwere Frage, denn es gab sicher immer etwas, das einem von uns viel bedeutet hat. Die Jubiläums-Rheinkultur 2007 war aber sicherlich etwas Außergewöhnliches. Es waren etwa 200.000 Menschen da, die Fantastischen Vier haben gespielt und es ist gut für uns ausgegangen, obwohl wir kurz vor dem Festival noch nicht die komplette Finanzierung gedeckelt hatten.
Wozu braucht man heutzutage neben der Musik das ganze Drumherum wie Skatecontest, Streetballturnier und so weiter?
Schmidt: Weil die Leute sich darüber freuen. Es ist nicht das Rheinmusik-Festival, sondern die Rheinkultur und da gehört etwas mehr zu. Wir haben den Platz und die Partner und das Publikum nimmt es sehr positiv an. Bei entsprechenden finanziellen Ressourcen würden wir auch noch weitere Programmpunkte jenseits der fünf Bühnen realisieren.
Wer sind die Zuschauer, die zur Rheinkultur kommen?
Schmidt: So ziemlich alles, was laufen kann. Aber es sind laut Erhebungen, etwas mehr Mädels als Jungs überwiegend zwischen 18 und 29 Jahre alte vergleichsweise gebildete Musikliebhaber.
Rheinkultur hat den Ruf, ein umweltfreundliches Festival zu sein. Was steckt hinter Green Rocks?
Schmidt: Die Rheinkultur ist seit längerem auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der nachhaltigen Festivalproduktion das führende Großevent in Deutschland und gehört diesbezüglich auch zu den Vorzeigefestivals in Europa. Nach der erfolgreichen Einführung des festivaleigenen Programms Green Rocks, in dem sich unsere reichhaltigen Bemühungen und Aktionen subsummieren, wird die Schraube 2009 weiter aufgedreht. Dank einer Kooperation mit dem Projekt co2mpense werden die verursachten Emissionen erfasst und durch einen Sponsor mittels Aufforstung kompensiert. Auch das Publikum ist aufgerufen, sich kostenfrei daran zu beteiligen, den von ihnen verursachten CO2-Ausstoß online zu errechnen und von co2mpense kompensieren zu lassen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Was macht die Rheinkultur zu einem besonderen Festival?
Schmidt: Die Rheinkultur ist eintrittsfrei, friedlich, umweltfreundlich, vielseitig, jung und trotzdem bereits über ein Vierteljahrhundert en vogue!
Holger Jan Schmidt ist Geschäftsführer der Rheinkultur GmbH, die das Bonner Festival veranstaltet. In diesem Jahr hat er als Booker unter anderem Culcha Candela, Selig, No Use For A Name, The Bronx, Kilians und Olli Schulz für Auftritte gewinnen können.
mik