Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Seit 1985 verschreiben sich die Reporter ohne Grenzen der Pressefreiheit und stellen sich gegen Zensur und Unterdrückung. Dafür erhalten sie in Aachen die Karlsmedaille für Europäische Medien. Ihr Kampf aber ist damit noch lange nicht beendet.
Wenn die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) heute die Karlsmedaille für Europäische Medien erhält, hat das einen guten Grund. Ohne Medien, die frei von Zensur arbeiteten, könne die Weltöffentlichkeit nicht umfassend informiert werden, begründete die Vorsitzende des Kuratoriums, Frauke Gerlach, die Entscheidung. Und genau dafür wollen die Reporter ohne Grenzen auf der ganzen Welt eintreten: Sie kämpfen für Pressefreiheit und gegen Zensur, wenden sich gegen die Verfolgung von Journalisten und setzen sich für in Haft geratene Medienvertreter ein.
Jean-Francois Julliard, Generalsekretär der Organisation, sagte: «Unser Wunsch ist es, dass die europäischen Staaten sich zukünftig noch deutlicher als bisher gegenüber den Regierungen solcher Länder artikulieren, die die Rechte von Journalisten nicht akzeptieren.» In einem Interview mit der Main-Post hatte er am Dienstag gesagt: «Es ist gefährlicher geworden, Journalist zu sein.»
Gegründet wurden die ROG 1985 in Paris vom Radiojournalisten Robert Ménard als «Reporters Sans Frontières», ein Name, der auf die Ärzte ohne Grenzen, die «Médecins Sans Frontières» anspielt. Nach eigenen Angaben verfügt die Organisation über ein Jahresbudget von etwa vier Millionen Euro (Stand 2006), das sich zu knapp 60 Prozent aus Verkäufen von Büchern oder Auktionen speist. Etwa ein Viertel kommt durch Spenden zustande, unter anderem von den Unternehmen Sanofi Aventis und Benetton.
Trotz ihres hohen Ansehens wurden die ROG des Öfteren auch kritisiert. So wurde ihnen etwa vorgeworfen, mit ihrer selektiven Auswahl über verfolgte Journalisten immer wieder politische Vorurteile zu schüren. Ein weiterer Vorwurf lautete, dass sich die Organisation durch staatliche Gelder in ihrer Arbeit beeinflussen lasse.
Das eigentliche Anliegen aber, der Kampf für die Pressefreiheit, ist zumindest hierzulande größtenteils unumstritten. Die Zahlen, die jedes Jahr zu diesem Thema veröffentlicht werden, sprechen für sich. So kamen 2008 weltweit 60 Journalisten bei der Arbeit ums Leben, 673 wurden festgenommen, 929 erlitten Gewalt oder wurden bedroht, 29 wurden entführt. Das «Barometer» für 2009, das die ROG auf ihrer Internetseite veröffentlichen, zeigt aktuell 20 Tote und 151 inhaftierte Journalisten sowie 70 inhaftierte Online-Dissidenten an. Der letzte bekannt gewordene deutsche Fall war der des Afrika-Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Thomas Scheen, der im November im Ost-Kongo gefangengenommen worden war.
Tatsächlich aber stehen bei den ROG immer wieder die gleichen Länder im Fokus, wie China, Russland oder der Iran. Für Aufsehen sorgte zuletzt neben der Verhaftung der amerikanisch-iranischen Journalistin Roxana Saberi im Iran aber auch die Sperrung des Videoportals YouTube in der Türkei, gegen den die Reporter ohne Grenzen protestiert hatten.
Doch es finden sich auch immer mehr westliche Länder auf der Liste der Organisation. Neben der Monopolstellung des Medienimperiums von Silvio Berlusconi in Italien etwa kritisieren Reporter ohne Grenzen auch andere europäische Staaten. In ihrem Bericht zur Pressefreiheit hieß es dazu kürzlich: «Die bulgarische Presse ist nicht die einzige in der Europäischen Union, die Drohungen und Gewalt durch mafiöse oder paramilitärische Gruppen aushalten muss. In Italien stehen rund zehn Journalisten unter Polizeischutz. Auch in Frankreich und Dänemark müssen Reporter beschützt werden und in Spanien übt die Eta immer noch Druck auf Medienmitarbeiter aus, die die Organisation und ihre terroristischen Methoden kritisieren.»
Und selbst in Deutschland warnen ROG und Medienverbände vor einer Aushöhlung der Pressefreiheit. Datenskandale in Unternehmen, der Abbau der Medienvielfalt oder der Eingriff des Staates in Informantenschutz oder Zeugnisverweigerungsrecht seien zwar noch Einzelfälle, könnten sich aber leicht zu einem ernstzunehmenden Problem ausweiten, hatte Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai erklärt.
Noch aber steht Deutschland in der ROG-Rangliste 2008 auf einem ordenltichen 20. von 173 Plätzen. Spitzenreiter sind Island, Luxemburg und Norwegen, die letzten Plätze belegen Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea. Das oft kritisierte China liegt auf Platz 167, Russland auf 141 und die Türkei auf 102.
Ein wachsendes Problem stellt für die ROG neben der Pressefreiheit die Meinungsfreiheit dar, besonders im Internet. Immer mehr Staaten versuchen nach Angaben der Organisation, das Netz zu kontrollieren, immer wieder werden etwa in China, Ägypten, Kuba, dem Iran, Syrien oder Vietnam Blogger verhaftet. In Birma wurde im November ein Autor, der im Internet als Nay Phone Latt über das harte Leben unter der Militärjunta berichtet hatte, zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Zu den Feinden der Pressefreiheit gehören laut den ROG aber nicht nur Regierungen, sondern auch paramilitärische und terroristische Gruppen, Rebellen und kriminelle Netzwerke. Ein Beispiel sei Mexiko mit seinen Drogenkartellen. Die Hälfte der mindestens 46 seit dem Jahr 2000 dort ermordeteten Journalisten hätte über Drogenhandel recherchiert.
Mit der «Médaille Charlemagne pour les Médias Européens», die die Reporter ohne Grenzen heute erhalten, wird seit 2000 im Vorfeld der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen eine Persönlichkeit oder Institution ausgezeichnet, die sich auf dem Gebiet der Medien in besonderer Weise um den Prozess der europäischen Einigung und die Herausbildung einer europäischen Identität verdient gemacht hat. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der Schriftsteller Cees Nooteboom, der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen und die Stiftung Berliner Philharmoniker.
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Zu Komm1 ..also lieber erst-Schreiber; alles gelinde ausge- drückt!!! Diese westlichen "Engel" stellen "Andere" an den Pranger um von sich in ihren dekadenten Diffamierungs Campanien von eigenem misteriösen Spiel des Presse-Misbrauchs abzulenken. Sicherlich man tötet hier nicht zig Journalisten, aber Jene die sich einfach nicht an den Political- Correctness beteiligen... haben eines Tages einen UNFALL oder fahren "volltrunken" Auto und verun- glücken tödlich --- "SO EIN PECH ABER AUCH " Wie kann man sowas nur denken ?????
jetzt antwortenKommentar meldenDas scheint aber für Deutschland nicht zu gelten. Wenn man sich die Politshows anschaut, die Inhalte von Artikeln scheinen unsere Reporter nur noch dem Mainstream zu dienen. Es gibt zwar viele Zeitungen , bunte Illustrierte, und natürlich die Funkmedien, aber in der Berichterstattung scheinen sie alle voneinander abzuschreiben.Ist ja fast so wie in der DDR.
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