Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Sie hat einiges zum Herzeigen und tut es auch. Beth Ditto, Sängerin der amerikanischen Band Gossip, wiegt gut zwei Zentner, präsentiert sich gern nackt auf Magazincovern und liebt einen Transvestiten. Damit hat sie es bis zur Stilikone gebracht.
Schon 2007 kürte sie das englische Musikmagazin New Musical Express (NME) zur coolsten Frau des Jahres, doch damit fing der Hype erst an. Bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen von Stella McCartney und Nina Ricci saß sie in der ersten Reihe, gleich neben den Reichen und Schönen.
Die 28-Jährige kann die Mode nicht anziehen, die da gezeigt wird, denn an ihr ist genug dran für zwei Rubensdamen. Vor ein paar Monaten noch kritisierte sie: «Ich liebe Mode, aber sie ist einfach nicht fair. Mode sollte für jedermann sein.» Die Designer scheinen sie erhört zu haben. Denn für die Sängerin verwenden sie nun gern die doppelte Menge Stoff. Und so kann Ditto in den edelsten Designerroben über den roten Teppich wandeln.
Selbst Karl Lagerfeld, der sich fast nur von Cola light ernährt, soll bekennender Fan der 28-Jährigen sein. Er lässt sich von ihrer Musik inspirieren und soll Unterwäsche für Beth Ditto entworfen haben. Die neue Lagerfeld-Muse, wie sie von Boulevardblättern bereits genannt wird, befindet sich jenseits der Knabenhaftigkeit oder gar des Heroinchics der 1990er Jahre, den Model und Mit-Muse Kate Moss prägte.
Eben jene Moss sei auch eine Freundin der Ditto. Sie teilen, wenn schon nicht das Interesse für Schokolade, zumindest das für Mode. Die Zeitung Mirror schreibt, Ditto hätte in Moss eine Mentorin gefunden. «Sie gibt mir eine Menge Ratschläge. Es gab viele Dinge, die ich nicht wusste, all die geschäftlichen Angelegenheiten wie Lieferzeiten und solche Sachen», sagte die Sängerin. Es wird gemunkelt, dass auch Beth Ditto demnächst ihre eigene Modelinie herausbringen wird. Sie selbst geht vorzugsweise sowieso lieber ganz ohne Outfit wie erst kürzlich auf dem Cover der britischen Zeitschrift Love zu sehen war. Auch für den NME ließ sie bereits die Hüllen fallen. Sie hat kein Problem damit, zu zeigen, was sie hat.«Es ist total hohl zu glauben, abnehmen macht einen glücklicher.»
Dennoch verkörpert die junge Frau aus den amerikanischen Südstaaten die bedingungslose Rebellion gegen alle gesellschaftlichen Schönheitsideale. Sie liebt die Provokation und schreckt auch nicht davor zurück, sich auf ein paar Jungs, die sie aufgrund ihres Bekenntnisses zum Lesbischsein beleidigen, zu übergeben.
Durch die Mode rückt die Musik, die ihr eigentlicher Broterwerb ist, keinesfalls in den Hintergrund. Mit der Band Gossip hat sie bereits drei Studioalben veröffentlicht. Dem feministisch beeinflussten Punk der drei Mädels aus Arkansas wurde bisher jedoch wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Titel Standing in the Way Of Control, eine Hymne an die Zivilcourage, war im Jahr 2006 bereits ein Clubhit. Das neue Album wird durch die Riege prominenter Unterstützer der Sängerin sicher ein Erfolg. Music for Men erscheint am 22. Juni. Geschäftstüchtig ist die bekennende Schwabbelbauch- und Achselhaarträgerin trotz aller Unkonventionalität also dennoch.
Tourdaten Gossip
21. Mai Mannheim, Feuerwache
22. Mai Berlin, Astra
23. Mai Köln, Electronic Beat Festival, Ewerk
17. Juli Gräfenhainichen, Melt!
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