So., 12.02.12
Google und Datenschutz

Rezension «What Would Google Do?» Google sein - oder sterben

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Artikel vom 12.05.2009

Von der Welt mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Argwohn beobachtet, wächst Google konkurrenzlos. Jeff Jarvis widmet sich dem Geist des Unternehmens und erklärt, warum jeder wie Google denken sollte. Seine Ideen sind nicht neu, funktionieren aber für die Vermarktung des Buches.

Das Google-Lebensgefühl kostet kaum mehr als einen Euro: An die Brust oder den Riemen der MacBook-Umhängetasche geheftet, zeigt ein kleiner Ansteckbutton aus dem Fanshop des Buches jedem, dass sich der Träger die einzig wichtige Frage stellt: «What Would Google Do?», verkürzt auf twittertaugliche Länge: «WWGD?»

Der Titel des Buches von Blogger und Journalist Jeff Jarvis ist eine marketinggerechte Adaption des Armband-Slogans W.W.J.D.What Would Jesus Do?, deutsch: Was würde Jesus tun? und über die 416 Seiten Programm: Jeder Unternehmer, vom Restaurantbetreiber bis zum Fluglinienbesitzer, muss sich laut Jarvis fragen, was Google an seiner Stelle tun würde. Das wichtigste der 40 Erfolgsrezepte: Wer liebgewonnene Kontrolle über Produkt und Marke an seine Kunden abgibt, kann von deren Ideen und Begeisterung nur profitieren.

«Dieses Buch ist harter Tobak für die alte Wirtschaft», kommentiert ein Leser auf der Facebook-Seite des Buches. Dabei sind die Erkenntnisse Jarvis' im besten Falle mitreißend zusammengestellt. Denn dass Offenheit, Vernetzung und Partizipation der Nutzer im digitalen Zeitalter Erfolg oder zumindest den Jubel der Netzgemeinschaft verprechen, ist nicht neu.

Jarvis rennt im ersten Teil seines Buches offene Türen ein, wenn er von Schwarmintelligenz, vom Tod des Massenmarktes, der Suche nach Nischen für Produkte und der gesellschaftlichen Veränderung durch soziale Netzwerke schwärmt. Er erklärt selbst, dass das Eigenarten des Internets sind, macht es sich aber zu einfach, wenn er sagt, Google nutze diese schlicht konsequent und sei deshalb so erfolgreich. Eine Grundannahme, die dem Buch schadet, bleibt durch sie doch eine wichtige Frage offen: Wie sehr die Eigenarten des Internet von der Organisation seiner Inhalte durch Google abhängig waren und sind.

Ganz konkreten Fragen stellt Jarvis sich ab der Mitte des Buches. An verschiedenen Branchen dekliniert er das Modell Google durch. Restaurantbesitzern empfiehlt er, seinen Gästen die beliebtesten Gerichte in der Speisekarte vorzuschlagen, Rezepte ins Netz zu stellen und zum Hochladen neuer Rezeptideen zu animieren. Er erzählt Erfolgsgeschichten wie die eines Weinhändlers aus dem US-Bundesstaat New Jersey, der 2006 einen täglichen Videoblog startete, zum Star wurde und seinen Umsatz von damals vier Millionen Dollar im Jahr auf 60 Millionen heute steigerte.

Jarvis betont, dass seine Vorschläge alles andere als vollständig sind: Ihm gehe es darum, umzudenken und neue Wege in einer vernetzten Welt zu finden. Deshalb lädt er am Ende zur Diskussion auf sein Blog und die WWGD-Facebook-Seite. Während das Buch eine gute Idee letzlich nur immer wieder sprachlich kreativ herunterleiert, ist die konsequente Weiterentwicklung im Web wegweisend. Der Dialog zwischen Autor, Fans und Zweiflern ist rege, das Prinzip Google funktioniert zumindest für Jarvis selbst: Er gibt Kontrolle über seine Ideen ab und bekommt dafür Inspiration für das nächste Buch.

Seit April ist das Buch unter dem Titel «Was würde Google tun?» auch auf deutsch erhätlich.

Autor: Jeff Jarvis
Titel: Was würde Google tun?
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 416 Seiten
Preis: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 27. April 2009

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